Kommentar

Gefahren sozialer Medien: im Zweifel nicht teilen

Eingeschränkte Meinungsvielfalt, Raum für Mobbing und Anfälligkeit für Falschmeldungen - Facebook und Co. bergen nicht nur Chancen. Das musste auch "Land schafft Verbindung" feststellen.

Ein Kommentar von Patrick Liste, Chefredakteur beim Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben:

Soziale Netzwerke wie Facebook und Whats-App haben das gesellschaftliche Leben verändert: Auf den Plattformen lassen sich in Sekundenschnelle Informationen austauschen. Mit nur wenigen Klicks bilden sich Netzwerke. Darüber sind schon Staatslenker gestolpert, da sich die unzufriedene Bevölkerung so organisiert und ihren Protest auf die Straße gebracht hat.

Auch „Land schafft Verbindung“ (LsV) profitiert von den Stärken dieser sogenannten sozialen Medien. In wenigen Wochen haben sich nach eigenen Angaben mehr als 130.000 Menschen bei WhatsApp vernetzt. Das ist beeindruckend. Nur über diese Kanäle dürften sich so kurzfristig eine Großdemo wie die in Berlin organisieren lassen. Und nur so sind spontane Aktionen wie die Mahnfeuer am vergangenen Samstag umsetzbar.

Gefahren der sozialen Medien

Doch auch die LsV-Gruppen sind nicht vor den bekannten Gefahren dieser Netzwerke geschützt: eingeschränkte Meinungsvielfalt, Raum für Mobbing und anfällig für Falschmeldungen. In Teilen zeigt sich das bereits. Dazu zwei Beispiele:

  • In den Gruppen sprudelt es nur so von Meldungen, die die Meinung von LsV untermauern. Gegenstimmen gibt es selten. Wenn, dann ist der Aufschrei oft groß, zum Teil auch verunglimpfend. Ist das klug? LsV fordert zu Recht von Politik und Gesellschaft den Dialog – dann sollte das andersherum doch genauso gelten, oder?

Noch nie waren die deutschen Landwirte so gut vernetzt. Das ist ein Verdienst von LsV. Es ist eine Chance für die Landwirtschaft, sich schnell zu organisieren, geschlossen aufzutreten und der Branche eine gewaltige Stimme zu geben.

Inhaltlicher Austausch gefordert

Für Grundsatzentscheidungen und langwierige Diskussionen eignen sich diese Plattformen aber nicht. Hierfür ist zuallererst eine eindeutige Faktenlage nötig. Wissenschaft und Politik sind gefordert, nüchterne Wahrheiten ohne Ideologie und Polarisierung zu liefern. Dann sollte es einen inhaltlichen Austausch mit allen unterschiedlichen Meinungen geben – und zwar am Tisch und nicht am Handy. Das gilt grundsätzlich und keineswegs nur für die Landwirtschaft.

Genauso wie dieser Wunsch: Wer in den sozialen Netzwerken über einen Inhalt stutzt und zweifelt, ob das wirklich stimmen kann: Nicht teilen oder weiterleiten. Das nimmt „Fake News“ (Falschmeldungen) und „Fake Accounts“ (Nutzer, die es real nicht gibt) den Schwung und stärkt die eigene Glaubwürdigkeit.

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Diskussionen zum Artikel

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von Martin Forster

Schade

Top Agrar ist nun endgültig zum Revolverblatt verkommen. Früher gab es journalistische Verantwortung, heute wird gezielt mit Unterstellung und Halbwahrheit jongliert.

von Klaus Jensen

Naja, dan wurde Herr Liste jetzt ja eines besseren belehrt .....

und kann sich jetzt ja bei uns landwirten entschuldigen. ich persönlich hab die schnautze von dem polittheater so dermassen voll, dass ich mittlerweile zum aüssersten bereit bin. Mal sehen was wir heute in holland lernen. Bevor ich mich enteignen lasse nehm ich mit sicherheit ein paar von den grünen Kommunisten mit....MfG Jens Martin Jensen

von Michael Behrens

Video von Otte Kinast

Das Video vor dem Gästehaus der Niedersächsischen Landesregierung ist ECHT!!! Ich selbst war vor Ort und kann es bezeugen!

von Klaus Jensen

Wenn alle lügen dann dürfen wir auch mal flunkern...

