VR-Unternehmertag Sachsen-Anhalt

Gefahr durch Boden-Spekulanten ist in Politik angekommen

Bei der Preisentwicklung für Land steigt die Gefahr eines wachsenden Zugriffs von ortsfremden Investoren ohne Bezug zur Landwirtschaft. „Die heutigen Preise sind für die Landwirte nicht mehr über Erträge darstellbar“, sagte dazu Olaf Feuerborn, Präsident des Bauernverbandes Sachsen-Anhalt. „Investoren müssen hier in Sachsen-Anhalt auch Teil der Gesellschaft werden.“

Mehr Verlässlichkeit in der europäischen Agrarpolitik war eine der zentralen Forderungen auf dem landwirtschaftlichen Unternehmertag der Volksbanken und Raiffeisenbanken in Sachsen-Anhalt: Landwirtschaftsministerin Claudia Dalbert und Sven Schulze (EVP/CDU), Mitglied des Europäischen Parlaments waren sich einig in dem Appell, dass nach der bevorstehenden Europawahl nicht alles geändert werden dürfe, fasst der Genossenschaftsverband – Verband der Regionen e.V. die Veranstaltung zusammen.

In den Meinungen zu konkreten Einzelthemen traten jedoch durchaus unterschiedliche Positionen zutage. So tritt Schulze dafür ein, keine Kürzungen in der ersten Säule der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) vorzunehmen. Diese Säule beinhaltet Direktzahlungen an die europäischen Landwirte. Dagegen macht die Ministerin sich für Verlagerungen in die zweite Säule stark, die auf Förderprogramme für ländliche Räume und nachhaltige Landwirtschaft abzielt.

Schulze bedauerte die Sprunghaftigkeit der gesellschaftlichen Diskussion: „Oft wird nicht mehr nach Fakten, sondern nur noch nach Bauchgefühl diskutiert“, sagte er am Beispiel der Auseinandersetzung um die Zulassung des Pflanzenschutzmittels Glyphosat.

Beim umstrittenen Thema einer stärkeren Ausrichtung der europäischen Mittel auf kleinere Betriebe wandte sich die Ministerin klar gegen eine Kappungsgrenze für die Direktzahlungen je Betrieb: „Die Debatte um Groß und Klein führt uns nirgendwo hin.“

Bei der Preisentwicklung für landwirtschaftliche Nutzflächen sehen beide Politiker die Gefahr eines wachsenden Zugriffs von ortsfremden Investoren ohne Bezug zur Landwirtschaft. „Die heutigen Preise sind für die Landwirte nicht mehr über Erträge darstellbar“, sagte dazu Olaf Feuerborn, Präsident des Bauernverbandes Sachsen-Anhalt. „Investoren müssen hier in Sachsen-Anhalt auch Teil der Gesellschaft werden“, forderte Feuerborn.

Volksbanken haben 11,5 % mehr Agrarkredite vergeben

Die Veranstaltung im Maritim Hotel Magdeburg mit mehr als 700 Teilnehmern stand unter dem Motto „Sicher in die Zukunft: Risiken erkennen und managen“. Uwe Fabig, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Magdeburg eG, betonte für die gastgebenden Volksbanken und Raiffeisenbanken in Sachsen-Anhalt die Verbundenheit mit den Partnern in der Landwirtschaft: „Für uns ist das keine Schönwetterpartnerschaft: Gerade auch im Klimawandel mit einerseits sich häufenden Perioden extremer Trockenheit und anderseits sintflutartigen Niederschlägen stehen wir als langfristige Partner an der Seite der landwirtschaftlichen Unternehmen.“ Die Kreditvergabe an die Landwirtschaft habe 2018 um 11,5 % zugelegt und damit deutlich stärker als das Kreditgeschäft insgesamt mit einem Plus von 8 % bzw. 200 Mio. Euro auf 2,6 Mrd. Euro.

Falk Böttcher vom Deutschen Wetterdienst informierte über Auswirkungen des Klimawandels aus agrarmeteorolgischer Sicht. Sein Fazit: „Trotz der Herausforderungen durch die allgemeine Erwärmung und sich häufende Wetterextreme stehen neue technologische Möglichkeiten zur Kompensation zur Verfügung.“ Stark steigende Kosten könnten damit vermieden werden.

Dr. Frank Offermann vom Braunschweiger Johann Heinrich von Thünen-Institut wies auf die Diskrepanz zwischen objektiven Risiken und der subjektiven Wahrnehmung hin: „Die Risiken haben stark zugenommen, aber das Wetter dominiert stark die Wahrnehmung. Das Risikomanagement erfordert, das die Landwirte kritisch die eigene Wahrnehmung überprüfen.“ Nur sechs Prozent der Landwirte bewerteten ihr eigenes Risikomanagement als ausreichend, berichtete er aus einer aktuellen Umfrage seines Instituts.

Dr. Klaus-Dieter Schumacher von AgriConsult in Seevetal gab in seinem Vortrag „Marktchancen erkennen und nutzen“ einen Ausblick auf Getreide und Ölsaaten: „Die Jahre 2019/20 werden von vielen Unwägbarkeiten geprägt sein. Diese reichen von den Handelskonflikten über weltweite Anbauverschiebungen bei Weizen, Mais, Sojabohnen und Raps bis hin zu starken Preisschwankungen.“

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Karlheinz Gruber

Es gibt auch hiesige

Investoren vor Ort. private wie Kommunen. Die kaufen einfach alles und ohne die Möglichkeit als Landwirt jemals da dran zu kommen. Also nicht nur ortsfremde

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