Meinung

Klöckner auf der Grünen Woche: Jetzt auf die Langstrecke

Die Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat ihre erste Grüne Woche mit Bravour gemeistert. Als erfahrene Politikerin war sie sehr medienpräsent und hat klare Bekenntnisse reichlich abgegeben. Jetzt ist es an der Zeit, Taten folgen zu lassen.

Ein Kommentar von Anselm Richard, Chefredakteur beim Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben:

Für Landwirtschaftsminister ist die Internationale Grüne Woche in Berlin stets eine Bewährungsprobe, vor allem die jeweils erste ihrer Amtszeit. Nach dem Schaulaufen der ersten Monate als Bundesministerin hat Julia Klöckner auch diese Hürde gemeistert.

Bei der Eröffnungsfeier hat sie die wichtigen großen Themen angesprochen, alle gesellschaftlichen Gruppen, aber auch die Landwirte zum Dialog aufgerufen und Verständnis angemahnt. Unverkennbar trotzdem ihre Sympathie für die Arbeit der Bauern und die Menschen im ländlichen Raum, ohne sich dabei aufdringlich kumpelhaft zu geben.

Als erfahrene und gewiefte Politikerin war Klöckner sehr medienpräsent. Sie vermittelte ein positives Bild der Agrar- und Ernährungsbranche. Die Fachfrau überlässt wenig dem Zufall, aber wirkte bei ihren Auftritten nicht gestelzt. Das Thema Digitalisierung ist selten so intensiv mit der Landwirtschaft in Verbindung gebracht worden wie in diesen Tagen. Auch zu Ernährungsthemen nahm die CDU-Frau fachkundig Stellung.

So weit, so gut. Doch wenn diese Grüne Woche Geschichte ist, warten weitere Aufgaben auf die Ressortchefin – und keine kleinen. Jetzt geht es um die Detailarbeit, die nicht immer Spaß macht und oft mühselig ist. Nicht Kunstturnen ist da angesagt, sondern Langstreckenlauf.

Ganz vorn im Pflichtenheft stehen der Agrarhaushalt der Europäischen Union und die Weiterentwicklung der Gemeinsamen Agrarpolitik. Erst einmal das Geld für Landwirte und ländliche Räume sichern und dann für die richtige Verteilung sorgen, darauf kommt es in Brüssel an.

Auf nationaler Ebene ganz wichtig: Das Tierwohl-Label, mit dem sich Klöckners Amtsvorgänger Christian Schmidt schon geschmückt hat, obwohl es das Siegel noch gar nicht gab. Die Ministerin muss zum Beispiel dafür sorgen, dass das von der Initiative Tierwohl erreichte Finanzierungsmodell von dem neuen Zeichen nicht untergraben wird, und vor allem, dass kein Siegel-Wirrwarr entsteht.

Hinzu kommen diverse Zukunftsfragen aus dem Bereich der Tierhaltung. An den Themen Ferkelkastration, Schwanzkupieren und Kastenstand kommt Klöckner nicht vorbei, wenn sie es ehrlich meint mit den Bauern. Auch nicht daran, immer wieder klar und öffentlich Position zu beziehen in Sachen Wolf und Weidetierhaltung. Das kommt nicht überall gut an.

Gleichwertige Lebensverhältnisse in der Stadt und auf dem Land zu schaffen, ist immer noch eine Mammutaufgabe. Doch genau daran, wie weit die Ministerin dabei vorankommt, werden die Menschen im ländlichen Raum sie demnächst messen. Klare Bekenntnisse hat sie reichlich abgegeben. Jetzt ist die Zeit, Taten folgen zu lassen.


Diskussionen zum Artikel

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von Joachim Löber

Wir haben es satt

Super Film von unserer Landwirtschaftsministerin!

von Gerd Uken

Die von extra3 sehen das so

https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/extra_3/Die-Lobby-Glucke-von-der-Bauerntruppe-Song-fuer-J,extra15610.html

von Anton Heukamp

Frau Klöckner hat sich gut präsentiert. Sie kommuniziert die Chancen und Stärken der Landwirtschaft deutlich mehr als der Bauernverband, dessen häufig arrogant wirkender Geschäftsführer, auf der Grünen Woche auffallend (Habe ich länger beobachtet) um die "VIPs" inkl. Ministerin herumscharwenzelt, medial jedoch weiterhin wenig offensiv vorgeht. Solange unser Berufsstand diesbzgl. nicht progressiver wird und wir beitragszahlenden Bauern den Verbänden keinen Druck machen,(wirklich, nicht nur Minibeträge) Geld für Medienarbeit in die Hand zu nehmen, wird sich an unserem Ansehen nicht viel ändern. Jeder Tierhalter könnte doch (mal ehrlich!) jährlich z.B. 30 Euro Extrabeitrag zahlen, wenn damit fruchtbare Erfolge, wie z.B. professionelle Auftritte in Talkshows, interessante TV-Beiträge in der Prime-Time und gute Artikel in führenden Zeitungen entstünden. Die Autoindustrie schafft es, den "Dieselskandal" mehr oder minder abzuwehren (medial gut angestellt) und wir lassen uns in die Enge treiben, wenn drei Leute in einen Stall einbrechen. Wir müssen bereit sein, mehr Geld für diese Imagepolitur in die Hand zu nehmen und professionelle Berater hinzuziehen. Diese sitzen bereits bei der Ministerin im vertrauten Kreis am Tisch, man müsste sie nur fragen. Das wäre zu einfach und würde den Bauernverband im seiner schlechten Medienkommunikation entlarven. Dann lasst uns doch lieber unter den Berufskollegen "weiterheulen" und die Dinge passieren lassen. Vielleicht hilft ja doch Frau Klöckner mit digitaler Anordnung von oben, wenn wir in medial rückständiger Jammerstarre verharren und die Themen nicht selbst in die Hand zu nehmen bereit sind.

von Joachim Löber

Medienwirksamkeit

Es ist ja allzueinfach alle derzeitigen Probleme mit digitalen Zukunftsvisionen zu lösen. Die AbL hat auf ihrer Internetseite ein interessantes Agrarfördersystem entwickelt, dass die derzeitigen Probleme lösen könnte!

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