Kleine Laufställe für wenig Geld

Kleinere Tierbestände müssen auf die Vorteile eines Lauf­stalles nicht verzichten. Bauberater Herbert Pohlmann vom Milchprojekt Schwarzwald zeigt, was möglich ist. Wer in Süddeutschland mit einem verhältnismäßig kleinen Tierbestand von 20 bis 40 Kühen den Sprung vom Anbinde- in den Laufstall wagt, verdient Respekt.

Wer in Süddeutschland mit einem verhältnismäßig kleinen Tierbestand von 20 bis 40 Kühen den Sprung vom Anbinde- in den Laufstall wagt, verdient Respekt. Denn die äußeren Bedingungen sind oft mehr als schwierig. Zum einen ist bei kleinen Gebäuden kaum mit einer Kostendegression zu rechnen. Zum anderen wird das Bauen durch mehrere Faktoren oft sehr teuer. So kostet Beton in Süddeutschland mit durchschnittlich 130 €/m2 deutlich mehr als im Rest der Republik.

Hinzu kommt, dass mehr Beton nötig ist, da in der Regel in Hanglage oder für hohe Schneelasten gebaut werden muss. Wenn dann noch – wie in Baden-Württemberg gar nicht mal so selten – in Erdbebenzone II oder III gebaut wird, kann sich allein der Unterbau extrem verteuern.

Viele süddeutsche Milchviehhalter lassen sich trotzdem nicht vom Bau eines Laufstalles abhalten – zumal in den letzten Jahren zunehmend auch kleinere Bauvorhaben gefördert werden. So sind z.B. im Südschwarzwald viele neue Laufställe, aber auch Umbauten für 20 bis 40 Kühe entstanden, ein Dutzend weitere sind derzeit im Bau. 

Sorgfältig planen

Dass dieser Traum trotz erschwerter äußerer Bedingungen realisierbar und finanzierbar ist, zeigt sich an vielen gelungenen Stallvorhaben der letzten Jahre. Damit das gelingt, sollte man sich aber viel Zeit für die Planung lassen. Planungskosten machen zwar zwischen 3 und 5 % der Gesamtkosten aus – wenn am Ende aber eine gute und nachhaltige Lösung entsteht, ist das gut investiertes Geld.

Dabei ist wichtig: Je kleiner der Bestand und je schwieriger der Standort, desto weniger gibt es fertige Lösungen „von der Stange“. Wer mit seinem Berater, Architekt und Statiker alle Gewerke konsequent unter dem Kostenaspekt durchgeht, kann eine Menge sparen. Eine Ausschreibung kann ebenfalls noch etwas bringen. Praxiserfahrungen zeigen, dass man einen Kuhplatz inklusive aller Nebenkosten schon für 7.500 bis 8.000 € brutto statt wie vielfach üblich für 10.000 € bauen kann.

An der Hülle sparen

Da die Kosten für die Gebäudehülle, bedingt durch den teuren Unterbau, den größten Anteil an den Gesamtkosten stellen (etwa 2/3), gilt es vor allem hier anzusetzen. Der Spielraum in der Planung ist dabei allerdings gering, da die Funktionsmaße z. B. für die Größe der Liegeboxen natürlich für kleine Bestände genauso gelten, wie für große. Auch eine Abkalbebox ist unverzichtbar. An komfortablen Haltungsbedingungen darf ebenso wenig gespart werden wie an der Arbeitswirtschaftlichkeit!

Trotzdem: Durch gute Planung lässt sich eventuell Grundfläche einsparen. So sind z. B. Warteräume in Beständen mit bis zu 60 Kühen nicht zwingend nötig. Wenn es der Standort zulässt, spart auch ein Offenfrontstall mit Pultdach einiges an Gebäudevolumen. Gegenüber einem konventionellen Stall lassen sich damit 5 bis 10 % sparen. Der Stall sollte kompakt sein und gerade Achsen haben. Viele Ecken und Kanten sind aufwändig und teuer.

Je kleiner die Bestände, desto eher bietet sich die Möglichkeit, bestehende Gebäude in das Konzept einzubinden. Reine Umbaulösungen gelingen mit Milchvieh fast nie – und wenn nur mit sehr kleinen Beständen – dafür sind die Flächenanforderungen, vor allem mit allen Nebenbereichen zu groß.

Melken im Altbau?

Bei in Alt- und Neubau getrennten Funktionsbereichen gilt es dann, gut abzuwägen, welche Funktionen im Altbau Sinn machen. Ein möglicher Ansatz ist, den Neubau einer Fress-Liegehalle mit einem Melkbereich im Altbau zu kombinieren. Dort können dann auch noch der Abkalbebereich und die Tränkekälber unterkommen, sodass alle betreuungsintensiven und temperaturkritischen Bereiche im warmen, gut erreichbaren Altbau sind, während sich die Kühe im luftigen und hellen Neubau aufhalten können.
 
Eine Nutzung von Altgebäuden für Fressen und Liegen ist auch möglich, muss aber geprüft werden. Gerade alte Eindachhöfe eignen sich für Liegeboxen nur bedingt, nicht nur, weil sie dunkel und schlecht zu lüften sind. Meist passt auch die tragende Konstruktion nicht zu den Rastermaßen, die für Liegeboxen notwendig sind. Gegen die Nutzung als Fressachse spricht die meist geringe Durchfahrtshöhe und die schmale Durchfahrtsbreite.

Aber keine Regel ohne Ausnahme: Im Schwarzwald wurden Lösungen mit von oben beschicktem Futtertisch realisiert. Durch den schmalen Futtertisch (ca. 2 m), der beidseitig genutzt wird, lässt sich viel Platz sparen. Außerdem muss kein Futter mehr nachgeschoben werden.

Anbauten unflexibler

Wo möglich, sollten die ausgelagerten Funktionen als eigenes Gebäude errichtet werden. Anbauten an Bestandsgebäude können sinnvoll sein, aber in der Regel sind sie wegen des Dachanschlusses und der durch den Altbau vorgegebenen Stallachsen teurer und unflexibler als Neubauten. Ein Neubau kann dagegen optimal an die Bedingungen angepasst werden. Zudem lassen sich so einfach Warteräume und Laufhöfe integrieren – als Verbindungsglied zwischen Alt- und Neubau.

Ein weiterer Lösungsansatz ist, den Altbau für Jungvieh zu nutzen und den Milchviehstall neu zu errichten. Sparen kann man auch bei der Melktechnik. Gerade bei kleineren Beständen sollte man sich überlegen, wie viele Melkplätze nötig sind und ob die unbedingt in einem doppelseitigen Melkstand untergebracht sein müssen. Dies gilt besonders, wenn der Melkstand in das Altgebäude soll.

Und nun viel Spaß bei den Praxisbeispielen in unserer Fotogalerie...


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