Lebensmitteleinzelhandel

Klöckner: Geiz-ist-geil-Mentalität des LEH kein politisches Mantra

Agrarministerin Klöckner ist über Aussagen des Aldi-Managements im top agrar-Interview erschüttert. Wer Bauern für die eigene bessere Marge auspresse, handele als allerletztes im Sinne der Landwirte.

top agrar hat die Geschäftsführer für Kommunikation der Unternehmen Aldi Nord und Aldi Süd, die auch die Verhandlungen mit den Landwirten leiteten, interviewt. Agrarminsterin Julia Klöckner ist über einige Aussagen empört. Laut dem Geschäftsführer Kommunikation von Aldi Nord, Florian Scholbeck, sei Aldi gerade der Blitzableiter für die Probleme. Das Grundproblem sei aber ein strukturelles. „Es ist auch das Ergebnis von zwanzig Jahren Agrarpolitik. Alle haben davon profitiert. Bauern, Verarbeiter, Handel und Kunden“, so Scholbeck gegenüber top agrar.

Das will Klöckner nicht auf sich sitzen lassen: "Dass Aldi sich nun in der Opferolle sieht und meint 20 Jahre Agrarpolitik seien an der Einkommenslage der Bauern schuld, entbehrt nicht einer gewissen Ironie oder gar Sinn für Humor.“ Agrarpolitiker gleich welcher Couleur hätten in der jeweiligen Zeit versucht, mit flankierenden Maßnahmen Stabilität in den Berufsstand zu bringen. „Und das gegen die Preisdumping-Spirale des Handels, der Lebensmittel als Lockmittel und Ramschware in den Anzeigenblättern nutzt, um Kunden in den Laden zu locken“, so die Ministerin weiter. Jede Wochen gehe es um den billigeren Cent. Die Geiz-ist-geil-Mentalität sei kein politischer Slogan, sondern eines des Handels.

Die Geiz-ist-geil-Mentalität ist kein politisches Mantra, sondern eines des Handels – Klöckner

Wer Bauern für die eigene bessere Marge auspresse und bei Widerstand sofort auf ausländische Ersatzware zurückgreife, handele als allerletztes im Sinne der Landwirte. „Und wer wegen eines Gesetzes gegen unfaire Handelspraktiken schon die Fassung verliert, weil Agrarpolitik im Sinne der Bauern handelt, der muss stärker über seine eigene Preis- und Verhandlungspolitik nachdenken“, teilt die Agrarministerin verärgert mit. Jetzt sei es an der Zeit, dass strukturelle Änderungen kommen. "Das tue ich mit dem UTP-Gesetz. Und vom Handel erwarte ich die Bereitschaft zu einem Verhaltenskodex zwischen ihm und den Bauern. Ich bin gerne bereit, zu vermitteln."

Den Kommentar zum Aldi-Interview von top agrar-Chefredakteur Matthias Schulze Steinmann, lesen Sie hier.


Die Redaktion empfiehlt

Aldi sieht sich als Blitzableiter für den Frust der Bauern und verweist auf strukturelle Probleme. Der Discounter bietet einen vorübergehenden Hilfsfonds an.

Der Handel trägt eine Mitverantwortung für die Misere der Bauern. Die eigene Darstellung als umwelt- und klimafreundlicher Problemlöser ist verlogen. Doch auch Ministerin Klöckner ist in der...

Die entgegen vorherigen Ankündigungen drastische Butterpreissenkung seitens des Handels sorgt im Bundestag und in den Ländern für Unmut. Die Union will im Gesetz gegen unlautere Praktiken...

Aldi wollte den Butterpreis um 60 Cent senken. Nach energischen Protesten von Bauern und dem Besuch von Niedersachsens Umweltminister Lies soll das nun vom Tisch sein.

Dass Aldi die Butterpreise zum neuen Jahr drastisch senken will, sorgt nicht nur bei Landwirten für Unmut. Wie es aus der Branche heißt, gehen Verarbeiter bisher nicht auf das Gebot ein.

Landwirtschaftsministerin Klöckner fordert vom LEH Vorschläge für neue Lösungen in den Handelsbeziehungen. Sie sollen den Bauern mehr Wertschöpfung bringen. Sie warnt davor, auf Zeit zu spielen.


Diskussionen zum Artikel

von Thomas Schaffner

Frau Klöckner,

Dann handeln sie endlich, die Zeit der Reden schwingen ist vorbei

von Norbert Thüning

Marktwirtschaft

Angebot und Nachfrage bilden den Preis. Lasst uns wieder auf dieses Prinzip besinnen. Deutsche Qualitätsprodukte und wir bestimmen, was sie kosten. Wir dürfen nicht nur produzieren, wir müssen dringend bei der Vermarktung die Zügel in die Hand nehmen.

von Gerd Zimmermann

Produktionsmenge

... und bei der Produktionsmenge! D.h. uns selbst etwas zügeln - bin gespannt, was von der Bauernmilliarde direkt oder indirekt in größere Ställe geht.

von Martin Siekerkotte

Artikel 148

Umsetzen nicht vergessen

von Josef Doll

Herman Kamm

Ich kann Bio Anbausysteme auch gutes abgewinnen . Nur kann ich Ihren Acker mit Herbizid behandeln weil er zur Samenschleuder ( aus ihrer Sicht als positiv Argument Biodiversitätsbrunnen ) wird ? Ansonsten Wir haben seit 16 Jahren eine Koalition die alles andere als geliebt ist . Somit ... mehr anzeigen

von Erwin Schmidbauer

Den Sack schlägt man, den Esel meint man?