Seit Jahren versucht der bäuerliche Berufsstand mit Daten und Fakten zu argumentieren und wurde dabei nicht gehört. Und jetzt wird uns wieder von einem Medienfuzzi der Vorwurf gemacht wir sollten sachlich bleiben...???? Sie sollten uns lieber bestärken und unterstützen, weil ohne Bauern auch keine TOP AGRAR. Wir bösseln gleich nach Holland rüber. Sind Sie da Auch mit dabei Herr Liste? Nur für die Sache? MfG Jens Martin Jensen

von Ansgar Tubes

Weder topagrar noch Herr Liste...

...haben etwas mit dem Beitrag zu tun, beide sind nur die Überbringer dieser schlechten Botschaft, die aus der Feder des WLVs kommt. Ich habe mir heute als LsV-Vertreter nicht zuletzt wegen dieser falschen Berichterstattung beim WLV einen über einstündigen Schlagabtausch mit der WLV-Verbandsspitze und dem Verfasser dieses besagten Artikels geliefert mit dem Ergebnis, dass wir auf keinen gemeinsamen Nenner gekommen sind. Ich habe in aller Deutlichkeit zur Sprache gebracht, dass der WLV mit diesem Beitrag der Landwirtschaft und unseren seit Jahren andauernden Auflärungsarbeiten in Sachen Nitratproblematik massiv in den Rücken gefallen ist! Denn Deutschland hat kein Nitratproblem, sondern vielmehr ein Messstellenproblem! Dr. Krämer vertritt nach wie vor den Standpunkt, dass das Belastungsmessstellennetz nicht der Grund für das Nitratverletzungsverfahren sei, ich habe vehement dagegen gesprochen und meine Sicht der Dinge geschildert: Hätte das Bundesumweltamt ein Messstellennetz mit einer ähnlichen Messstellendichte wie die übrigen EU-Länder und daraus die Nitratwerte nach Brüssel gemeldet, dann würden wir uns heute über die Auswirkungen einer neuen DüVO keine Gedanken machen brauchen. Deutschland hat nur 697 Messstellen aus einem sog. Belastungsnetz gemeldet und hätte, um eine vergleichbare Messstellendichte wie andere EU-Länder die Werte von über 2.900 Messstellen melden müssen. Ich habe im Anschluss nach dem WLV die Wochenblatt-Redaktion aufgesucht und ein intensives Gespräch mit dem Redakteur Herrn Liste geführt. Wir sind so verblieben, dass in einer der nächsten Ausgaben des Wochenblattes auf diese Messstellenproblematik noch einmal näher eingegangen werden soll.

von Thomas u. Helmut Gahse GbR

Belastungsmeßstellennetz

Ich weiß nicht ob TA bei den Meßstellen richtig liegt. Tatsache ist jedenfalls dass Deutschland am Anfang nur die Werte aus dem Belastungsmeßstellennetz nach Brüssel gemeldet hat. Der DBV hat das auch immer wieder kritisiert und daraufhin hat man nach langem Zögern, die Zahl der Meßstellen die in die Berechnung mit einbezogen werden, erhöht.

von Josef Bichlmeier

Jetzt will ich es aber genau wissen!?

Hallo TopAgrar Team, wie ist das jetzt wirklich mit den übermittelten Werten nach Brüssel? Ist das Video mit Kinast gefälscht? Ich als Leser fordere sie hiermit auf, den Sachverhalt zu recherchieren und uns Leser und Bauern zu informieren!!!

von Wilhelm Grimm

Herr Liste beschreibt die Gefahren sozialer Medien

und vergisst die wesentlich grösseren Gefahren unserer häufig gleichgeschalteten Qualitätsmedien. Wenn ich mir nur seine Einlassungen zu den Grundwassermessstellen ansehe, keimt in mir der Verdacht, dass seine journalistische Nähe zu uns nicht wohlgesonnenen Regierungsvertretern und Wasserwerklern reichlich eng ist. Den jungen Leuten von "Land schafft Verbindung" wünsche ich weiterhin, sehr kritisch mit Pressemeldungen um zugehen und sich nicht klein machen zu lassen. Euer bisheriges Verhalten und Auftreten bei den Demos ist einsame Klasse gewesen. Einzelne Ausreisser schmälern dieses Bild nicht entscheidend.

von Joachim Pehle

Messstellennetz fehlerhaft gemeldet?

