Geschlechtsbestimmung beim Ei bald serienreif

"Das Kükenschreddern wird bald ein Ende haben." Das sagte Bundeslandwirtschaftsministr Christian Schmidt am Donnerstag auf der Grünen Woche in Berlin bei der Präsentation eines Modellgerätes zur Geschlechtsbestimmung im Ei. Das Verfahren ist gemeinsam von der Universität Leipzig und der TU Dresden entwickelt worden.

"Das Kükenschreddern wird bald ein Ende haben." Das sagte Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt am Donnerstag auf der Grünen Woche in Berlin bei der Präsentation eines Modellgerätes zur Geschlechtsbestimmung im Ei.

Das Verfahren ist gemeinsam von der Universität Leipzig und der TU Dresden entwickelt worden. Mit dieser praxistauglichen Alternative zum Töten falle der "vernünftige Grund" aus dem Tierschutzgesetz weg, mit dem bislang das Töten der männlichen Küken gerechtfertigt werde, betonte der Minister. Insgesamt habe sein Haus das Projekt der beiden Hochschulen mit 4 Mio. € gefördert.
 
"Wir führen die Geschlechtsbestimmung am Tag 3,5 des Brutprozesses durch", erläuterte Frau Prof. Dr. Maria-Elisabeth Krautwald-Junghanns von der Universität Leipzig das Verfahren. Zu diesem Zeitpunkt habe der Embryo noch kein Schmerzempfinden. Technisch werde dazu ein kleines Loch in die Kalkschale gebohrt und die Geschlechtsbestimmung mit Hilfe der sog. Raman-Spektroskopie durchgeführt. Die "männlichen Eier" lasse man anschließend abkühlen und könne sie dann als Nahrungsmittel verwenden.
 
"Das Verfahren sei für den Embryo ungefährlich. Es hat bislang in keinem einzigen Fall anschließend ein Fehlbildung bei einem Küken gegeben", erläutert Prof. Dr. Gerald Steiner von der TU Dresden die Ergebnisse. Allerdings verringere sich die Schlupfrate um 5 bis 7 %. "Dafür müssen aber insgesamt 50 % weniger Eier ausgebrütet werden", gibt der Wissenschaftler zu bedenken. Die Sicherheit der Geschlechtserkennung liege bei 95 %.
 
Im Juni soll ein erstes Gerät als Demonstrator in einer Brüterei in den Praxiseinsatz gehen. Dieser werde etwa ein Jahr laufen. Danach soll das Verfahren noch einmal optimiert werden, so Steiner. Es sei von Vorteil, dass die Wirtschaft von Anfang an in das Projekt einbezogen worden sei. Das beschleunige die Umsetzung. So seien viele Patent- und Rechtsfragen schon gelöst oder auf gutem Weg. "Ich rechne damit, dass das Verfahren in zwei bis drei Jahren im Serieneinsatz ist. Bei sieben Mrd. Legehennen weltweit, sehe ich große wirtschaftliche Potenziale", ist Krautwald-Junghanns überzeugt.