Agrarpolitsicher Bericht

Klöckner: „Strukturwandel ist gebremst aber nicht gestoppt“

Agrarministern Klöckner erwartet keinen Strukturbruch in der Landwirtschaft. Den Berufsstand warnt sie davor, in Einzelinteressen zu zerfallen.

Bundeslandwirtschaftsministein Julia Klöckner hegte am Mittwoch bei der Vorstellung des agrarpolitischen Berichts der Bundesregierung in Berlin die leise Hoffnung, dass der große Strukturbruch in der Landwirtschaft ausbleiben könnte. „Der Strukturwandel ist gebremst aber nicht gestoppt“, sagte sie mit Blick auf die Daten aus dem agrarpolitischen Bericht. Danach ging im Zeitraum von 2010 bis 2016, als die letzte Landwirtschaftszählung stattfand, die Zahl der Betriebe um 23.700 auf 275.400 Betriebe zurück. Das entspräche einer Abnahmerate von 1,4% und diese läge niedriger als der frühere langjährige Mittelwert von 3% Strukturwandel pro Jahr. Die „Negativdynamik ist gebremst“, so Klöckner, das stelle sie nicht zufrieden, zeige aber einen Trend auf. Politische Eingriffe in die Agrarstruktur bewertete sie dennoch skeptisch: „Wir werden die Struktur nicht künstlich konservieren können“, sagte sie.

Bodenmarkt ist ein Problem

Besorgt zeigte sich Klöckner über die Entwicklung auf dem Bodenmarkt mit steigenden Kauf- und Pachtpreisen. Den Einstieg von außerlandwirtschaftlichen Investoren insbesondere in Ostdeutschland nannte Klöckner „alarmierend“. Derzeit diskutiert die Bundesregierung über die Eingrenzung von sogenannten Share Deals und der Erfassung dieser von der Grunderwerbssteuer. „Ich bin mit dem Gesetzentwurf so noch nicht zufrieden“; sagte Klöckner. Sie hält die bisher von der Bundesregierung vorgesehene Senkung der Anteilsgrenze für die Grunderwerbssteuer auf 90% noch für zu niedrig, erläuterte sie. Die Bundesländer rief sie auf, aktive Landwirte über das Vorkaufsrecht beim Flächenerwerb besser zu stellen. „Wir können Investoren nicht verbieten Land zu kaufen, aber wir können Landwirte befähigen, besser zum Zuge zu kommen“, sagte sie.

2018/19 sinken Einkommen wieder

Als Problem stellte Klöckner für viele Betriebe die starken Einkommensschwankungen heraus. Klöckner warnte vor hohen Erwartungen an die Einkommen der landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetriebe im Wirtschaftsjahr 2018/19. Diese würden vermutlich unterhalb der Durchschnitte der beiden „sehr guten“ Vorjahre bleiben, prognostizierte sie anhand der Daten des Berichtes. Danach hatte sich im Wirtschaftsjahr 2017/18 das Einkommen der landwirtschaftlichen Betriebe im Durchschnitt aller Rechts- und Bewirtschaftungsformen um rund 14 Prozent auf knapp 36.000 € je Arbeitskraft verbessert und lag auf dem höchsten Wert im Zehnjahresvergleich.

Klöckner betont den Export

Einen weiteren Schwerpunkt setzte Klöckner bei der Präsentation des agrarpolitischen Berichtes auf den Export. Ein Drittel der landwirtschaftlichen Produktion in Deutschland gehe in den Export, sagte sie. Bei der Diskussion um den internationalen Handel mit Agrarerzeugnissen müsse auch das gesehen werden, sagte sie.

Auch Bauerninterssen individualisieren sich

Zu den verbandsunabhängig organisierten Bauernprotesten von dieser Woche verwies Klöckner auf mittlerweile sehr viele Gruppierungen, die sich agrarpolitisch äußerten. „So wie sich die Gesellschaft individualisiert tut es auch die Landwirtschaft“, sagte sie. Es breche auch in der Landwirtschaft „etwas Neues auf“, so Klöckner weiter. Sie halte die Aufspaltung in Einzelinteressen nicht für unproblematisch für den Berufsstand. „Wir brauchen auch einen Ansprechpartner“, sagte Klöckner. In der Debatte um ihr Agrarpaket forderte Klöckner „Sachlichkeit“ ein und betonte erneut ihre Dialogbereitschaft.

Den Agrarpolitischen Bericht der Bundesregierung mit vielen Daten und Fakten gibt es hier zum Nachlesen.

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Diskussionen zum Artikel

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von Martin Krautter

Julias Märchenwelt

Frau Klöckner lebt wenn man den Bericht liest in einer andern Welt als wir Landwirte und hat den Ernst der Lage noch nicht gesehen. Die Zahlen von Strukturwandel sind von ihren Vorgänger und nicht von Frau Klöckner, sagen aber noch nichts über die Wertschöpfung in der Landwirtschaft aus, welche leider stark zurück geht. So werten netto Lebensmittel von 5,6Mio ha nach Deutschland importiert Tendenz steigend. Aber nun kommt Frau Klöckner und das ganze wird wegen ihrer Politik von viel schlimmer. Starker Strukturwandel, stark sinkende Wertschöpfung und keine flächendeckende Landwirtschaft mehr bis zur Verödung von Land. Und Sie merkt es einfach nicht. Denn Ihr fehlen jegliche fachliche landwirtschaftliche Kompetenz, kann keine zusammenhänge sehen und lässt bei Verhandlungen wie bei Agrarpaket über den Tisch ziehen, denn hier reicht ein nettes lächeln von einer schönen Frau nicht. Auch sieht Frau Klöckner nicht wie sich die Landwirtschaft jetzt zusammen findet, denn diese Politik und Bauer-Bashing von Seiten der Politik schweißt zusammen. Das Agrarpaket muss zurückgezogen werden, dass man endlich mit sachlichen Diskussionen beginnen kann. Wenn Frau Klöckner dazu nicht in der Lage ist sollte sie so schnell wie möglich zurück treten.

von Hermann Kamm

Also Frau Klöckner, ich weiß nicht wo sie leben, wahrscheinlich in einer heilen Welt?

Viele Landwirte überlegen ob sie ihren Job an den Nagel hängen! So wie es aussieht werden mit ihren zusätzlichen Auflagen noch wesentlich mehr Landwirtschaftliche Betriebe dicht machen. Und dennoch wollen sie ihren Irrsinn mit aller Gewalt fortsetzen!

von Christoph Noven

Untragbar

Möge Frau Klöckner doch endlich zurücktreten.

von Gerhard Steffek

23.700 Betriebe in 6 Jahren!!!

Das sind 3.950 Betriebe pro Jahr!!! Rechnet man in jedem Betrieb nur mit zwei Personen, so wären das 7.900 Arbeitskräfte! In der übrigen Wirtschaft gäbe das einen riesen Aufschrei, würden dermaßen viele Arbeitskräfte auf die Straße geschickt werden, aber so ein kleiner Bauer interessiert anscheinend nicht die Bohne. Nur - wieviele Arbeitsplätze hängen noch an diesen Betrieben? Im vorgelagerten, aber auch ihm nachgelagerten Bereich gehen auch da mit der Zeit viele Arbeitsplätze verloren. Denkt daran überhaupt keine Sau? Was ist mit den sozialen und ökologischen Aspekten (jeder Betrieb der aufgibt ist ein verlorenes Biotop)???

von Gerd Schuette

"Agrarpaket" und "Sachlichkeit" erwähnt Frau Klöckner in einem Satz. Wo ist die Sachlichkeit gewesen als das Agrarpaket geschnürt wurde? Die Landwirte waren am Dienstag doch nicht aus Langeweile auf der Straße! Einen beschleunigten Strukturwandel sieht Frau Ministerin nicht. In der Tierhaltung ist er sehr wohl vorhanden. Ist einfacher diesen zu verdrängen, ansonsten müßte sie womöglich aktiv werden. Sie braucht "einen" Ansprechpartner, sagt sie. Dient es nicht der Sachlichkeit sich mit den jeweiligen Fachverbänden auszutauschen? Mit den tausenden demonstrierenden Landwirten zu unterhalten, die aus eigeninitiative losgefahren sind und nicht von einem Verband gerufen wurden?

von Wilhelm Grimm

Strukturwandel ist normal,

hat es immer gegeben und wird es immer geben. Eine Regierung, die den Strukturwandel mit Unwahrheiten und fachlichem Schwachsinn bewusst zu einem massiven Bauernlegen benutzt, ist in einer Demokratie neu.

von Christian Kraus

Der Strukturwandel bei den Milchbauern ist UNGEBREMST!!! https://www.topagrar.com/rind/news/deutschland-weniger-kuehe-weniger-halter-11581791.html Sie wollen der Landwirtschaft den Kragen umdrehen mit Vorschriften die sich dramatisch für uns AUSWIRKEN WERDEN und sie verkündet ganz ignorant "JETZT ist alles gut". Die hat überhaupt nichts verstanden.

von Markus Vagts

2010 - 2016 ?

Das ist schon wieder so weit in der Vergangenheit, dass die aktuelle Situation überhaupt nicht berücksichtigt ist.

von Gerd Uken

Da hat sich jemand aber ein Kuckuksei ins Nest legen lassen

Sie wirbt ja jetzt auch fürs Mercosur Abkommen...… Und zu ihrem Jahrbuch glaube keiner Statistik die du nicht selber gefälscht hast. Wir nähern uns immer mehr der Schweinebranche sowohl in der Volaität als auch den Preisbewegungen langes Tief kurzes Hoch. Wer so was abzieht wie die zwei da am Dienstag verliert seine Glaubwürdigkeit. Die Masterrindauktion in Verden konnte um einen Tag verschoben werden. 10 Tagewaren anscheinend zu kurz um die Bahnkarte zu stornieren und jetzt schiebt man uns wieder vor sich her bis zur Grünen Woche da hat man ja dann das nötige Begleitprogramm., Schlepper kommen dann eh nach Bonn...…. Wenn diese 10000 vom Dienstag sich auf den Weg machen könnten...…...oder wird dann der Platz auch gesperrt so wie das Maliveld in Den Haag darunter befindet sich ja eine Tiefgarage deren Statik gefährdet ist.

von Heinrich Esser

Aufspaltung in Einzelinteressen

Man kann die Landwirtschaft nicht über einen Kamm scheren, dazu sind die Gebiete zu unterschiedlich. Kleine Betriebe in Bayern, reine Ackerbaubetriebe in den Börden, Viehhaltung im Norden und die Großen im Osten. Da braucht es meiner Meinung nach mehr als einen Interessenvertreter, wenn wir den Strukturwandel stoppen und für bessere Bedingungen kämpfen wollen. Und ich bezweifle, dass es mit einem "Weiter so" getan ist. Daher wäre es gut, wenn die Importstandards an unsere Bedingungen angepasst werden, im Gegenzug kann ein Ausstieg aus den Flächenprämien angegangen werden. Nur befürchte ich, dass höhere Lebensmittelpreise von Politik und DBV leider abgelehnt werden.

von Michael Raffenberg

Hat diese frau schon einmal wirklich mit den betroffenen gesprochen und weiß sie was für eine Stimmung draußen herrscht? Nein, sie plappert nur das nach was ihr der DBV und Co erzählen! Was sie da von sich gibt, ist einfach nur lächerlich und traurig! Aber Hauptsache immer schön weiter so! Die ganze Welt freut sich über beste Qualität zum Ramschpreis! Armes Deutschland kann ich da nur sagen!

von Herbert Platen GbR

„sehr guten“ Vorjahre ?????

36000€ Jahreseinkommen pro Arbeitskraft. Nimmt man, an das wir "nur" 2500 Stunden im Jahr arbeiten ist das ein Stundenlohn von 14,40€ incl. Überstunden, Sonn- und Feiertragszuschläge für Erntearbeiten oder Vieh am Wochenende versorgen. Frau Klöckner, was verdienen den Ihre Ministerienmitarbeiter ?

von Willy Toft

Genau das ist die Bewegung; Land schafft Verbindung!

Nur sollte Frau Klöckner mal das, was sie von sich, in Richtung Landwirtschaft gibt, dass sie an unserer Seite ist, auch mal leben! Die Regierungsfraktionen leiten gerade diesen, von ihr Erzeugten Strukturbruch ein. Wir hören genau zu, Frau Klöckner, tun sie es bitte auch, wenn sie demnächst hoffentlich bald mit uns am Tisch sitzen! Ich spreche hier für alle Landwirtschaftlichen Betriebe, denn eines hat uns diese Demo zur Maiserntezeit gezeigt, wir sind alle von "Ihren Programmen und PAKETEN" betroffen! Keiner will das noch hinnehmen, was da kommt, denn wenn "Musik bestellt" wird, muss sie einer bezahlen, und nicht mit 3 €/ha, wie sie es beim Insekten- Paket vorhaben! Wir verweigern uns nicht, wenn vernünftige Vorschläge, mit Gegenfinanzierung angeboten werden! Das reicht so nicht, der Strukturwandel, der jetzt kommt, den haben sie mit ihrer Regierungskaste zu verantworten, bekennen sie sich auch bitte dazu, alles andere ist Heuchlerisch!

von Ottmar Ilchmann

Realitätsverweigerung

Wenn die Ausrichtung der Agrarpolitik auf Billigproduktion zu Weltmarktpreisen beibehalten wird, die Politik aber weiterhin gleichzeitig die Produktion mit immer mehr Auflagen und Einschränkungen erschwert und verteuert, dann wird Frau Klöckner einen Strukturbruch nie dagewesenen Ausmaßes auslösen. Aber anscheinend sieht sie sich ja auch nach den Protesten am Dienstag immer noch auf dem richtigen Weg.

von Thomas u. Helmut Gahse GbR

Sie hoffe das der große Strukturbruch

nicht komme. Sie tut aber momentan alles dass er kommt. Frau Klöckner beklagt auch die Zersplitterung des Berufstandes, aber Sie handelt nach dem alten Motto "teile und herrsche". Hat Sie diese Herangehensweise in Ihrem Theologiestudium gelernt?

von Hans Merk

Klar - und der Anspechpartner ist der DBV

die uns doch immer so schön vertreten haben , im Interesse der Politik. Es kommt wie immer, schade um den Aufwand der letzten Tage

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