Pflanzenschutz

Klöckner will auch Neonikotinoid Thiacloprid verbieten

Der nächste Wirkstoff der Neonikotinoide, Thiacloprid, steht auf der Streichliste. Landwirtschaftsministerin Klöckner will sich auf EU-Ebene für ein Anwendungsverbot einsetzen. Es soll „schnellstmöglich“ umgesetzt werden.

Bundesagrarministerin Klöckner hat sich heute für ein „schnellstmögliches“ Verbot des Neonikotinoids Thiacloprid ausgesprochen. Sie wolle sich auf europäischer Ebene gegen die Wiedergenehmigung und damit für ein Verbot des Wirkstoffs Thiacloprid einsetzen, teilt das BMEL heute Nachmittag mit. In Brüssel gab es dazu am Montag eine erste Erörterung im zuständigen Ausschuss für Pflanzenschutzmittelrechtsetzung. „Der Wirkstoff Thiacloprid gilt nach neuesten wissenschaftlichen und technischen Erkenntnissen als gesundheitlich bedenklich und schädlich für den Naturhaushalt, unter anderem auch für Bestäuber“, begründete Klöckner ihre Entscheidung. Laut der Ministerin verdeutlichen die Risikobewertungen der zuständigen Behörden das Risiko. „Meine Haltung war hier immer klar: Solche Wirkstoffe müssen vom Markt“, sagte sie.

Bereits im vergangenen Jahr hatte Klöckner auf europäischer Ebene für ein Verbot der drei bienenschädlichen Neonikotinoide Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam im Freiland gestimmt. Bis heute hatte sich außerdem darauf bestanden, dass es in Deutschland auch keine Notfallzulassungen bei der Zuckerrübenbeizung dieser Wirkstoffe geben wird. Sie stehe dazu, auch wenn dies in anderen Mitgliedstaaten der EU abweichend praktiziert werde, hatte Klöckner mehrfach wiederholt.

Thiacloprid ist ein Insektizid zur Bekämpfung von Acker- und Obstschädlingen wie Blattläusen und Mottenschildläusen, Blattflöhen, Apfelwicklern und Rüsselkäfern. Zu in Deutschland zugelassenen Produkten gehören unter anderem 'Calypso', 'Lizetan' und 'Biscaya'. Die Mittel werden unter anderem im Raps- und im Obstanbau angewendet. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hatte im Jahr 2016 das Ruhen der Zulassung für bestimmte Anwendungen und insbesondere während der Blüte eine Zeit lang verfügt aber danach wieder aufgehoben. Hintergrund war die zwischenzeitliche Absenkung des Rückstandshöchstgehaltes (RHG) für Thiacloprid in Honig von 0,2 mg/kg auf 0,05 mg/kg, die dann aber auch wieder auf den Ursprungswert zurückgesetzt worden war.

Die geltende Zulassung für den Wirkstoff Thiacloprid läuft noch bis April 2020. Eine Widergenehmigung soll es danach nicht mehr geben, heißt es im Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL). Frankreich hatte die Nutzung von Thiacloprid bereits gemeinsam mit dem Verbot für die drei Wirkstoffe Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam untersagt.

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Diskussionen zum Artikel

von Karlheinz Gruber

Hallo Herr Dressel

langsam glaube ich, außer uns gibt es keine anderen mehr. Nur noch kurz. Ich bin gerade dabei meine Direktvermarktung auf/ auszubauen. Hatte da auch, wie sie schreiben, schon Ideen. Eine wäre gewesen, da bei uns in der Stadt ( 17000 Einwohner) wie wahrscheinlich überall, ziemlicher ... mehr anzeigen

von Peter Dressel

Herr Gruber

Hallo nochmal Herr Gruber, Erstmal vorweg entschuldige ich mich so ausfallend geworden zu sein. Kommentare bei denen man mit Nazionalsozialistischen Zeiten liebäugelt, da platzt mir einfach der Kragen. (..daher der Kommentar Hirn Vernebelt ) Auch ansonsten kann man Mais als ... mehr anzeigen

von Karlheinz Gruber

Herr Dressel

es ist schade, daß Sie mich nicht kennen. Denn sonst würden Sie wissen, daß etliche meiner Bekannten auch in der Bioschiene unterwegs sind, daß ich sehr viel ausprobiere. Dann würden Sie wissen, daß ich sehr viel Öffentlichkeitsarbeit für die LDW (egal ob Bio oder Konv.) mache. ... mehr anzeigen

von

schade, schade, schade

Sachde, dass wir heute nicht mehr zwischen Risiko und Gefahr unterscheiden können. Schade, dass nicht nur Thiachloprid, auch andere Wirkstoffe eher unter politischen Beweggründen vom Markt genommen werden, als aufgrund fachlicher Aspekte. Gegen Pflanzenschutz zu sein, ist envogue. ... mehr anzeigen

von Peter Dressel

@ obermeier @ Gruber

Nun mal langsam. Wer behauptet ich stünde hinter der Politik Grüner Parteien? Das hab ich nirgendwo behauptet. Ich sehe auch,dass Grüne Populismus betreiben, deswegen stelle ich mich lange noch nicht hinter Parteien mit Rechtem Gedankengut. Soviel dazu. Es ist sehr einfach die Welt ... mehr anzeigen

von Juergen Blanke

Wo bleibt die Verhältnismäßigkeit ?

