Gegen Ernährungsverbote

Klöckner auf Anuga: „Unser Essen ist politisch geworden“

Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner hat sich grundsätzlich gegen Verbote in der Ernährungspolitik ausgesprochen.

Bundesagrarministerin Julia Klöckner hat am Samstag die Ernährungsmesse ANUGA 2021 in Köln eröffnet. In ihrer Rede betonte sie, dass Ernährungspolitik keine grundsätzliche Verbotspolitik sein dürfe. Sie bewirke sonst das Gegenteil, in Zeiten der weltweiten Bestellmöglichkeiten.

Eine solche Politik würde zwangsläufig scheitern. Einsicht, Bewusstsein und Rahmenbedingungen, die nachhaltig wirken, seien wichtig. Jeder Erwachsene müsse in die Lage versetzt werden, entscheidungsfähig zu sein.

Sie halte auch wenig davon, die Gesellschaft in die Guten und die Schlechten zu unterteilen, sagte die CDU-Politikerin weiter. „Es ist eine Unsitte geworden, der Wirtschaft per se etwas Schlechtes zu unterstellen, das Gespräch mit der Ernährungsbranche als platten Lobbyismus abzutun und Kampagnen-Aktivitäten von Aktivistengruppen hingegen als per se faktisch richtig und unhinterfragt hinzunehmen. Das kritisch-konstruktive Miteinander ist und bleibt wichtig, aber Gesinnungsschubladen machen unsere Gesellschaft nicht besser, sondern hemmen sie.“

Wenn Kunden ihren Einkaufskorb zusammenstellten, bestimmten sie mit ihrer Nachfrage auch das Angebot. Bei Grundnahrungsmitteln wie Kartoffeln, Gemüse oder Fleisch werde im Cent-Bereich gespart. Aber wer Bio auf den Feldern wolle, müsse Bio kaufen. Wer mehr Tierwohl in den Ställen wolle, müsse Tierwohl kaufen, fügte sie hinzu. Zugleich forderte die Ministerin mehr Wertschätzung für Produkte aus heimischer Landwirtschaft. Wer dem Klimawandel ganz praktisch begegnen wolle, solle zu saisonalen Lebensmitteln greifen, betonte Klöckner.

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VLOG sieht bei "Ohne Gentechnik"-Schweine- und Rindfleisch großes Potenzial

Ohne Gentechnik-Kennzeichnung

Ohne Gentechnik-Kennzeichnung (Bildquelle: picture alliance / ZB | Z6944 Sascha Steinach)

„Ohne Gentechnik“ ist bei Milchprodukten innerhalb nur eines Jahrzehnts mit einem Anteil von gut drei Vierteln zum fast flächendeckenden Standard geworden. Auch die Mehrzahl der Hühner, Puten und anderem Geflügel in Deutschland wird inzwischen gentechnikfrei gefüttert, so dass Eier und Geflügelfleisch zu rund zwei Dritteln „Ohne Gentechnik“ sind, betonte der Geschäftsführer des Verbandes Lebensmittel ohne Gentechnik (VLOG), Alexander Hissting, auf der Anuga.

Bei Rind- und Schweinefleisch liege der Anteil bisher deutlich niedriger. Das dürfte sich aber seiner Meinung nach bald ändern. Hissting erinnerte daran, dass mehrere große Lebensmittelhandelsunternehmen wie Aldi, Lidl, Rewe und Edeka angekündigt haben, ihr Frischfleischangebot in den nächsten Jahren Schritt für Schritt auf höhere Haltungsstufen umzustellen. Das bedeute neben mehr Tierwohl auch weniger Gentechnik, denn bei Haltungsstufe 3 und 4 gehört auch gentechnikfreie Fütterung zum Programm, so der Geschäftsführer. „Durch die Tierwohl-Initiativen wird der Anteil gentechnikfreier Produkte auch bei Schweine- und Rindfleisch automatisch stark zunehmen.“


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