Liebe Redaktion von topagrar oder auch lw. Wochenblatt W-L: Ist das Video von Ministerin Otte-Kinast, die am 20.11.19 (?) vor wütenden Bauern zugegeben hat, daß fehlerhaft die überhöhten Werte gemeldet wurden, nun ein "Fake-News-Video"? Es sieht und hört sich aber überhaupt nicht gefälscht an. Wenn es echt ist, so passt das m.E. nicht zum Tenor des o.a. Kommentares. Wenn es falsch sein sollte, so wäre auch ein präziser Verweis darauf, daß dieses Video falsch ist, hilfreich. ////Neben den sozialen Medien ist es auch im Netz zu finden unter z.B. https://katjatriebel.com/2019/12/01/bauernprotest-was-weiss-will-das-volk/

von Wilhelm Grimm

Land schafft Verbindung und Top agrar,

zwei die sich nicht mögen ? Wenn es im Gebälk von LsV knirscht, was ich im Anfang einer so wertvollen Bewegung für normal halte, ist TA sofort mit einer Meldung dabei. Und wenn über eine Parteigründung gesprochen wird, ist das noch längst nicht so weit. Aber eine "Arbeiter und Bauernpartei", das hätte schon was.

Anmerkung der Redaktion

Sehr geehrter Herr Grimm, das stimmt leider überhaupt nicht: Wir berichten von Anfang an über LvS ausführlich und haben stets Ankündigungen zu Aktionen sowie Nachberichte über Demos auf unserer Seite, heute z.B. über Ganderkeese UND die Ankündigung zu den Autobahnsperrungen am Mittwoch. Zudem stehen wir in Kontakt zu den LsV Sprechern. Die von Ihnen angesprochene Parteigründung hat sich als Falschmeldung herausgestellt, deswegen haben wir nicht berichtet. Sehr wohl haben wir dies aber vergangene Woche in einer Meldung über neue Streitigkeiten innerhalb des Netzwerkes erwähnt, zu der Zeit gab es diverse Pressemitteilungen, die teils als falsch widerrufen wurden. Auf Spekulationen oder Gerüchte können wir uns hier nicht verlassen. Eine von Ihnen künstlich herbeigeredete Benachteiligung von LsV durch top agrar ist nicht vorhanden.

von Rudolf Rößle

Runden Tisch

was bringt ein Runder Tisch, wenn dort nicht beschlossene und besprochene bzw. ausdiskutierten Sachen nicht von den Landwirtschaftlichen Verbänden gegengezeichnet werden müssen, bevor sie als Gesetzesgrundlage zur Abstimmung stehen.

von Rudolf Rößle

Einfordern

sollten wir, dass für die deutsche Landwirtschaft in den Medien Werbung gemacht wird. Es sollte eine Rubrik in den Gemeindeblättern geschaltet werden, wo positive Nachrichten in regelmäßigem Abstand abgedruckt wird.

von Gerd Schuette

An den runden Tischen ist der jetzige "Ist-Zustand" erreicht worden. Erfolg sieht anders aus. Wenn die "alten" Strategien nicht zum Ziel führen, dann muss man irgendwann auch einen Strategiewechsel wagen. Soziale Medien, plus Traktoren auf die Straße, plus...plus...plus

von Heinrich-Bernhard Muenzebrock

Bauernverband

Was macht eigentlich der Bauernverband - Er lässt seine Mitglieder allein!!. Time to change

von Wilhelm Grimm

Hat Patrik Liste Angst und vor wem ?

Hat Deutschland das zweitschlechteste Grundwasser Europas oder nicht ? Und wieviel Unwahrheiten werden über uns Landwirte ausgekippt und der Bauernverband hat sich nur unzureichend oder garnicht gewehrt, weil die Lügenpresse sauber abgewogene Antworten des Bauernverbandes ignoriert hat.

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