Branchengespräch Fleisch

Klöckner will Lockpreise für Fleisch untersagen

Bundesagrarministerin hat sich für eine Tierwohlabgabe auf Fleisch ausgesprochen. Der von der Borchert-Kommission berechnete Zuschlag von 0,40 Euro pro kg sei realistisch.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner will mit wettbewerbsrechtlichen Maßnahmen zu niedrigen Verkaufspreisen für Fleisch einen Riegel vorschieben und auch so ein Mehr an Tierwohl erreichen.

Wie die Ministerin im Anschluss an das „Branchengespräch Fleisch“ am vergangenen Freitag in Düsseldorf erklärte, soll ein Preiswerbeverbot für Fleisch geprüft werden. „Wir wollen damit deutlich machen, wo im Wettbewerb auch aus ethischen Gründen Grenzen gesetzt werden müssen“ heißt es.

Verschärfen will die Bundesministerin dazu auch das Verbot des Verkaufs unter Einstandspreis. Klöckner betonte, dass der Preis für Fleisch und Wurst derzeit nicht den wahren Wert wiedergebe. Fleisch solle nicht zur Luxusware werden, aber auch keine Alltagsramschware.

Der Preisdruck an der Theke werde natürlich bis zum Tierhalter durchgereicht. Deshalb sei es zu kurz gegriffen, nur die Stallhaltung in den Blick zu nehmen. Diese müsse anders werden, und da stelle sich die Frage, wie das finanziert werde. „Und deshalb halten wir auch eine Tierwohlabgabe für notwendig“ betonte Klöckner. Diese müsse europarechtlich klar und sicher sein. Als möglichen Betrag nannte sie die von der Borchert-Kommission berechneten 0,40 Euro pro Kilogramm.

Julia Klöckner

Julia Klöckner lässt ein Preiswerbeverbot für Fleisch prüfen (Bildquelle: Leon Kuegeler)

Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte Kinast wünscht sich ebenfall eine Tierwohlabgabe. Die Landwirte seien bereit, ihre Ställe, ihre Betriebe umzubauen, aber sie könnten das nicht allein schaffen. Dazu brauche es Geld, weshalb man an einer Tierwohlabgabe nicht vorbeikommen werde.

Sonder-Agrarministerkonferenz?

Die nordrhein-westfälische Landwirtschaftsministerin regte zudem eine Sonder-Agrarministerkonferenz (AMK) zu dem Thema an, denn das Umsteuern des Systems müsse von allen demokratischen Parteien mitgetragen werden.

Auch Klöckner betonte, dass es für die Tierwohlabgabe beziehungsweise den Umbau der Tierhaltung einen gesamtgesellschaftlichen, einen breiten überparteilichen Konsens brauche. Dazu werde sie die Partei- und Fraktionsvorsitzenden einladen, denn das sei keine Frage einer Legislaturperiode.

Gebraucht werde eine längere Friedenspflicht; der Landwirt, der seinen Stall für mehrere Hunderttausend Euro oder 1 Mio Euro umbaue, benötige Sicherheit.

Otto-Kinast lobte ausdrücklich das von der Borchert-Kommission vorgelegte Konzept. Danach werde der Umbau jährlich 3,6 Mrd Euro kosten. Gute Vorbilder für eine Tierwohlabgabe sieht die niedersächsische Landwirtschaftsministerin in der Förderung des Ökolandbaus und im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Der Ökolandbau sei mit einer Umstellungs- und Beibehaltungsprämie eingeführt worden; eine Blaupause sei also da.

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Solange immer nur ein Schlachthof geschlossen ist, kommt es nicht zum Stau in deutschen Ställen, sagte NRW-Agrarministerin Heinen-Esser nach dem Branchengespräch am Freitag.

Julia Klöckner hat den Eindruck, dass die Umweltverfechter im Land die Kernaufgabe der Landwirtschaft, die Nahrungsmittelproduktion, oftmals vergessen. Einseitige Forderungen mache sie nicht mit!


Diskussionen zum Artikel

von Klaus Fiederling

Irreale Wunschträume kollidieren massiv mit der Realität

ALDI lässt seinen Worten Taten folgen und prospektiert diese Woche unter einer „XXL-Aktion“ Hähnchen-Oberschenkel mit Rückenstück zum Braten, Grillen oder für die Suppe zum sagenhaften Preis von 4,49 € in der 2-kg-Packung (kg-Preis 2,25 €). Im vergangenen Jahr wurden lt. ... mehr anzeigen

von Renke Renken

Super Kommentar,

dem ist nichts hinzuzufügen am Ende hat man als Landwirt nur noch die Schnauze voll von diesen ganzen Scheiß, aber immer schön top agrar lesen, da steht dann, wie man doch unter Schmerzen noch wieder weiter kommt

von Bernhard Klein-Schmeink

Klöckner will Lockpreise für Fleisch untersagen

Ich habe noch keinen Politiker gehört der sagt,Grenzen schließen für alle Produkte die nicht zu gleichen Bedingungen erzeugt werden wie bei uns. Man kann die ganzen Sonntagsreden nicht mehr hören die machen krank.

von Renke Renken

Diese ganze

Bewerberei bei Lebensmitteln mit "Preiskracher, Dauerniedrigpreis usw." gehört verboten, in unserer Sonntagszeitung liegen jede Woche zig Seiten Papier, die nur Lebensmittel mit günstigsten Preisen bewerben, und solange der Verbraucher die Discounter der Reihe nach bereist, um überall ... mehr anzeigen

von Christian Bothe

Verbot?

Wer und warum soll man das verbieten? Der Kunde hat‘s doch selbst in der Hand...

von Steffen Hinrichs

Die Tierwohlabgabe muß dann zu 100% auch beim Bauern ankommen !!!

Warum nur bei Fleisch einen Verkauf unter Einstand verbieten ?! Was ist mit der Weidehaltung bei Kühen ,soll jetzt alles nur in Ställe finanziert werden !

von Stephanie Winhard

Weidehaltung...

wird mittelfristig keinen Sinn mehr machen, weil ein vernünftiges Wolfsmanagement konsequent verweigert wird.

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