Agrarpolitik

Grethe: „Eine Ausrichtung an gesellschaftlichen Zielen ist unvermeidbar“ Premium

Wie lässt sich die EU-Agrarpolitik mit der Umweltpolitik und den gesellschaftlichen Anforderungen versöhnen? Für den Agrarökonomen Prof. Harald Grethe führt kein Weg an einer Orientierung an gesellschaftlichen Zielen vorbei. Die Interessen der Basis der Landwirtschaft liegen gar nicht so weit davon entfernt, meint er.

"Fridays for future“ und „Donnerstags für Dünger“: Die Gesellschaft scheint gespalten zwischen den Forderungen und Notwendigkeiten für mehr Umwelt- und Klimaschutz auf der einen und den Erfordernissen der Agrarwirtschaft zur Bereitstellung von qualitativ hochwertigen und quantitativ ausreichenden Lebensmitteln auf der anderen Seite. Wie schaffen wir hier Versöhnung?

Grethe: Ich erlebe die Spaltung gar nicht so sehr zwischen Basis der Landwirtschaft und Breite der Gesellschaft, sondern eher an der Spitze der Interessenvertretungen. Aus Perspektive des Sektors ist Versöhnung meine ich nur dann möglich, wenn reale Probleme zum Beispiel bei den Nährstoffüberschüssen, den Treibhausgasemissionen oder dem Tierschutz anerkannt und adressiert werden. Defensivrhetorik hilft nicht. Gleichzeitig müssen berechtigte Interessen glaubhaft und breit kommuniziert werden: Beim Einsatz moderner Technologien in der Pflanzenzüchtung, Sensorik und Robotik oder bei den Betriebsgrößen. Diese beiden Aspekte gehören meine ich zusammen: Wer Probleme nicht ehrlich anerkennt, verliert in der Vertretung eigener Vorstellungen und Interessen Glaubwürdigkeit.

Viele Menschen scheinen unglücklich mit der Landwirtschaft zu sein: Sie lehnen Massentierhaltung, Pflanzenschutz oder Gentechnik ab, sind besorgt über das...

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Artikel geschrieben von

Stefanie Awater-Esper

Korrespondentin Berlin

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Diskussionen zum Artikel

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von Bernhard ter Veen

stichwort gesellschaftliche akzeptanz

der Sibventionspolitik nimmt weiter ab... ja...aber NUR wenn es um die Landwirtschaft geht. Wenn Banken das komplette Ersparte in Ackermannscher Manier versemmeln und NOCH dicke Boni rausschmeist abwohl der Steuerzahler Milliarden zuschiessen musste oder VW das "eigene Käuferklientel in Deutschland" a`la Winterkorn betrügt und dadurch "Kurzarbeit" vom Steuerzahler bezahlt wird, oder die Kohle-Atom-Stahlindustrie andauernd nach Staatshilfe schreit...dann ist das "ALLES IN ORDNUNG"... nur wir Bauern dürfen nichts bekommen und unsere Produkte wollen sie auch nicht. Diese Bevölkerung ist so verlogen... aber Klimaschützer sein wollen...

von Karlheinz Gruber

Herr Professor

ist es denn nicht eigentlich so, daß durch die Spitzen der NGO und Interessenverbände/ Grünen Parteien, die Leute so gegen die Landwirtschaft aufgehetzt worden sind, daß manche Themen in der LDW, die wo jetzt nur gegen die Bauern gehen (z. B. Artensterben) an der Allgemeinheit vorbeigeschleußt werden, nur um keine Negative Vor Wahl Stimmung zu Erhalten?! ///Und ist es denn nicht auch so, daß die Mehrheit der Verbraucher nur billig kauft, wie man immer selber sieht ( ich scheiß auf die Umfragen, die nie stimmen). Ich habe heute erfahren, daß es zur Zeit keinen Absatz für Biomais/ Getreide und Bioschweine gibt. Und das obwohl in Bayern der Ökolandbau ausgebaut werden muß!!! Und angeblich will fast jeder Verbraucher Bio kaufen. Was denn nun Herr Professor, wie steht es damit?/// Ist es denn nicht so, daß die Mehrheit der Verbraucher vom Ablauf in der Natur keine Ahnung mehr hat/ haben will, und dadurch den Falschmeldungen diverser Politiker/ Parteien/ NGOs und vermeintliche Wissenschaftlicher nur noch hinterher läuft und unseren bäuerlichen Aussagen nicht mehr glauben will: Motto, daß habe ich aber anderes gehört und in dem einen Skandal gesehen? /// ich glaube das ist eher unser Problem in der LDW. Die ewig negative Stimmungsmache. Egal was mir machen. Fahren Roboter sind wir Kapitalisten, Halten wir Tier, egal wie, Tierquäler, fahren wir Mist/ Gülle Umweltverschmutzer. Solange nicht Leute wie Sie die Verbraucher richtig aufklären, können wir uns lange hinstellen, und sagen was wir wollen

von Rudolf Rößle

EU

bei dieser deutschen Regelungswut sollte man auch die ganze EU betrachten. Es kann nicht sein, dass in einem Land nichts mehr geht und in anderen Staaten ohne große Hürden viel möglich ist. Wichtig ist auch, dass der Grund und Boden unter vielen verteilt und in deren Besitz bleibt. Ein Volk ohne eigenes Land, das kann nicht gut gehen.

von Fritz Ritterbusch

Der Staat muß zahlen

Der Professor sollte mal das Wort STAAT durch VOLK ersetzen. Denn das haben die Menschen vor 30ig Jahren in den neuen Bundesländern schon richtig erkannt, wir sind das Volk und das Volk ist der Staat. Es sind nicht die Politiker in Berlin und Brüssel, die bezahlen nur mit Hilfe unserer Steuern, 1. sich selbst und dann viel zu viele planlose Einfälle. Wenn also der ( STAAT ) bezahlen muß, muß immer erst das VOLK dafür aufkommen, denn ohne unsere steuerlichen Abgaben haben die verantwortlichen Politiker und Wiisenschaftler nichts in der Hand, womit sie auch nur das kleinste faule EI bezahlen können.

von Wilhelm Grimm

Die gesellschaftlichen Ziele liegen irgentwo zwischen Mallorca und den Malediven.