Jedem der sich mit dem Thema befasst ist klar das ohne Insektizide die Weltbevölkerung nicht zu ernähren ist . Es ist auch jedem der sich den Auswirkungen von gut gemeinten Verboten beschäftigt klar ,das vieles solche Folgen hat die langfristig die Umwelt zerstören und genau das ... mehr anzeigen

von Hans Nagl

Leute nur mal so zum Nachdenken.

Wo bleibt in dieser Diskussion über das Verbot von Wirkstoffen die Chemieindustrie .Die halten sich vornehm zurück. Wir die Landwirtschaft machen für die Marketing, und bekommen dann Prügel von der Gesellschaft.

von Paul Siewecke

Raps ohne Insektizide...

funktioniert nur in den kühleren Küstenregionen. Es ist dabei auch ein Glücksspiel, ob es so lange so kühl bleibt, bis der Raps blüht, bevor die Glanzkäfer anfangen zu fliegen... Und wer von den Berufskollegen hat schon so eine "Monte-Carlo-Casino-Mentalität"?

von Walter Rothenbacher

Ein sofortiges Verbot

kann man nur bei den Bauern auflegen. Ein Verbot von Insektiziden hat im Raps einfach die Folge das keinen mehr Angebaut werden kann. Es haben nur wenige Biobauern Raps in der Fruchtfolge. Was ist dann mit den Blühenden Felder, wo holen dann die Bienen ihren Nektar oder Blühten Pollen. ... mehr anzeigen

von Henrik Plaas-Beisemann

Maisanbau

Von Verboten bei Pflanzenschutzmitteln profitiert tatsächlich der Maisanbau. Wir bauen keine Mais an, aber jeder der auch nur ein Bisschen Ahnung vom Ackerbau hat, erschließt sich ziemlich schnell, dass Mais unter dem Verzicht von Pflanzenschutzmitteln am wenigsten Ertragsverluste aller ... mehr anzeigen

von Karlheinz Gruber

Herr Dressel

daß verbiete ich mir doch noch etwas, daß man mir sagt, die Industrielobby wäscht mein Gehirn. Ich bin als Landwirt Unternehmer und sehr wohl in der Lage, auch kompliziertere Zusammenhänge auch in der Natur noch selbst einordnen zu können. Genau so gut könnte Ich Ihnen jetzt ... mehr anzeigen

von Anton Obermeier

Dressel

Die mit Abstand verlogenste Partei sind die Grünen. Wissentlich belügen sie das Volk und betreiben auf Kosten einer Minderheit reinen Populismus. Was die hinter verschlossenen Türen so alles über die Landwirtschaft ablassen will man sich gar nicht vorstellen, denen wird nur leider ... mehr anzeigen

von Hermann Kamm

@peter Dressel

ich möchte nicht wissen ob unsere Altparteien nicht das gleiche machen?

von Peter Dressel

Industrielobbyismus wäscht Hirne

Jetzt Mais anbauen statt Raps. Ganz ganz toller Plan. Find es mitunter ziemlich peinlich was manche Berufskollegen hier von sich geben. Wie rechte Parteien ihr eigenes Volk beklauen hat man ja unlängst erst in Österreich gesehen. Aber scheint bei manchem hier nichtmehr ... mehr anzeigen

von Hans Haid

Rapsanbau wird immer mehr erschwert

Wenn der Wirkstoff Thiacloprid auch noch verboten wird, dann können ja die Biobauern mehr Raps anbauen, damit die Bestäuber überleben können.

von Harald Finzel

Meine Konsequenz: Mais statt Raps

Die derzeitige Rapsblüte ist eine der schönsten Zeiten im landwirtschaftlichen Jahreszyklus. Auch auf meinen Rapsfeldern brummt es aktuell vor lauter Honig- und Wildbienen und allerhand anderer Bestäuber - und das, obwohl ich die Bestände im Frühjahr mit Thiacloprid (Biscaya) ... mehr anzeigen

von Reinhard Matzat

Bye Bye Raps

.

von Wilhelm Grimm

Jeder Unternehmer muss täglich Entscheidungen treffen,

wenn er und sein Betrieb überleben will. In der Politik ist es so lange umgekehrt, bis alle nach dem "Starken Mann" rufen.

von Hermann Kamm

Alles schön langsam verbieten,

damit die Produktionskosten immer weiter steigen! So das die Landwirtschaft in der BRD nicht mehr rentabel ist und Landwirte ihren Job am Nagel hängen. CDU ihr seid nicht besser als SPD und Grüne! ES wird Zeit das die Altparteien UMDENKEN! Ansonsten sind sie nicht mehr wählbar! (...)

von Wilhelm Grimm

Abwägungsprozess

ist für Ministerin Klöckner ein Fremdwort. CDU schleich dich ! So läuft das nicht !

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