Interview

Klöckner: „Wunschkonzerte mach‘ ich nicht mit“

Julia Klöckner hat den Eindruck, dass die Umweltverfechter im Land die Kernaufgabe der Landwirtschaft, die Nahrungsmittelproduktion, oftmals vergessen. Einseitige Forderungen mache sie nicht mit!

Zum 1. Juli übernimmt Deutschland die EU-Ratspräsidentschaft. Im Gespräch mit dem Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben betonte Bundesagrarministerin Julia Klöckner den Wunsch nach einem starken Agrarbudget. „Corona hat uns gelehrt, dass wir in Europa die Eigenversorgung und die heimische Produktion nicht vernachlässigen dürfen. Es muss sich für die Bauern rechnen, wenn sie zusätz­liche Anforde­rungen erfüllen.“

Sie stellte aber auch klar: „Wunschkonzerte von der Umweltseite bei begrenztem Budget und einseitig zulasten der Landwirte – die mache ich nicht mit.“ Klöckner hat nach eigener Aussage manchmal den Eindruck, dass in den gesellschaftlichen Debatten vergessen wird, was die Kernaufgabe unserer Landwirtschaft ist: Nahrungsmittel zu produzieren, nicht Landschaftspflege zu betreiben. Lose Sammlungen von Anforderungen aber, die sich doppeln oder gar widersprechen, würden den Landwirten keine Orientierung bieten – im Gegenteil.

Lesen Sie hier das ganze Interview…

K O M M E N T A R

Corona-Impulse für die EU

Die anstehende Ratspräsidentschaft fordert Deutschland - durch Corona noch mehr. Nicht nur in den Verhandlungen zur Gemeinsamen Agrarpolitik bietet das die Chance, Impulse zu geben. Ein Kommentar von Patrick Liste vom Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben:

Patrick Liste

Patrick Liste, Stellvertretender Chefredakteur (Bildquelle: B. Lütke Hockenbeck)

Finanzkrise 2008, Fukushima 2011, Flüchtlingskrise 2015: Bundeskanzlerin Angela Merkel kann Krisen. 2020 ist Corona-Krise – und Deutschland übernimmt am 1. Juli für sechs Monate die EU-Ratspräsidentschaft.

Für viele Deutsche sind Brüssel und das europäische Politikgebaren weit weg. Doch es könnte auch für sie ein glücklicher Zufall sein, dass Deutschland jetzt stärker gefordert ist. Denn Merkels nüchterner, aber pragmatischer Politikstil ist vor allem in schwierigen Zeiten effektiv. Das kann bei der Bewältigung der Corona-Pandemie helfen. Und bei weiteren Brennpunkt-Themen der EU: Reform des Asylsystems, US-amerikanischer Truppenabzug, künftige Beziehung zu Großbritannien und der endlose Streit ums Geld.

Planungssicherheit nötig

Nicht alles lässt sich bis Silvester abarbeiten. Deutschland muss aber unbedingt die Verhandlungen über den Mehrjährigen Finanzrahmen für 2021 bis 2027 abschließen. Die Chancen stehen gut. Es könnte sogar mehr Geld geben. Das wäre ein starkes Signal für Europa. Zudem gibt es endlich Planungssicherheit – auch für Landwirte. Sie müssen wissen, wie hoch der künftige Agraretat ist. Und, wie viel Geld in die Erste sowie Zweite Säule fließt bzw. an welche Bedingungen das Geld jeweils geknüpft ist.

Die Vorstellungen darüber liegen noch weit auseinander. Einige Akteure wollen offenbar durch die Hintertür gängige Produktionsmethoden zügig verbieten. Harte und langwierige Debatten sind vorprogrammiert. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner wird die Verhandlungen zur künftigen Gemeinsamen Agrarpolitik daher kaum abschließen. Aber sie kann Akzente setzen und Forderungen erden. Zwei Beispiele:

  • Deutschland fährt die Auflagen hoch und die Tierbestände runter, andere EU-Länder machen es umgekehrt. Hier muss es eine einheitliche Linie geben – und Importbeschränkungen für Produkte aus Drittländern, die nicht nach EU-Standards entstanden sind. Zudem kann Deutschland die Debatte über die Gegenfinanzierung höherer Tierwohlstandards auf die EU ausrollen.
  • Der Green Deal mit der Farm-to-Fork- sowie Biodiversitätsstrategie setzt ehrgeizige Ziele: 50 % weniger Pflanzenschutz sowie Antibiotika, 20 % weniger Dünger und 25 % Öko – bis 2030. Es sind nur Vorschläge, mit denen Bundesumweltministerin Svenja Schulze aber sicherlich gut leben könnte. Julia Klöckner betont im Wochenblatt-Interview hingegen, dass Nahrungsmittelproduktion die Kernaufgabe der Landwirtschaft ist, nicht Landschaftspflege. Zusätzliche Auflagen müssten sich rechnen. Das ist richtig. Und dafür muss sie Verbündete finden.

Die Ratspräsidentschaft fordert Deutschland – durch Corona noch mehr. Aber das bietet die Chance, Impulse zu geben.


