DBV-Situationsbericht

Knapp 60 % der Flächen in Deutschland verpachtet

Je nach Region sind die Pachtflächen bei Neuverträgen deutlich teurer geworden. Rein statistisch liegen bislang nur die Vergleiche aus der Agrarstrukturerhebung 2016 vor.

58,5 % der Flächen in Deutschland waren bis 2016 verpachtet. Das geht aus der damaligen Agrarstrukturerhebung hervor, die alle drei Jahre stattfindet.

Wie der DBV dazu in seinem aktuellen Situationsbericht schreibt, lag die Durchschnittspacht für die insgesamt 9,8 Mio. ha Pachtland bei 288 Euro je Hektar. Das sind gegenüber der vorangegangenen Erhebung aus 2013 45 Euro oder 19 % mehr. Damit sind die Pachtausgaben der deutschen Landwirtschaft von 2,4 Mrd. Euro 2013 auf 2,8 Mrd. Euro 2016 angestiegen. Wird die Eigentumsfläche der Landwirte mit dem kapitalisierten durchschnittlichen Pachtpreis multipliziert, beläuft sich der Bodenkapitalstock der deutschen Landwirtschaft auf 34,3 Mrd. Euro, so der Verband.

Beachten Sie: Es handelt sich um statistische Durchschnittswerte laufender Pachtverträge, je nach Region können neue Verträge bis an 1.500 Euro/ha heranreichen.

Tabelle

Verhältnis von Pacht- zu Bodenpreisen (Bildquelle: DBV)

Landwirtschaftlicher Pachtmarkt unterliegt vielfältigen Einflüssen

Die Pachtausgaben der Landwirte haben sich mit 2,8 Mrd. Euro (2016) seit 1992 verdoppelt. Sie orientieren sich offensichtlich vornehmlich an den Renditen und sind damit auf verbesserte Bodenfruchtbarkeit, höhere Erlöserwartungen, Flächenknappheit durch Flächenverbrauch und Ausgleichsflächen sowie auf Notwendigkeiten zur Wirtschaftsdüngerverwertung zurückzuführen, so der DBV in seinem Bericht weiter.

Auch die Renditeerwartungen von außerlandwirtschaftlichen Investoren dürften eine Rolle spielen. Der Einfluss landwirtschaftlicher Direktzahlungen und ein „Durchreichen“ an die Verpächter der Flächen spielt dagegen im Bundesdurchschnitt offensichtlich nur eine untergeordnete Rolle.

Die landwirtschaftlichen Direktzahlungen betragen 4,8 Mrd. Euro (2018) und sind im langjährigen Vergleich rückläufig. Der stetige Anstieg der Pacht- und Bodenpreise hat sich gegenläufig und unabhängig davon entwickelt. Zudem entfallen von den 4,8 Mrd. Euro 2,0 Mrd. Euro auf die Eigentumsflächen der Landbewirtschafter.

Tabelle

Pachtpreisentwicklung (Bildquelle: DBV)

Hohe Pachtpreissteigerungen

Stärker als die Durchschnittspachten sind die Preise für Neupachten (Pachten in den letzten zwei Jahren) angestiegen. Im Bundesdurchschnitt sind die Neupachten zwischen 2013 und 2016 von 313 auf 385 Euro je Hektar angestiegen (plus 23 %). Die regionalen Unterschiede sind groß. Mit um die 600 Euro je Hektar überdurchschnittlich hoch lagen die Neupachtpreise 2016 in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Zwischen 185 und 248 Euro je Hektar waren es dagegen entsprechend in den Bundesländern Brandenburg, Sachsen, Thüringen und Hessen. Aber auch innerhalb der Bundesländer sind die Unterschiede groß.

Große regionale Unterschiede

Die Preise für Neupachten waren 2016 im Bundesdurchschnitt für Ackerland (430 €/ha) fast doppelt so hoch wie für Grünland (234 €/ha). Mit fast 700 Euro je Hektar wurden 2016 die höchsten Ackerland-Pachtpreise in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen gezahlt. Um die 200 Euro je Hektar waren es dagegen in Brandenburg und Sachsen.

Die Pachtpreise für Neupachten bei Grünland differieren zwischen 350 Euro je Hektar in Schleswig-Holstein und gut 100 Euro je Hektar in Sachsen, Thüringen und Hessen.

Zwischen 2013 und 2016 sind die Neupachtpreise bei Ackerland um 25 % und bei Grünland um 17 % angestiegen. Allerdings fallen die Entwicklungen in der Betrachtung nach Bundesländern unterschiedlich aus. In Nordrhein-Westfalen, Hessen und Sachsen zum Beispiel haben sich Neupachtpreise für Grünland kaum verändert. Am stärksten angezogen waren die Neupachtpreise für Ackerland in Sachsen-Anhalt, Thüringen und Rheinland-Pfalz.

58,5 % der Agrarflächen sind gepachtet

Der Boden wird im Verhältnis von 39,6 % Eigentumsflächen zu 58,5 % Pachtflächen genutzt. Die übrigen 1,9 % Flächen haben die Landwirte nach den zuletzt aus der Agrarstrukturerhebung 2016 vorliegenden Ergebnissen unentgeltlich zur Bewirtschaftung erhalten. Aufgrund der historischen Entwicklung gibt es regionale Unterschiede, insbesondere zwischen den neuen und alten Bundesländern. Im früheren Bundesgebiet befanden sich 2016 54 % der landwirtschaftlich genutzten Fläche in Pacht und 44 % in Eigentum. In den neuen Bundesländern sind dagegen 67 % in Pacht und 31 % in Eigentum. Hier sind die in der Bewirtschaftung befindlichen Eigentumsflächen zwischen 2013 und 2016 um 3 Prozentpunkte angestiegen.


Die Redaktion empfiehlt

Acker- und Grünland werden nach wie vor immer teurer. Das Statistische Bundesamt berichtet für 2018 aber von einem langsameren Anstieg.


Diskussionen zum Artikel

von Eckhardt Koch

Alle warten.....

Alle warten nur darauf, daß einer stirbt und sie die Flächen bekommen. Selbst schuld, wer so denkt. Wer nicht so denkt hat auch den Horizont erreicht in andere Gewerbe zu investieren. Also mal darüber nachdenken.

von Rudolf Rößle

Pachtflächen

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von Klaus Fiederling

Die Bauern sollen "buckeln" bis der Arzt oder Bestatter kommt!

Das ist das, was unseren Verband so unentbehrlich macht, mit dem Prädikat „ überaus wertvoll“ auszuzeichnen. Eine solch wichtige Kenngröße wird lapidar aus dem Jahr 2016 zur Bewertung herangezogen. Welcher Antragsteller muss nicht auf den Quadratzentimeter genau seine ... mehr anzeigen

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