Grethe zu Agrarpaket: „Das Wichtigste ist jetzt die Finanzierung“ Premium

Der Agrarökonom Prof. Harald Grethe begrüßt, dass sich Umwelt- und Landwirtschaftsministerium auf ein Agrarpaket geeinigt haben. Aber alle 3 Teile hängen noch an der Finanzierung.

top agrar: Wie bewerten Sie das Agrarpaket der Bundesregierung mit Insektenschutz, Tierwohllabel und Umschichtung?

Grethe: Es ist gut, dass sich diese beiden Häuser zusammengesetzt haben, um eine gemeinsame Linie zu entwickeln. Denn es tut der Landwirtschaft nicht gut, wenn Umwelt- und Landwirtschaftsministerium gegeneinander arbeiten. Die Umschichtung ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Der Kompromiss einer Erhöhung auf 6% beinhaltet eine auch kurzfristig verschmerzbare Kürzung der Direktzahlungen von 1,5%. Er ist auch ein wichtiges Signal, wo die Agrarpolitik in Zukunft hinmuss. Die Zahlungen, die wir im Rahmen der Europäischen Agrarpolitik leisten, müssen viel stärker als bisher an den großen Herausforderungen Umweltschutz, Klimaschutz und Tierschutz orientiert werden.

Die Umschichtung soll nur für 2020 gelten. Erwarten Sie, dass diese auch in der Übergangszeit und in der neuen GAP weitergeführt wird?

Grethe: Ich kann mir schlecht vorstellen, dass man zurück rudern wird. Es hilft dem Sektor auch nicht, jedes Jahr den Kurs zu wechseln. Der eingeschlagene Weg sollte schrittweise weiter in diese Richtung gehen: Die Mittel der EU-Agrarpolitik müssen an gesellschaftliche Ziele gebunden werden. Insofern wünsche ich mir, dass diese Umverlagerung raus aus den pauschalen Direktzahlungen und rein in zielorientierte Maßnahmen fortgesetzt wird. Ob das nun über die 2. Säule läuft, oder langfristig über die Eco-Schemes in der 1. Säule ist zweitrangig.

Glauben Sie, dass die Einigung auf das Tierwohlkennzeichen nun ein Durchbruch in der langwierigen Diskussion um die Nutztierhaltung ist?

Grethe: Erstmal ist das ja nur ein freiwilliges Label. Der Handel ist mit der flächendeckenden Kennzeichnung schon weiter.

Braucht man das freiwillige Tierwohlkennzeichen jetzt noch?

Grethe: Da kann man trefflich drüber streiten. Ich glaube, dass eine staatliche Kennzeichnung langfristig nur dann Schlagkraft entwickelt, wenn ...

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Artikel geschrieben von

Stefanie Awater-Esper

Korrespondentin Berlin

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Diskussionen zum Artikel

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von Jörg Meyer

Schwache Analyse

Von einem Professor der Agrarökonomie möchte ich viel mehr wissen: 1. wie kann man Mitnahmeeffekte minimieren. 2. Wie kann man auch in Regionen mit hohen Opportunitätskosten Extensivierung mit angepassten Prämien ausgestalten. 3. wie werden die Märkte reagieren: Wird es Bio light aus Schutzgebieten geben oder werden die Betriebe dort zwangsweise auf Bio umstellen müssen, da der Weg ohne chemischen Pflanzenschutz (fallen da eigentlich auch die Pestizide darunter die nach Bioverordnung in Biolandbau zugelassen sind?) hin zu bio nicht mehr weit ist? Was passiert dann mit den heute schon fallenden Marktpreisen? Müssen dann die Bioprämien weiter erhöht werden damit eine minimale Rentabilität möglich ist und wie verhindert man dann wiederrum noch höhere Mitnahmeeffekte, das ganze wird zum Teufelskreis!° Oder aber man geht einen ganz anderen Weg: Einfach wie früher 10 % Flächenstillegung und fertig, das Problem dürfte sein, das man dann weniger zu Forschen und zu kontrollieren hat. Die ganze Diskussion läuft aus dem Ruder ! Frei nach dem Märchen des Kaisers neue Kleider! Bei der Tierhaltung könnte man ähnliche Argumentationsketten aufbauen! Aber die Denkmuster sind so ideologisch verbohrt auf allen Seiten, dass man sich eigentlich nur über die Zeit retten muss bis der ganze Haufen in die Luft fliegt!

von Jörg Meyer

Schwache Analyse

Von einem Professor der Agrarökonomie möchte ich viel mehr wissen: 1. wie kann man Mitnahmeeffekte minimieren. 2. Wie kann man auch in Regionen mit hohen Opportunitätskosten Extensivierung mit angepassten Prämien ausgestalten. 3. wie werden die Märkte reagieren: Wird es Bio light aus Schutzgebieten geben oder werden die Betriebe dort zwangsweise auf Bio umstellen müssen, da der Weg ohne chemischen Pflanzenschutz (fallen da eigentlich auch die Pestizide darunter die nach Bioverordnung in Biolandbau zugelassen sind?) hin zu bio nicht mehr weit ist? Was passiert dann mit den heute schon fallenden Marktpreisen? Müssen dann die Bioprämien weiter erhöht werden damit eine minimale Rentabilität möglich ist und wie verhindert man dann wiederrum noch höhere Mitnahmeeffekte, das ganze wird zum Teufelskreis!° Oder aber man geht einen ganz anderen Weg: Einfach wie früher 10 % Flächenstillegung und fertig, das Problem dürfte sein, das man dann weniger zu Forschen und zu kontrollieren hat. Die ganze Diskussion läuft aus dem Ruder ! Frei nach dem Märchen des Kaisers neue Kleider! Bei der Tierhaltung könnte man ähnliche Argumentationsketten aufbauen! Aber die Denkmuster sind so ideologisch verbohrt auf allen Seiten, dass man sich eigentlich nur über die Zeit retten muss bis der ganze Haufen in die Luft fliegt!