Aber davon versteht ein grüner Professor nichts.

von Reinhard Matzat

Einzig und allein der Verbraucher....

... Mit dem Kauf der Produkte die er im Laden in seine Taschen steckt, bestimmt die Ausrichtung der Landwirtschaft dessen Produkte er kauft (egal ob deutsche oder nicht deutsche Produkte oder Landwirtschaft) die Politik hat das mit den Rahmenbedingungen/Leitplanken zu begleiten. Wenn der Verbraucher aber geradeaus mit dem Kauf der Produkte aber gerade aus will kann die Politik nicht die 90° Kurve nach links bauen. Dann kommt es unweigerlich zum crash und es geht dann garnichts mehr. Will die Mehrheit der Verbraucher auch die 90° Kurve an der ladenteke einkaufen und bezahlen, so werden wir (die Landwirtschaft) die Kurve kriegen egal wie schnell und wie scharf sie ist.

von Lars Henken

Was sind denn die genauen Ziele der Gesellschaft?

Ich frage mich schon länger, was die Gesellschaft denn genau von uns will. Soweit ich es einschätzen kann möchte man Topqualität, die ohne Dünger, PSM, Medikamente, Gülleanfall, Lärm- und Staubelästigung von Kleinbauern produziert wird. Das ganze möchte man zu möglichst niedrigen Preisen und wenn der Preis etwas ansteigt, dann treten die anderen Wünsche sehr schnell in den Hintergrund. Wir Landwirte erleben es doch immer wieder, dass zu 90% über den Preis verkauft und Qualität vorausgesetzt wird. Man verlangt von der Landwirtschaft die Quadratur des Kreises im Rahmen eines Heimatfilms mit freiem Eintritt. Wie soll das funktionieren? Hat die Landwirtschaft eine Forderung umgesetzt werden sofort die nächste 3 gestellt. Verkauft ein Schlachter Rindfleisch aus Notschlachtungen zu günstigen Preisen gehen Scheiben zu Bruch und die Polizei muss eingreifen. So lange die Gesellschaft in Umfragen große Forderungen stellt, diese in der Realität aber nicht bezahlen will geht der Strukturwandel weiter und wenn die deutschen Lebensmittel zu teuer sind, dann holt man sie halt aus dem Ausland. Bei Importlebensmitteln muss man sich ja auch nicht aufregen, man sieht die Produktion ja nicht.

von Christian Bothe

Prof.Grethe

Einiges scheint realistisch dargestellt,obwohl es von Grethe ist (Gentechnik etc.).Das war's dann aber schon. Grethe meint man sollte auf gesellschaftliche Wünsche eingehen? Sind wir in einer Fernsehsendung von "Wünsch dir was oder ähnlichem..." Die heutige LW, die Tier-und Pflanzenproduktion sind ein knallhartes Geschäft und um Geld zu verdienen, muß man effektiv Nahrungsmittel produzieren und das in jeder Betriebsgröße ob als konventioneller Landwirt oder ökologer Nischenproduzent. Das Ganze funktioniert auch heuzutage nur mit industriemäßiger LW, nachhaltiger Produktion und nach Tierwohlkriterien. Investitionen in diesen Bereichen werden und wurden in Größenordnungen getätigt,um auch die Nutztierhaltung (und das sind sie N u t z t i e r e) zu verbessern,ökonomischer zu machen,um ordentliche Deckungsbeiträge zu erzielen. Welcher andere Volkswirtschaftszweig geht auf gesellschaftliche Wünsche ein? Ich denke Tage des offenen Hofes, Hofverkäufe,Hoffeste usw. sind Beiträge der LW für ein besseres Verständnisnicht mehr und nicht weniger,um als Landwirt auch in Zukunft preiswerte Nahrungsmittel in hoher Qualität erzeugen zu können.

von Andrea Rahn-Farr

Was sagen und doch nichts sagen...

...das scheint mir hier der Fall zu sein. "Nichtssagend" ist Grethes Rhethorik so lange, wie er nicht konkret Ziele und Maßnahmen benennt. Z.B. sein Wunsch, weg von "pauschalen Flächenzahlungen" zu kommen: Da wären viele Landwirte sicher mit ihm einer Meinung, und wir würden gerne auf die Gängelung und die Bürokratie, die damit verbunden sind, verzichten. Aber MEHR Regulierung, MEHR Programme, MEHR Kontrollen für die vielen Regulierungen und Programme - nur damit am Ende der Mehraufwand für die Bauern gerade so ausgeglichen wird, aber ohne damit Geld verdienen zu können, und das Ganze bei offenen Märkten und Verbrauchern, die den Mehraufwand nicht honorieren? Prof. Grethe sollte doch mal erklären, wie er sich das wirtschaftliche für unsere Höfe vorstellt!

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