Jahresbilanz

Klöckner stellt sich hinter Staatssekretär Aeikens

Landwirtschaftsministerin Klöckner stärkt ihrem Staatssekretär Aeikens bei den Verhandlungen um die Düngeverordnung den Rücken. Ihr sei bewusst, dass die Verschärfung eine „enorme Belastung für die Landwirte“ darstelle. Sie warnte jedoch davor, den Kompromiss generell in Frage zu stellen.

Klöckner reagierte heute in Berlin auf die Rücktrittsforderungen an ihren beamteten Staatssekretär Hermann Onko Aeikens, die kürzlich vom Vorsitzenden des Veredelungsausschusses des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV), Hubertus Beringmeier, beim Kreisverbandstag in Rheda-Wiedenbrück ausgesprochen worden war. „Die Frage stellt sich gar nicht“, sagte Klöckner heute bei der Vorstellung ihrer Jahresbilanz vor Journalisten in Berlin. Die Rücktrittsforderung habe nur ein einzelner Verbandsvertreter auf einem Bauerntag ausgesprochen, so Klöckner weiter.

Düngeverordnung sei enorme Belastung für die Landwirte

Die Verschärfung der Düngeverordnung bezeichnete Klöckner als „enorme Belastung für die Landwirte“. Die EU-Kommission habe aber den Nachbesserungsbedarf im Düngerecht von Deutschland verlangt. „Am Ende zählt da der Wasserschutz“, sagte Klöckner. Dennoch habe sie und ihr Ministerium im Blick, was die Landwirte erbringen könnten, was fachlich sinnvoll sei und gleichzeitig den Wasserschutz erfülle.

Klöckner will weg von der Radikalisierung hin zu mehr Konsens

Klöckner warnte im Weiteren davor, die Agrarpolitik für eine Radikalisierung und eine „alles oder nichts" Debatte zu missbrauchen. Dies erlebe sie vor allem auf Seiten von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) aus dem Umwelt- und Tierschutzbereich aber auch in der Agrarbranche, so Klöckner. „Auch in der Landwirtschaft überbieten sich die Bauernverbände gegenseitig zum Beispiel jetzt beim Wasserschutz mit Rücktrittsforderungen. So wird der Kompromiss verächtlich gemacht, das halte ich für problematisch“, sagte Klöckner. Sie fühle sich zum Ausgleich der Gesellschaft mit der Landwirtschaft verpflichtet und wolle an Lösungen für die vielen Zielkonflikte arbeiten, bekräftige Klöckner. "Wir haben viele Zielkonflikte und werden nur Akzeptanz in der Bevölkerung bekommen, wenn wir weg von der Radikalisierung und hin zu mehr Konsens kommen", sagte sie.

"Verlängerter Arm der Agrarlobby" contra "Hetzjagd gegen Bauern"

Dabei blickt Klöckner zufrieden auf ihr erstes Jahr als Bundeslandwirtschaftsministerin zurück. „Die einen sprechen von mir als verlängertem Arm der Agrarlobby, die anderen reklamieren eine Hetzjagd gegen Bauern, beides stimmt so im Extrem nicht“, sagte sie. Sie deute diese entgegengesetzte Kritik vielmehr auch als ein Zeichen dafür, dass sie mit ihrem Politikstil mit dem Fokus auf einen Ausgleich der Interessen richtigläge, führte sie weiter aus. Für sie seien die Interessen der Bauern auch die Interessen der Verbraucher. "Wir brauchen regionale Produktion", sagte Klöckner. Aber es gebe auch ein "Bauernbashing", welches diese gefährde, sagte sie.

Klöckners Jahresbilanz zu allen Themen des Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMEL) gibt es hier zum Nachlesen.

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Artikel geschrieben von

Stefanie Awater-Esper

Korrespondentin Berlin

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Diskussionen zum Artikel

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von Wilhelm Grimm

Rundum Glatschnackerei hilft uns nicht weiter,

Das hat der WLV-Veredlungspräsident und mit ihm fast alle Landwirte richtig gesehen. Wenn Frau Klöckner und Frau Schulze einen Kompromiss schließen, ist der aus fachlicher Sicht nicht zu verantworten. Nur darum geht es. Landwirtschaft ist angewandte Naturwissenschaft, auch Mathematik, und dort sind Kompromisse verantwortungslos und falsch. Aber für die beiden Ministerinnen ist Landwirtschaft nur ein Spiel, das nicht weh tut. Landwirte aber verlieren bei den häufigen faulen Kompromissen ihre Würde.

von Renke Renken

Wenn man die Autoindustrie

mit dieser Konsequenz angegangen wäre zum Wohle des Umweltschutzes, wie man das jetzt mit der Düngeverordnung veranstaltet, dann hätten wir dieses heillose Chaos mit Fahrverboten, Euro 5 und 6 und Co² - Bilanzen nicht. Schwach, ganz schwach, immer auf die Landwirtschaft, aber bloß nicht unsere Schlüsselindustrie - da kommt dann immer gleich wieder die Geschichte mit den Arbeitsplätzen. Schwachm....

von Jürgen U. Elke Dippel GbR

Sie ist die einen die immer lacht , immer lacht

von Anton Obermeier

Kompromiss?

Was ist denn das für ein Kompromiss wenn man allen Forderungen begründet oder nicht vorbehaltlos zustimmt? Das nennt man wohl vorauseilender Gehorsam und verrät dabei die die man eigentlich verteidigen müsste. Wer solche Freunde hat ...

von Karlheinz Gruber

Unsere Produktion muß nach unten

sonst kann die Industrie nicht die Ausfuhren erhöhen und im Gegenzug der Import von Agrargütern gesteigert werden. Das ist doch der eigentlich Grund. Nur zugeben wird es keiner. Unsere Produkte will keiner mehr haben. Zu teuer produziert. BRD soll nur noch ein Freizeitgelände für die Leute sein. Nahrungsmittel von draußen reinfahren, Industriegüter rausfahren. Passt doch alles, oder?

von Heinrich Roettger

Geht in einem Wissenbasiertem Industrieland gsr nicht so eine undefinierte pauschale Kürzung der Düngemengen um 20 Prozent

Eine Fehlernährung unserer Pflanzenbestände durch pauschale 20 Prozentige Abzüge bei der befarfsgerechten Düngung geht gar nicht Frau Klöckner.Bitte nur auf fachlicher Grundlage und Wissenbasiert , wie es unserer BRD gut zu Gesicht steht.Wir wollen unser Label Made in Germany ja nicht gefährden.

von Willi Noven

Spieß umdrehen

Aufgrund der zu erwartenden Mindererträge, einfach eine ganz große Rückstellung bilden. Damit bleibt das Geld erstmal im Betrieb und kann, falls es doch noch funktioniert später immer noch abgeführt werden. Würden genug Landwirte so handeln, käme wohl mal richtig Schwung in die Diskussion. Offensichtlich sind weder die Kammer noch unsere Vertreter in der Lage unsere Existenzgrundlage zu sichern. "Klöckner 6 ! Setzen !"

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