Meinung

GAP: Geld clever anzapfen

Die agrarpolitische Weichenstellung verlangt von Landwirten mehr Biodiversität, Klimaschutz und Tierwohl. Chancen zur Finanzierung sind da - und müssen nun clever genutzt werden.

Ein Kommentar von Patrick Liste vom Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben:

Der Politikbetrieb nimmt wieder Fahrt auf: Während der Bundesrat die Entscheidung zum Kastenstand in der Sauenhaltung erneut vertagen musste, haben Brüssel und Berlin wichtige agrarpolitische Weichen gestellt. Es geht um mehr Geld für die Landwirtschaft.

Die EU-Kommission hat einen neuen Vorschlag zum Mehrjährigen Finanzrahmen 2021 bis 2027 präsentiert. Das Budget für die Gemeinsame Agrarpolitik soll steigen, um 2  % auf 382,5 Mrd. €. Gut so! Aber: Landwirte müssen künftig mehr für das Geld leisten. Dafür sorgt der Green Deal mit der Farm-to-Fork- sowie Biodiversitätsstrategie, zum Teil mit umstrittenen Inhalten.

Deshalb ist die deutsche Regierung jetzt doppelt gefordert: Sie übernimmt am 1. Juli die EU-Ratspräsidentschaft und muss in Brüssel einen praxis­gerechten Kompromiss erzielen. Gleichzeitig muss sie national eine Strategie entwickeln, die die EU-Anforderungen erfüllt und Landwirtschaft sowie Gesellschaft mitnimmt.

Vom 130-Mrd.-€-Konjunkturprogramm in Deutschland bekommen auch die Land- und Forstwirtschaft sowie der ländliche Raum etwas ab: 300  Mio.  € für Tierwohlställe, 700  Mio.  € für den Wald, 5  Mrd.  € für schnelles Internet. Richtig so!

Offene Fragen

Die Tücken liegen aber im Detail, Beispiel Tierwohlställe: Noch ist offen, wie der Stall der Zukunft aussieht. Zudem hakt es noch immer am Bau- sowie Immissionsrecht. Die Borchert-Kommission hat Vorschläge zur künftigen Tierhaltung geliefert, die Zukunftskommission Landwirtschaft entwickelt ein Gesamtkonzept. Diese Arbeiten müssen jetzt schneller vorangehen. Sie müssen einen Zukunftsweg zeichnen, nur dann sind Investitionen überhaupt sinnvoll.

Fazit: Die agrarpolitische Weichenstellung verlangt von den Landwirten künftig mehr Biodiversität, Klimaschutz und Tierwohl. Vieles leisten Landwirte heute schon, wie unsere „Aktion Artenschutz“ auf zeigen soll. Teilweise sind aber noch Veränderungen in gängigen Produktionsmethoden nötig. Dabei besteht allerdings die Chance auf eine entsprechende Finanzierung – und auf eine Annäherung zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft.


Diskussionen zum Artikel

von Rudolf Rößle

GAP

ist weiterhin nur eine Subvention für zu niedrige Weltmarktpreise. Umweltmaßnahmen gehören zum Landratsamt , mit dem der Landwirt individuell zu Vollkosten verhandeln sollte.

von Andreas Gerner

Soso...

für die Landwirtschaft fallen also 300 Mio€ für die Tierwohlställe ab. Müsste es nicht heißen, "für die Bauwirtschaft"? Denn wer das Geld nicht an die Bauunternehmen weiterreicht bzw. vorschießt, erhält keinen Cent. Das ist ein reines Konjunkturprogramm für die Baubranche (als ... mehr anzeigen

von Michael Ströhl

Chancen, nur für wen?

Nominal 2% mehr im Agraretat.... und was kosten uns Landwirte die Pläne rund um Green Deal, Farm to Fork, Biodiversitätsstrategie, ergänzt um diverse nationale Pläne? Wahrscheinlich bin ich nicht clever genug, die Chance dahinter zu sehen. Wahrscheinlich bieten sich die Chancen aber ... mehr anzeigen

von jörg Meyer

Die Scheere wird größer werdn!

zwischen den Betrieben die Ihr Geld am Markt erzielen mit mit dem versuch der langfristigen Unternehmenssicherung und denen die Zuschüsse optimieren! Letztere sind oft ehr schon extensiv wirtschaftende Betriebe auf 'Grenzstanorten, auslaufende Betriebe, Betriebe die Risiken scheuen und ... mehr anzeigen

von Hermann Sudhop

Wenn Tierwohl-Ställe gebaut

werden sollen, müssen die Erzeugerpreise soweit steigen, dass deren Betrieb wirtschaftlich ist. Staatliche Hilfen sind hier nicht sinnvoll.

von Markus Grehl

Almosenempfänger

Mehr sind wir scheinbar nicht mehr.

von Wilhelm Grimm

"Geld schneller anzapfen" heißt Staatsknete abgreifen

und nicht Suche nach der besten Lösung für meinen Betrieb und auch nicht für die Umwelt. Die gute landwirtschaftliche Praxis ist nicht mehr das Hauptziel, höchstens ein untergeordnetes. Das führt nicht zum Streben nach der höchsten Effizienz der eingesetzten Mittel sondern zu immer ... mehr anzeigen

von Erwin Schmidbauer

Der Landwirt der Zukunft

muss noch mehr Unternehmer sein, noch viel mehr unabhängig, rücksichtslos sein und seine Traditionen über Bord werfen. Das werden die Folgen dieses Green Deals sein. Wenn man am Betriebsstandort keinen Stall bauen kann: Woanders gibt es vielleicht Genehmigungen. Die Landwirte sind ... mehr anzeigen

von Christian Kraus

Clever anzapfen?

Vielleicht hab ich was überlesen aber am meisten Geld gibts fürs schnelle Internet (eigentlich wars 5G-Mobilfunk). Wie kann ich denn jetzt die 5000 Mio anzapfen?

von Heinrich Albo

Für unseren Glasfaseranschluss

haben wir 10 Mal so viel bezahlt wie ein Haushalt in der Stadt , obwohl wir das Kabel teilweise selbst gelegt haben.

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