von Hermann Kamm

und letztendlich zahlen

die Landwirte die Zeche durch Umschichtung von erster in zweite Säule, wo es mit Sicherheit einen hacken hat. 6% der Ausgleichszahlungen werden wohl bei weitem nicht für die Biodiversität reichen. Solange sich Agrarlobbyisten sich mit Milliarden bereichern und die Landwirtschaft gerade über Wasser zu halten , und mit Peanuts als Ausgleichszahlungen die der Steuerzahler berappen muss kann das nicht funktionieren.

von Gerd Uken

Es hängt alles am Geld

Und die niedersächsische LW Ministerin hatte nicht mal Gekd im Haushalt für eine Weideprämie. Da muss erst ein Herr Buschmann vom Nabu kommen und ihr erzählen das das so nicht geht. Genau so wird es jetzt hier auch laufen mit 1,5% ist das alles nicht zu finanzieren und 2021 sind wir dann bei xy% Umschichtung und wer greift dann das Geld ab? Die Bauern sind wieder die Dummen-wir werden es erleben!

von Henrik Plaas-Beisemann

Zu was führt das Herbizid- und Insektizidverbot wirklich?

Welche Pflanze wird bei einem Verbot von Herbiziden und Insektiziden in Vogelschutzgebieten der Ackerbauregionen wirklich profitieren. Es gibt faktisch eine einzige Pflanze, die man mit moderner kameragesteuerter Hacktechnik sauber halten kann, die keine Insektizide braucht und die dazu noch selbstverträglich ist. Das Agrarpaket ist das Konjunkturpaket für den Maisanbau in Schutzgebieten. Sind eigentlich die gesamten Beratergremien der Bundesregierung zu weit weg, um das naheliegende zu erkennen. Diese Bundesregierung fährt nicht nur die Landwirtschaft, sondern auch den Vogelschutz vor die Wand.

von Henrik Plaas-Beisemann

Zu was führt das Herbizid- und Insektizidverbot wirklich?

Welche Pflanze wird bei einem Verbot von Herbiziden und Insektiziden in Vogelschutzgebieten der Ackerbauregionen wirklich profitieren. Es gibt faktisch eine einzige Pflanze, die man mit moderner kameragesteuerter Hacktechnik sauber halten kann, die keine Insektizide braucht und die dazu noch selbstverträglich ist. Das Agrarpaket ist das Konjunkturpaket für den Maisanbau in Schutzgebieten. Sind eigentlich die gesamten Beratergremien der Bundesregierung zu weit weg, um das naheliegende zu erkennen. Diese Bundesregierung fährt nicht nur die Landwirtschaft, sondern auch den Vogelschutz vor die Wand.

von Willy Toft

Das geht alles voll zu Lasten der Landwirtschaft!

Ich sehe nicht einen Mehrwert für unsere Produkte durch diese Maßnahmen, der Verbraucher langt stets zu den Billigen Produkten, und wenn diese gar aus dem Ausland kommen! Die DüV kostet uns bis zu 500 €/ha, bei Sonderkulturen noch viel mehr, und der Staat spart sich die Strafe von 20 €/ ha ein, was für ein Verhältnis? Die PSM werden teurer und Unbrauchbarer, das sich jeder selbst ausrechnen, was da für Verluste anstehen, und zusätzlich sollen wir noch mehr Randstreifen zur Verfügung stellen! Was will uns der Staat denn dafür geben? Vom Verbraucher werden wir es nicht bekommen, solange er die Wahl zwischen Billig und Teuer hat!

von Wilhelm Grimm

Der Alte Rehwinkel

hätte ihn Büttenredner genannt !

von Rudolf Rößle

Schutzgebiete

gestern habe ich mir den Insektenfilm im SWR Fernsehen angesehen. Nach Aussage der Professoren benötigt es ein zusammenhängendes Biotopsystem mit min. 130 ha am Stück. Extensive Streuobstwiesen mit Weidehaltung ist vorteilhaft. Ein Verzicht auf Insektizide müsste Voraussetzung sein, da geringe Abdrift schon enorme Schäden verursacht.

von Wilhelm Grimm

Grete hat zu viele Unbekannte und auch fehlerhafte Ansätze in seiner Gleichung,

deher wird sie nicht aufgehen und die Praktiker werden betrogen.

von Harald Finzel

Herr Grethe und sein Elfenbeinturm

Wenn ein (konventioneller) Landwirt einen wesentlichen Teil seines Ackerlands in besagten Schutzgebieten hat (die teilweise zehntausende Hktar groß sind!), also dort folglich keine Herbizide mehr ausbringen darf, hilft ihm eine Finanzierung in der zu erwartenden Höhe auch nichts. --- Ich bin gespannt, wann die ersten Banken eine Neubewertung von kreditbelasteten Flächen in Schutzgebieten vornehmen und in der Folge die Deckung nicht mehr gegeben ist...

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