Jauch-Talk: „Mit dem Finger aufeinander zeigen führt nicht weiter“

Die Diskussion bei Günther Jauch in der Sendung „Die Wut der Bauern“ vom 10. Mai 2015 hat nach Ansicht von Ulf Schönheim vom regionalen Wertschöpfungsverbund „Regionalwert AG Hamburg“ zu keinem greifbaren Ergebnis geführt: „Der Verbraucher ist schuld, der Handel ist böse, der Bauer muss sich anpassen."

Die Diskussion bei Günther Jauch in der Sendung „Die Wut der Bauern“ vom 10. Mai 2015 hat nach Ansicht von Ulf Schönheim vom regionalen Wertschöpfungsverbund „Regionalwert AG Hamburg“ zu keinem greifbaren Ergebnis geführt: „Der Verbraucher ist schuld, der Handel ist böse, der Bauer muss sich anpassen. Mit dem Finger aufeinander zu zeigen führt nicht weiter.“

Um die Land- und Lebensmittelwirtschaft auf gesunde Füße zu stellen, seien drei Dinge notwendig, so Schönheim weiter. „Erstens müssen wir für Transparenz bei Lebensmitteln sorgen. Woher kommt meine Nahrung, wer hat sie wie erzeugt? Zweitens müssen wir für gleiche Interessen sorgen, vom Landwirt bis zum Verbraucher. Stichwort Kooperation statt Konkurrenz und Kostendruck. Und drittens müssen wir richtig rechnen. Denn für billige Lebensmittel zahlen wir doppelt: Durch Subventionen und durch die Folgeschäden an Mensch und Natur. Wir brauchen dringend eine enkeltaugliche Land- und Lebensmittelwirtschaft.“

Ein möglicher Lösungsansatz laut Schönheim: Die Verbraucher möglichst eng einbeziehen und regionale Betriebe zu vernetzen. Das gewährleiste zum Beispiel die Idee der Regionalwert AG Hamburg. Sie gibt gerade Bürger-Aktien aus – in einer Eigenemission, das heißt nicht börsennotiert. Das Geld der Bürger fließt anschließend als Eigenkapital in selbständige, regionale Betriebe – von der Landwirtschaft über die Weiterverarbeitung bis in Gastronomie und Handel. Die Betriebe verpflichten sich auf ökologische und soziale Kriterien – und darauf, sich untereinander möglichst viel abzunehmen.

Schönheim: „So entsteht ein Verbund vom Acker bis zum Teller. Das Geld bleibt in der Region, es werden gute Lebensmittel erzeugt und vor Ort vermarktet. Die Bürger wissen genau, woher ihre Lebensmittel kommen – Stichwort Transparenz. Die Aktionäre haben ein großes Interesse, bei Regionalwert-Betrieben einzukaufen – weil sie ihnen über die Regionalwert AG Hamburg mitgehören. Und über die sozialen und ökologischen Beteiligungskriterien kommen die Betriebe Schritt für Schritt dazu, richtig zu rechnen und die Leistungen aufzuzeigen, die bislang nicht bewertet werden, wie etwa Humusaufbau, Einsparen von Ressourcen oder Ausbildung junger Menschen.“

Mehr:
Abraham: „Bauern selbst für niedrigen Milchpreis verantwortlich“ (11.5.2015)

Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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