Keiner will sie haben: Landwirt muss 9.000 l Ziegenmilch entsorgen

Am Freitag musste Hans Ritt aus Waidhofen/Ybbs in Österreich erstmals die Milch seiner rund 400 Ziegen entsorgen. Grund: Sein bisheriger Abnehmer hat den Liefervertrag gekündigt und der Landwirt findet trotz intensiver Bemühungen keinen Ziegenmilchverarbeiter, der ihm einen langfristigen Vertrag bietet.

Der traurige Moment für Hans Ritt (l.): 9000 l Milch werden in die Biogasanlage der Stadt Amstetten eingeleitet. (Bildquelle: Burgstaller)

Am Freitag musste Hans Ritt aus Waidhofen/Ybbs in Österreich erstmals die Milch seiner rund 400 Ziegen entsorgen. Grund: Sein bisheriger Abnehmer hat den Liefervertrag gekündigt und der Landwirt findet trotz intensiver Bemühungen keinen Ziegenmilchverarbeiter, der ihm einen langfristigen Vertrag bietet, berichtet top agrar Österreich.

Verzweifelt schaut Hans Ritt dem Geschehen zu: Gerade hat der Tankwagen eines Transportunternehmers rund 9.000 kg Milch seiner insgesamt 400 Ziegen abgesaugt und fährt Richtung städtische Biogasanlage nach Amstetten. Der Ziegenmilchbauer sah sich zu diesem Schritt gezwungen, weil er keinen fixen Abnehmer für die Ziegenmilch mehr hat. Es gibt zwar einige Verarbeiter, die sporadisch gewisse Milchmengen von ihm verarbeiten können. Doch das ist natürlich keine Lösung für Ritt. 

Die vergangenen Jahre hat der Landwirt an die Zillertaller Sennerei nach Mayrhofen geliefert. Begonnen habe die Geschäftsbeziehung laut Ritt 2012. "Damals suchte der damalige Chef Heinz Kröll nach Ziegenmilcherzeugern", so Ritt.

So kam man trotz der großen Entfernung von über 350 km ins Geschäft. Einige Jahre habe dies einwandfrei funktioniert. Doch 2016 kündigte der neue Chef Christian Kröll, der in diesem Jahr das Ruder von seinem Vater übernahm, die Vertragsbeziehung mit Ende 2017 auf. Ritts Mutmaßung: "Kröll hat sich bis dahin Erzeuger im eigenen Bundesland aufgebaut, so dass er meine Milch nicht mehr benötigte."

Viele Gespräche, keine echte Lösung

So blieb dem Ziegenmilchbauern nichts anderes übrig, als sich um einen neuen Abnehmer umzuschauen. Und im Juni 2017 schien sich eine Lösung anzubahnen: Die Obersteirische Molkerei schickte sich zu diesem Zeitpunkt an, ein Ziegenmilchprojekt zu starten. So kam der Kontakt zu Ritt zustande.

Die OM vermarktet seither auch regional gewisse Mengen Ziegenmilchkäse. Sogar eine Goldmedaille beim World Cheese Award holte man mit dem aus Ritts Milch produziertem Käse bereits. Für OM-Geschäftsführer Friedrich Tiroch kommt dies angesichts der vorbildlichen Ziegenproduktion Ritts nicht von ungefähr. "Der Betrieb und die Haltung sind sehr sauber. Ritt hat dies wirklich bestens im Griff", so Tiroch.

Doch der von Tiroch erhoffte Durchbruch, sprich eine Listung bei Hofer, blieb dennoch bisher aus. "Es ist zuviel Ziegenmilch im Angebot und es wird zu viel unterpreisige Ware verkauft", so Tiroch. Da könne man nicht mithalten.

Auf der Suche nach einem festen Abnehmer

Somit konnte bisher auch keine langfristige Vereinbarung mit Ritt abgeschlossen werden.  Aber zumindest Teile der Milch kann die OM derzeit für die regionale Vermarktung abnehmen. Auch Gespräche mit etlichen anderen potenziellen Vermarktern gingen bisher weitgehend ins Leere. Die aktuell abgenommenen Kleinmengen sind für Ritt natürlich keine Lösung.

Er braucht dringend einen festen Abnehmer. Noch hofft der Landwirt, dass es möglichst kurzfristig noch einen Weg für ihn gibt. Auch Interessenvertreter haben sich bereits in den Fall eingeschaltet, wie z.B. Bauernbund-Päsident Georg Strasser oder auch Agrarlandesrat Stephan Pernkopf. Doch wenn sich nicht bald etwas ergibt, droht dem Betrieb von Hans und Jarmila Ritt, die vier Kinder haben, das Aus.

Stellungnahme von Christian Kröll, GF der Sennerei Zillertal

Von Christian Kröll erreichte uns heute abend zu dem Fall eine Stellungnahme. Darin erklärt er u.a.: "Grundsätzlich sehen wir die Lage auch sehr tragisch und im Speziellen für die Familie als große Tragödie." Weiters schreibt der GF: "Herr Ritt kam im Jahr 2016 auf uns zu und wollte eine Verlängerung des Liefervertrages auf 5 Jahre. Wir haben ihm eine Verlängerung des Liefervertrages angeboten. Dieser wurde von ihm aber nicht unterschrieben. Als Grund hat Herr Ritt angegeben, dass er sich nicht von uns nicht abhängig machen wollte."
 
In der Folge habe er mehrere kleine Betriebe aufnehmen können, um nicht den Kunden zu verlieren, so Kröll. Zudem habe er auch Herrn Ritt informiert, "dass wir den Liefervertrag auslaufen lassen und für das Jahr 2018 nicht verlängern werden. Zu diesem Zeitpunkt konnte keiner von beiden Seiten erahnen, dass kein Abnehmer gefunden wird."

"Mitte des Jahres 2017 kam dann die OM ins Spiel, die auch immer wieder Milch zum verkäsen abholte", so Kröll weiter. "Aus unserer Sicht erschien es fix, dass die OM die Milch von Herrn Ritt übernehmen würde. Beide Seiten waren froh, dass eine Lösung gefunden wurde."
 
Im November 2017 sei dann die Absage der OM gekommen. Kröll: "Zu diesem Zeitpunkt konnten wir aber auf Grund der neuen Verträge und Lieferanten nicht mehr eingreifen, da der Rohstoff ausreichend vorhanden war."

Artikel geschrieben von

Torsten Altmann

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