Ohne den Handel aus seiner Verantwortung völlig entlasten zu wollen, aber der Handel setzt am Ende auch das um, was der Käufer wünscht. Und das sind nun eben billige Lebensmittel in Massen. Und wenn er dann einen Teil davon in die Mülltonne klopft. Der ganz großen Mehrheit der ... mehr anzeigen

von Wolfgang Nürnberger

Die Bauern laufen wie die Hasen!

Weil gerade die sogenannte Bauernmilliarde verteilt wird, welcher der Landwirtschaft hinsichtlich ihres Rufes nur schadet, aber die Bauern sehen, wie alle Menschen, eben die 40 % Rabatt, welcher natürlich niedriger ist als gedacht, denn auch die Landtechnikindustrie und der Handel wollen ... mehr anzeigen

von Anton Heukamp

Gute Kooperation

Der Handel und die Politik haben gemeinsam das Ziel der zuerst günstigen, später billigen Lebensmittel verfolgt. Seien wir mal ehrlich, auch wenn wir persönlich profitieren konnten. Ist es sinnvoll, bzw. dem Ziel stabiler Erzeugerpreise (das die Politik nie wollte) dienlich, ... mehr anzeigen

von Kirsten Wosnitza

Auf den Punkt gebracht

Jetzt braucht es nur noch mutige Bauern, die ihre Finger in die Wunde legen.

von Kirsten Wosnitza

Deutsche Agrarpolitik gründet auf immer mehr und immer billiger

Da passt Geiz ist geil doch ganz hervorragend! Eine Politik, die jahrzehntelang ohne Rücksicht auf Kriterien der Nachhaltigkeit auf Wettbewerbsfähigkeit und Kostenführerschaft gesetzt hat traut sich nun zu, die Moralkeule über ihr eigenes Baby zu schwingen - das ist erstaunlich. Und ... mehr anzeigen

von Gregor Grosse-Kock

Schaut

Auf Dänemark, Holland, Belgien die kommen alle zu uns mit dem Schweine und Rindfleisch - das reicht noch nicht und Polen versucht das Gleiche mit Erfolg! Die EU ist erstaunlich gut, macht Produktionauflagen damit staatliche Kosten und wir sollen mit einem Marktpreis zurecht kommen!!? ... mehr anzeigen

von Willy Toft

Politik kann Rahmenbedingungen abstecken, arbeitet aber lieber den vermeintlichen Mainstream ab!

Herr Scholbeck, die Bauern haben am wenigsten von der ganzen Agrarpolitik partizipiert, es wurde stets von Jahr zu Jahr schlechter! Der LEH setzt einfach nochmal dem Ganzen die Krone auf! Die Gewinne im LEH, die die 4 großen Konzerne erwirtschaften, sind mindestens 4 mal so hoch, als was ... mehr anzeigen

von Rudolf Rößle

Frau Klöckner

ich hoffe Sie sehen ihre Funktion als Gewerkschaftschefin mit Einfluss. Wenn die richtigen Worte in den bedeutenden Medien fallen, die Stabilität und Weiterentwicklung fördern, sind wir auf einem richtigen Weg. Die NGO`s haben unser Kapitol gestürmt und besetzen es weiter. Es spricht ... mehr anzeigen

von Josef Doll

Die Politik

setzt nicht mehr die Rahmenbedingungen sondern die Umweltverbände, NGOs , und Weltenverbesserer wie Peta als militanter Arm der Veganer ( Übrigens von den Pazifistenparteien der Linken, Grünen und der SPD gedeckt ) die Tierhaltung an sich verbieten will. Ihre Stategie die ... mehr anzeigen

von Hermann Kamm

@ Doll ,

dazu gehört auch die CDU und CSU!!!!!!!!!!

von Gerd Uken

Und mit wemnFrau Klöckner kungelt ist ja wohl hoffentlich auchvallen klar....

Wir wären Systemrelevant hieß es zuerst dann wurde wir sogar von ihr beschimpft und in Koblenz in die rechte Ecke gestellt , wir hätten Reichsbanner in die Hlhe gehalten. Frau Klöckners Nervenkostüm ist sehr dünn. Herbst 2019 sagte sie wenn die Molkereibranche nicht liefert( ... mehr anzeigen

von Christian Kraus

Eine Rede für die Wahl

sonst nichts. Wenn die Ministerin bei einem Gesetz gegen den unlauteren Handel zuerst mit den Handelskonzernen küngelt dann weis man schon vorher was raus kommt. Außer dem Namen wird dann in Beamtendeutsch mit vielen Paragrafen und Ausnahmen nichts mehr von dem drin stehen was es ... mehr anzeigen

von Wilhelm Oldewurtel

Zeit der Stammtischparollen ist vorbei

Jetzt Konzept des BDM anwenden ( für alle Bereiche der Landwirtschaft ) Weil sonst keiner eine Idee hat!!!!!

Sie müssen sich anmelden um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen

Kommentar melden

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen

Kommentar melden

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen