Supermärkte

Klöckner und Merkel wollen mit LEH über Dumpingpreise reden

Supermärkte können heute den Ort, den Umfang oder die Häufigkeit von Lieferungen einseitig ändern. Oder sie nehmen kurzfristig nur die Hälfte der bestellten Ware ab; zum Schaden des Landwirts.

Hähnchenschenkel für 20 Cent pro 100 Gramm sind laut Bundesagrarministerin Julia Klöckner „unanständig“. Davon könne kein Bauer leben, geschweige denn Tierwohlstandards einhalten. Aus diesem Grund werde sie gemeinsam mit Bundeskanzlerin Angela Merkel Handelsvertreter zum Gespräch treffen, sagte die CDU-Politikerin im Tagesspiegel.

Gleichzeitig will Klöckner gesetzliche Möglichkeiten gegen den Verkauf von Billiglebensmitteln stärker nutzen, etwa das Gesetz zum Verbot des Verkaufs unter Einstandspreisen. Wie sie im Tagesspiegel weiter sagte, setze sie zudem große Hoffnung in das Verbot unfairer Handelspraktiken und die Umsetzung einer entsprechenden EU-Richtlinie. Derzeit könne der Handel sogar bei leicht verderblicher Ware Bestellungen kurzfristig stornieren, also statt der 30 georderten Salat-Paletten nur 15 abnehmen, kritisierte Klöckner. Der Landwirt bleibe dann auf dem Rest sitzen und müsse ihn oft wegwerfen.

Supermärkte könnten heute auch den Ort, den Umfang oder die Häufigkeit von Lieferungen einseitig ändern. Oder Erzeuger dafür zur Kasse bitten, dass sie ins Sortiment aufgenommen werden. Das und weiteres will Klöckner untersagen, kündigte sie an.

Ausstieg aus Kükentöten fordert große Anstrengungen

Zum Thema Kükentöten berichtete die Ministerin, dass es „mit viel Anstrengung“ eventuell möglich sei, Ende 2021 auszusteigen. Eher sei dies laut Wissenschaftlern mangels zuverlässiger Alternativen nicht möglich. Auch der geflügelverband hatte zuletzt mehr Zeit zur Umstellung der Brütereien gefordert. Dem Tagesspiegel sagte Klöckner, dass sie beides unter einen Hut bringen wolle: „Zeigen, dass es technisch geht, die Brütereien im Land bleiben und wir nicht etwa Eier aus dem Ausland beziehen, wo man überhaupt nicht das Ansinnen hat, aus dem Kükentöten auszusteigen“, betonte Klöckner. Deutschland nehme hier eine Vorreiter- und Vorbildrolle ein.


Diskussionen zum Artikel

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von Dr. Willi Billau

Ich bin genause erbost wie Ihr alle über schlechte Preise,

ungerechte Spannenverteilung und hohe Auflagen. Aber verurteilt doch nicht die Absicht der Ministerin und der Kanzlerin beim LEH anzubohren! Dieser Weg muss mit allem Nachdruck verfolgt werden, denn oft sind die Verbraucherpreise gar nicht so niedrig! Die Spannen sind zu hoch und ungerecht verteilt. Auf Seiten des LEH wird auch dann noch reichlich verdient, wenn wir Bauern schon feste drauflegen! Hier darf nicht nachgelassen werden!

von Gerd Schuette

Markt hat kein Gewissen. Ergo braucht Markt Regeln, so das wir Landwirte auch wirklich am Markt teilhaben und nicht nur Restgeldempfänger bleiben, die als Dankeschön auch noch den größten Teil des Risikos tragen dürfen. Wenn Frau Klöckner das wirklich ernst ist, dann kann Sie ja mit Umsetzung des §148 für alle Milcherzeuger anfangen. Alle, auch den genossenschaftlich organisierten.

von Robert Sigmund-Wild

Respekt!

hätte ich von Frau Klöckner nicht erwartet, an der Tür der Lebensmittelgroßkonzerne, Discounter und Supermärkte zu klopfen. Ein erster Schritt für eine Idee in die richtige Richtung.

von Willy Toft

Ob es hilft?

Wir kommen nicht umhin einen Deal mit dem Handel einzugehen, um einen fairen Umgang einzufordern, sonst wird sich Europa Stück für Stück aus dem Markt verabschieden! Der Urwald wird es uns nicht danken, den suchen wir dann bald vergebens, und Klimawandel, den gibt es gratis drauf zu!

von Stefan Hezel

war da nicht mal was mit Bundeskartellamt ??????????? Das kind ist schon lange in den Brunnen gefallen Werttbewerb fehlanzeige. Diese über Jahre entstandenen Strukturen wird die Politik nicht mehr ändern. Ich frage mich aber schon was hier eine ` unabhängige` Behörde die letzen Jahrzehnte getan hat?

von Bernhard ter Veen

@Wosnitza

Sie reden von "Gestehungspreisen"... Ihnen ist wohl der Vergleich von den "Unteren 25% und den(immer so verherrlichten besseren) Oberen 25% bekannt - nehm ich einmal an... Von denen sagt der Eine "Ich produziere für pö-a-pö diese Summe... der andere sagt das geht garnicht. Diese Beschönigungspolitik der Besseren 25% kotzt mich an... Sie verhindert das "immer so schön geforderte FAIRE Preise bezahlt werden. ...und bei Hähnchen läuft das ganz anders. Wem gehören denn die Küken die dort eingestallt werden ? glauben sie wirklich das dem Bauern diese gehören ? die Mäster sind doch nur die Bediensteten der uns allen bekannten Hühnerbarone... Systemangehörige. All die andere, sei es Rinder oder Schweinemäster werden von den Schlachthöfen "Vorkosten" aufgedrückt. und diese werden zusehends immer höher. Damit bezahlen WIR als Bauern auch noch deren Kosten. Sei es die Arbeiter oder die Ensorgung der Nebenprodukte und Abfälle. Eine Erhöhung dieser Vorkosten um 1€ /Tier (durchaus üblich) sind bei solchen Durchsätzen schnell mal ein paar Mio. werden wir trotzallem besser bezahlt ??? NEIN ! ...und dann schnabeln einige hier noch von Unlauteren handelspraktiken... Wir sind NICHT am Handel beteiligt.

von Kirsten Wosnitza

Probleme nicht vermischen

Unlautere Handelspraktiken gehören auf den Prüfstand. Dringend. Bleibt dennoch die Frage, für welchen Preis das Hähnchen vom Landwirt an die Schlachtereien und von der Schlachterei an den Handel verkauft wird. Wenn von der Berücksichtigung von Gestehungspreisen gesprochen wird, dann muss dies zuallererst auf der Erzeuger Ebene geschehen. Sonst wird sich die Wertschöpfung für die Landwirte nicht zum positiven verändern.

von Norbert Post

LEH

Warum setzen wir uns für höhere Preise beim Verbraucher ein? Verstehe ich nicht. Wir sind doch nicht für die Margen LEH, Schlachter etc. verantwortlich. Wir sollten uns darum Gedanken machen, wie wir mehr für unsere Produkte bekommen. DIe Preise für Lebensmittel sind in den letzten JAhre stark genug gestiegen, nur das was wir bekommen nicht. Das was wir da machen ist dumm

von Bernhard ter Veen

den Bauern

nützt dieses Geschwafel was dabei rumkommt nichts. Die eigendlichen Verantwortlichen ,eben die Grosshändler, LEH´s, Schlachtunternehmen, Molkereien die das Geld NICHT an die Bauern weiterreichen sind die Verursacher der Gesamtsituation. All diese Institutionen sind NUR auf ihr eigenes Wohl und der zu vertretenden Bilanzen vor deren Aktionären und Genossen erpicht. Und was übrig bleibt nachdem man SICH grosszügigst das eigene Einkommen abzieht ist dann für die produzierenden Bauern. ...wer von denen wird Ihnen wohl Zugeständnisse machen, Frau Klöckner ??? Auslachen werden sie SIE...

von Rudolf Mayer

Wie du mir - so ich dir

Genau so kommt mir das vor. Wir Landwirte versuchen es auf unzählige Art und Weise mit der Politik ins Gespräch zu kommen und werden bisweilen größtenteils überhört oder ignoriert. Genauso wird es ihr beim LEH auch ergehen. Sie geht dort rein, kommt mit dem guten Gewissen raus in dem Glauben vielleicht etwas produktives erreicht zu haben (wollen wir ihr mal unterstellen dass sie es ernst meint) und der LEH treibt es weiter wie bisher.

von Matthias Zahn

Schattenboxen!!!

Aktionismus vorgaukeln und die Bauern für blöd halten, das ist das einzige was mit diesem Gespräch bezweckt wird. Da kann der Handel nix für, wenn zuviel Milch am Markt ist, oder wenn die Produktionsbedingungen und Auflagen in Deutschland soweit nach oben geschraubt werden, dass Milchkühe und Schweine künftig in anderen Ländern stehen. Die beiden wollen nur vom eigenen Versagen ablenken! Liebe Bauern lasst euch nicht für dumm verkaufen!!!!!

von Hans Spießl

Klöckner du bist

das sind Geschäftsleute die werden sicher mit sehr großer "Wahrscheinlichkeit das tun was Frau Minister da will - vielleicht ihr ein wenig zuhören um zu sehen wie krank das alles mittlerweile geworden ist.

von Paul Lieb

Die Wertschätzung

von LEBENSmittel oder auch Nahrungsmittel von Seiten des LEH ist doch die eigentliche Ursache von dem Desaster, vor dem wir Landwirte stehen. Mit finanziell weit gravierenderen Auswirkungen wie die schon bestehenden und auch kommenden Auflagen! Von daher ist es das allerwichtigste, das auch dieses dicke Brett gebohrt wird. Das hat die Ministerin Klöchner schon richtig erkannt und es wäre auch an der Zeit das die LsV den LEH richtig in die Pflicht nimmt und nachdrücklich einfordert, das solche Werbungen wie zur Zeit wieder von LIDL geschaltet werden, im Respekt vor LEBENSMITTEL, zu unterlassen sind. Werbungen die suggerieren, das LEBENSMITTEL, die ja von uns in der Natur aus Pflanzen und Tieren hergestellt werden, billigst verkauft werden können, gehören gesetzlich verboten. Denn durch die billigen Preise geht auch die Wertschätzung, wie sie früher mal vorhanden war, verloren und genau deshalb wird soviel achtlos wieder weggeworfen. Wenn das mit den Klimazielen etwas werden soll, muss erst beim LEH ein Umdenken statt finden, denn nur er hat es in der Hand, wieviel Klima, Tier- und Umweltschutz wir uns leisten können. Der Staat oder die EU wird es nicht können! Und dazu muss dem LEH mir Nachdruck auf den richtigen Weg geholfen werden!!

von Christian Bothe

Gespräche

Das wird lustig und ich bin auf das Ergebnis gespannt...

von Rudolf Rößle

Berbauernmilch

unsere konventionelle Bergbauernmilch unserer Molkerei wurde von Lidl aus dem Sortiment geworfen, weil sie sich zu gut verkaufte und der Kunde zu wenig Bionaturjoghurt konsumierte. So sehen Verkaufsstrategien aus.

von Andreas Thiel

Dem LEH...

Wird's die Sprache verschlagen...Ironie off

von Albert Maier

Die können ...

... sich genau so gut über die Lottozahlen des letzten Samstages unterhalten, da kommt mehr bei raus.

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