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GAP ab 2023: Lohnt sich der Ausstieg?

Sinkende Prämie, mehr Auflagen: Immer mehr Landwirte denken darüber nach, aus der EU-Agrar­förderung auszusteigen. Rechnet sich der Prämienverzicht?

Unsere Experten: Jan-Hendrik Buhk und Uwe Latacz-Lohmann von der Universität Kiel sowie Torben Tiedemann von der Fachhochschule Kiel

Raus aus der EU-Agrarförderung? Angesichts steigender Auflagen und sinkender Prämien mag das für einige Landwirte verlockend klingen. Wirtschaften ohne die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) bedeutet freies Wirtschaften – ohne die GAP-Auflagen, die die EU in Zukunft unter dem Begriff „erweiterte Konditionalität“ zusammenfasst. An die Auflagen des landwirtschaftlichen Fachrechts wie Dünge- oder Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung müssen sich allerdings auch diejenigen halten, die aus der GAP aussteigen. Die Details der GAP-Auflagen finden hier.

Ob ein Ausstieg für Landwirte sinnvoll ist, haben unsere Experten mit spitzem Bleistift nachgerechnet. Für drei Beispielbetriebe haben sie berechnet, wie viel Prämien die Betriebe bereits heute bekommen und was sie ab 2023 erwarten können. Dem gegenüber haben die Experten die Ausgaben gestellt, die anfallen, um die Auflagen der EU heute und auch in Zukunft einzuhalten. Übersteigen diese Kosten die GAP-Prämien, werden sich Landwirte voraussichtlich von der EU-Agrarpolitik verabschieden.

Milch, Veredelung, Ackerbau

Die Beispielbetriebe der Landwirte Huber, Thomsen und Ackermann befinden sich am oberen Ende der Intensitätsskala (Namen frei erfunden). Sie sind hoch spezialisiert und damit weit entfernt von dem, was die GAP ab 2023 eigentlich gerne unterstützen möchte. Hier könnte ein Verzicht auf die EU-Förderung am ehesten in Frage kommen. Die Betriebe entsprechen keinem real existierenden Betrieb. Jedoch reflektieren sie typische intensiv wirtschaftende Betriebe der jeweiligen Regionen.

Auf 120 ha landwirtschaftlicher Fläche (LF) hält Bäuerin Bente Thomsen 200 Milchkühe inkl. Nachzucht (Übersicht 1). Das ist sportlich. Und auch Landwirt Josef Huber ist mit seinen 1 000 Mastplätzen und einer 150-KW-Biogasanlage auf seine 70 ha Ackerfläche absolut angewiesen. Beide Betriebe müssen schon jetzt Wirtschaftsdünger abgeben, um nicht mit der Düngeverordnung in Konflikt zu kommen. Ackerbauer Achim Ackermann fährt die für Bördestandorte übliche Fruchtfolge aus Zuckerrüben und Wintergetreide.

Ein Drittel weniger Prämie

Alle drei Betriebe müssen sich auf satte Prämienrückgänge von bis zu einem Drittel einstellen. Übersicht 2 zeigt, wie viel Direktzahlungen die drei Betriebe heute (2022) erhalten und womit sie in Zukunft rechnen können. Die Rechnung bezieht sich auf die Grundförderung. Die Prämien der Eco-Schemes (Öko-Regelungen) ab 2023 sind bewusst nicht mit einbezogen, da diese kaum zu den Beispielbetrieben passen und eine Teilnahme daher vermutlich nicht wirtschaftlich wäre. Für 2023 stehen die Betriebe nun vor der Frage: mitmachen oder ausscheiden?

Wer weiterhin GAP-Zahlungen beantragen möchte, muss sich an die, verglichen mit Greening und Cross-Compliance, verschärfte Konditionalität halten. Die verursacht zusätzliche Anpassungskosten. Wer aus der GAP ausscheidet, spart nicht nur die zu­­sätzlichen Kosten für die Einhaltung der verschärften GAP-Auflagen, sondern auch die Kosten, die schon heute durch Greening und Cross Compliance anfallen. Beides haben unsere Experten für die drei Betriebe berechnet, und zwar mit den zurzeit sehr hohen Produkt- und Produktionsmittelpreisen.

VEREDELUNG

Wohin mit der Gülle?

Ausgangslage: Schon heute baut Schweinemäster Huber drei Früchte an, um den Vorgaben des Greenings zu ­genügen. Silomais nimmt als er­tragsstärkste Energiepflanze 75 % der Ackerfläche ein. Auf den restlichen 25 % werden Roggen- und Triticale-GPS angebaut. Die Ökologische Vorrangfläche erfüllt Huber über 10 ha Zwischenfrüchte vor Mais und ein paar Landschaftselemente. Im Rahmen der Konditionalität müsste Huber seine Flächennutzung anpassen. Dies zeigt der Vergleich der Spalten GAP 2022 und GAP 2023 in Übersicht 3.

Veränderung: Ab 2023 geht das nicht mehr. Als Ökologische Vorrangfläche, die dann „nichtproduktive Fläche“ heißt, zählen nur noch reine Stilllegung mit Selbstbegrünung und Landschaftselemente. Demnach müsste Huber 2,3 ha seiner ohnehin schon knapp bemessenen Ackerfläche aus der Produktion nehmen. So kommt er zusammen mit 0,5 ha Landschaftselementen...

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