"Faire Landarbeit"

Gewerkschafter werfen Bauern mangelnden Coronaschutz ihrer Erntehelfer vor

Mit Unterstützung der IG Bauen-Agrar-Umwelt will die Initiative "Faire Landarbeit" die Bedingungen für Saisonarbeiter verbessern. Die Fehler aus dem vergangenen Jahr dürften nicht wiederholt werden.

Die Initiative "Faire Landarbeit" appelliert an die Bauern, ihre Saisonarbeiter angemessen vor dem Coronavirus zu schützen. Die Fehler des vergangenen Jahres dürften nicht wiederholt werden, zitiert der SWR Koordinator Benjamin Luig.

Dieser prangerte an, dass es den Landwirten weiterhin erlaubt sei, bis zu acht Saisonkräfte in einem Zimmer unterzubringen. Für ihn sei das ein problematischer Doppelstandard zwischen dem Schutz der hiesigen Bevölkerung und dem Schutz der Saisonarbeiter. Unter diesen Bedingungen könne es zu erneuten Corona-Ausbrüchen in landwirtschaftlichen Betrieben kommen.

Verband kontert

Der Geschäftsführer des Verbands Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer, Simon Schumacher, erklärte daraufhin im SWR, die Erntehelfer seien in Unterkünften besser geschützt als Personen, die über Schulen, Kindergärten und Arbeit wesentlich mehr Kontakt zu potenziell infizierten Personen hätten. Daher werde die Zusammenarbeit zwischen einheimischen Personal mit den osteuropäischen Erntehelfern so gering wie möglich gehalten.

Die Saisonarbeitskräfte würden üblicherweise vor der Einreise getestet, vor Arbeitsaufnahme und nach fünf Tagen. Sobald neue Mitarbeitende dazukämen, empfehle man erneute Testungen. Außerdem würden in den Betrieben zahlreiche Hygienemaßnahmen umgesetzt.

Über die Initiative

Seit 2016 beschäftigt sich die Initiative Faire Landarbeit mit dem Thema landwirtschaftliche Saisonarbeit. Wesentlicher Kern der Initiative ist die Organisation von Feldbesuchen, bei denen die beteiligten Organisationen zusammen mit Sekretären der Gewerkschaft IG BAU in der Erntezeit auf die Felder fahren, um Informationen zu Arbeitsrechten in verschiedenen Sprachen zu verteilen und mit den Kollegen aus Osteuropa in Kontakt zu kommen. Wenn nötig, bietet die Initiative bei Problemen am Arbeitsplatz Rechtsberatung und Unterstützung bei Auseinandersetzungen an.

Darüber hinaus wird Öffentlichkeits- und Recherchearbeit durchgeführt, um strukturelle Mechanismen der Ausbeutung zu beleuchten. Durch das neue Mitgliedschaftsmodel der IG BAU für Wanderarbeiter wird seit 2020 versucht, die gewerkschaftliche Organisierung von Saisonarbeitern zu fördern.

Der Initiative Faire Landarbeit gehören an:

  • Arbeit und Leben e.V. DGB/VHS
  • Fachstelle Migration und Gute Arbeit Brandenburg
  • Berliner Beratungszentrum für Migration und Gute Arbeit
  • Servicestellen Arbeitnehmerfreizügigkeit Hamburg, Osnabrück, Oldenburg, Hannover, Braunschweig, Kiel, Düsseldorf
  • Beratungsstellen für mobile Beschäftigte Niedersachsen
  • Europäischer Verein für Wanderarbeiter e.V.
  • Faire Mobilität
  • Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU)
  • PECO-Institut e.V.
  • DGB Region Vorder- und Südpfalz
  • Interbrigadas e.V.
  • Stiftung Soziale Gesellschaft - Nachhaltige Entwicklung
  • Sowie weitere Einzelpersonen

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