Diskussionen zum Artikel

von Gregor Grosse-Kock

Fr Klöckner

Wir werden Psychisch und Physisch gequält durch ständig anhaltende falsche Behauptungen gegen Landwirte, hinzu kommt die kalte Enteignung durch die Nitratlüge (Messbrunnen und deren Interpretation) und Insektenschutzgesetz, Tierhaltungsreform u.s.w. Bitte Merke: Ideologie ist für ... mehr anzeigen

von Ahrend Höper

Das "Wunschkonzert"

für unsere doch so musikalische Weinkönigin wird vom NABU im BUM Ministerium komponiert und dieses Konzert wird von der Solistin S. Schulze vorgesungen! Auf Geheiß von "Oben" wird die Weinkönigin fleißig Beifall klatschen und noch Zugabe verlangen! Die konventionellen Landwirte ... mehr anzeigen

von Michael Prantl

Frau Klöckner

Wie lange wollen Sie die Landwirte noch für Dumm verkaufen - nehmen Sie Ihren Hut und treten ab - für Sie ist wichtig Ihr eigener Geldbeutel, wie einem Landwirt nach dem anderen die Luft zum Landwirt bleiben genommen wird merken Sie doch gar nicht.

von Josef Doll

Wunschkonzerte gibt es

Aber ändert das das die Grünen 20 % bei der nächsten Wahl einfahren werden . Wenn wieder 6 Parteien in den Bundestag kommen gibt es kein weg an den Grünen vorbei. An eine echte Grünen , SPD und Links Koalitionsregierung mag ich gar nicht denken !!

von Jürgen U. Elke Dippel GbR

O

Die Glöckner verarscht uns doch alle,die macht doch nur das was ihr aufgetragen wird alles andere ist der doch voll egal,so wie der Vorgänger Schmidt und ihr läuft der Klöckner noch hinterher die scheißt doch auf Landwirtschaft die macht nur ihren Job ob gut oder schlecht ,egal Geld ... mehr anzeigen

von Josef Doll

Wunschkonzerte gibt es

immer nur in der Richtung das die Landwirtschaft einzuhalten hat was uns meist zuerst irgendwelche NGOs , dann die Grünen mit ihrem Gefolge der relevanten öffentlichen / und Spiegel , Stern Journalisten die aus allem das heraussuchen die ihre Klientel in Ruhe lassen aber Ddiiieee ... mehr anzeigen

von Richard Huber

Egal was im momentanen Aktionismus beschlossen wird,

alle Auflagen müssen für sämtliche Importwaren auch gelten. Nur dann wird die Landwirtschaft in Deutschland überleben. Wenn weiterhin Fleisch aus Ländern importiert wird deren Produktionsbedingungen deutlich schlechter sind als bei uns wird diese jetzige Kampagne gegen die ... mehr anzeigen

von Rudolf Rößle

Wenn

wir die Auflagen nicht stemmen können, wie soll das in der Welt dann klappen ?

von Jochen Böhrer

große Worte

Oje, die Frau Klöckner. Man wird an TATEN gemessen.. nicht an Worten. Und bis jetzt hat sie sich noch fast jedesmal von NABU-Schulze über den Tisch ziehen lassen.

von Klaus Fiederling

Alles, was gegen die Natur ist, hat auf Dauer keinen Bestand. (Charles Darwin)

Unsere Landwirtschaft muss die Grundversorgungssicherheit von Nahrungsmitteln gewährleisten, OHNE(!!!) dass die Bauern jedoch von ihrer eigenen Hände Arbeit leben, geschweige denn ihre Betriebe zukunftsfähig fortentwickeln können. Solange wir fortwährend vom intensivmedizinischen ... mehr anzeigen

von Berthold Lauer

"Unsere Landwirtschaft muss die Grundversorgungssicherheit von Nahrungsmitteln gewährleisten" Genau das stelle ich mittlerweile immer mehr in Frage! Wo steht das geschrieben, in welcher Verordnung steht das drin??? Wir glauben dazu verpflichtet zu sein und man lässt uns gerne in ... mehr anzeigen

von Volker Grabenhorst

"Wunschkonzerte mache ich nicht mit"

sie ist ja schließlich Svenja Schulzes Marionette, und tanzt nur nach deren Pfeife

von Wilhelm Grimm

Ministerin Klöckner ist bisher immer eingeknickt !

Warum sollte sich das plötzlich ändern ? Aus vielen Gesprächen mit jungen Landwirten weiß ich, dass diese die netten Worte, denen dann das Gegenteil folgt, leid sind. Aber nicht nur das, sie lehnen unser Staatswesen ab, machen ihr eigenes Ding und halten sich an "Goetz von Berlichingen".

von Gerd Uken

Wie war das noch wir sind Systemrelevant

Wir müssen aber für unter Gestehungskosten produzieren u. das schon jahrelang....... nur durch GAP Gelder kann man unsere Familienbetriebe nicht halten. Es findet gerade wieder ein Ausverkauf statt. Wunschkonzert da mischt sie ja fröhlich mit z. B. Fleischsteuer Kontra ... mehr anzeigen

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