Hitze- und Dürrenotstand in Südeuropa

In Italien wurde aufgrund der anhaltenden Hitze und Trockenheit der Notstand ausgerufen. Gleichzeitig wurden 8,65 Mio Euro von der Regierung freigegeben, um Landwirte im Kampf gegen die Dürre zu unterstützen. Hitzerekorde auch in Griechenland und der Türkei. In Bulgarien gibt es erste Hitzetote.

Die Landwirtschaft in Südeuropa ächzt unter den anhaltenden Wetterunbilden in diesem Jahr. In Italien wurde aufgrund der anhaltenden Hitze und Trockenheit in den nördlichen Provinzen Parma und Piacenza jetzt der Notstand ausgerufen. Gleichzeitig wurden 8,65 Mio Euro von der Regierung freigegeben, um Landwirte im Kampf gegen die Dürre zu unterstützen.

Medienberichten zufolge liegt der Pegelstand des Po, in dessen Delta sich eines der wichtigsten Anbaugebiete in Norditalien befindet, 65 % unter dem saisonalen Normalwert. Ernst soll die Situation auch in den Provinzen Emilia Romagna, der Toskana, Venetien, Latium und Sardinien sein. In Piemont wurde die höchste Feuerwarnstufe ausgerufen.

Die Situation ist besonders dramatisch, da bereits der letzte Herbst und der Winter ungewöhnlich warm und trocken waren. Die Wasserreservoire seien in vielen Regionen unterversorgt, heißt es. Der Landwirtschaftsverband Coldiretti rechnet damit, dass insgesamt 75 % der italienischen Landwirtschaftsfläche von der Dürre bedroht sind. Bisher geht man von Einbußen in Höhe von mehr als 1 Mrd Euro aus. Im Norden ist derzeit vor allem der Tomatenanbau betroffen, in Süditalien insbesondere der Olivenanbau. Aber auch bei allen anderen Kulturen dürfte die kritische Wasserversorgung zu Minderernten führen. In Venetien sieht man bereits jetzt einer vorgezogenen Weinernte mit einer geringen Ausbeute entgegen.

Unter der Hitze leiden außerdem die Tiere und die Milchproduktion. Allein in der Lombardei soll die Milchmenge um 40 % zurückgegangen sein. Deutliche Effekte werden auch für die Käseproduktion befürchtet. Coldiretti-Präsident Roberto Moncalvo forderte stärkere Maßnahmen zur Bekämpfung der Wasserverschwendung und zur Förderung von Systemen für eine Landwirtschaft mit einem niedrigeren Wasserverbrauch, den Aufbau von Wasserreservoirs und de Wasserrückgewinnung.

Rekordwerte und Hitzetote in Südosteuropa

In Spanien sprach der Bauernverband UBA von einem „katastrophalen Jahr“. Nach dem Schnee im Frühling erlebe das Land jetzt die größte Dürre seit 25 Jahren. Bislang sei in der heimischen Agrarproduktion mit einem Schaden von insgesamt 2 Mrd Euro zu rechnen, Tendenz steigend. Auf vielen Höfen falle die Ernte voraussichtlich vollkommen aus, erklärte der Verband und forderte Direkthilfen. Die üblichen Maßnahmen, etwa die Aussetzung von Beiträgen zur Sozialversicherung, reichten als Hilfsmaßnahme nicht aus.

Auch in Griechenland, der Türkei und Bulgarien leidet die Landwirtschaft unter der Hitze. Zuletzt wurden in Athen Temperaturen zwischen 43 und 45,4 Grad gemessen, in Istanbul waren es 39 Grad. Im benachbarten Bulgarien wurde am Wochenende zum ersten Mal in diesem Jahr für 17 Regionen Hitze-Höchstalarm ausgerufen. Allein in der Hauptstadt Sofia meldeten die Krankenhäuser am Samstag fünf Hitzetote. Die Behörden riefen alle Einwohner auf, zu Hause zu bleiben und nur im absoluten Notfall den Rettungsdienst zu rufen.

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