Green Deal

Konkrete Ziele für die Landwirtschaft kommen erst im Frühjahr 2020

Wie sollen in der Landwirtschaft Treibhausgasemissionen zurückgefahren werden? Antworten darauf will die EU-Kommission mit der "Farm to Fork"-Strategie im Frühjahr 2020 vorlegen.

Der am Mittwoch von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen vorgestellte „Pakt für Nachhaltigkeit“ oder Europäische Green Deal sieht die Land- und Forstwirtschaft als wesentlichen Wirtschaftsbereich zur Reduzierung der Treibhausgase an.

Welche umweltpolitischen Leistungen zum Klimaschutz und der Verwirklichung des Zieles einer klimaneutralen Kontinents Europa bis 2050 die europäischen Bauern erbringen soll, wird die Brüsseler Behörde erst im Frühjahr 2020 präzisieren.

Im fünfseitigen Anhang zur Mitteilung des europäischen Green Deals wird die Vorlage einer Strategie „Vom Hof auf den Tisch“ (From Farm to Fork“) angekündigt. So sollen für den Green Deal Maßnahmen in der Landwirtschaft vorgesehen werden, die insbesondere die Umweltbelange in der Gemeinsamen Agrarpolitik einzubeziehen.

Dabei soll die Strategie `Vom Hof auf den Tisch` wie es im Begleittext wörtlich heißt: „legislative Maßnahmen zur deutlichen Verringerung des Einsatzes und des Risikos chemischer Pestizide“ einschließen.

Norbert Lins, Vorsitzender des EP-Agrarausschusses, fordert von Von der Leyen beim Green Deal Planungssicherheit für die europäischen Landwirte. "Ich begrüße es sehr, dass Frau von der Leyen einen ausbalancierten, anspruchsvollen, aber auch realisierbaren Plan vorgelegt hat“. Bei aller Ambition dürften allerdings keine bereits vereinbarten Ziele abrupt geändert werden. Planungssicherheit ist das A und O für das fortgehende Engagement aller Sektoren.

„Bei der Reduzierung von Treibhausgasemissionen ist mir besonders wichtig, dass nicht nur Reduzierungs- sondern auch Speicherungspotentiale optimal genutzt werden. Die Land- und Forstwirtschaft ist der einzige Sektor, welcher Kohlenstoff binden kann. Deshalb kann wirksamer Klimaschutz nur mit der Landwirtschaft passieren“, unterstrich Lins..

Um das volle Potential auszuschöpfen, brauche neben einer Aufforstungsstrategie aber auch Anreize für ein nachhaltiges und aktives Forst- und Landmanagement, so Lins.

Norbert Lins: „Nachhaltiger Pflanzenschutzmitteleinsatz ist die Zukunft"

"Positiv bewerte ich den ersten Aufschlag zur "Farm to Fork"-Strategie. Wir müssen die Art, wie wir produzieren und konsumieren, überdenken. Ich setze mich allerdings gegen eine Auflagenflut ein. Wir brauchen eine Balance zwischen nachhaltigerer Nahrungsmittelproduktion und Einkommensstabilität für die Landwirtschaft in Europa".

Nachhaltiger Pflanzenschutzmitteleinsatz sei die Zukunft. Dafür brauche es verstärkter Forschungsanstrengungen und Innovation in Digitalisierung und alternativen Methoden. „Ein Reduzierungsziel um des Zieles Willen ist an der Stelle nicht hilfreich. Dieses muss sinnvoll ausgestaltet und dabei die richtigen Anreize gesetzt werden. Ich begrüße deshalb die von der EU-Kommission beabsichtige Folgenabschätzung, bevor eine konkrete Zahl vorgeschlagen wird.", erklärte Lins.

Ulrike Müller: „Nachhaltigkeit von Lebensmitteln nicht nur Verantwortung der Landwirte"

Die Europaabgeordnete von RenewEurope, Ulrike Müller, vermisst eine deutliche Lebensmittelstrategie für die Zukunft „Unter dem Stichwort “Farm to Fork” habe ich eine umfassende Strategie für nachhaltige Lebensmittel erwartet“. Angesichts dieses Erwartungshorizonts falle der Green Deal bisher noch zu einseitig aus.

"Nach dem Stand heute kommt die Strategie bisher nicht über die Farm hinaus. Bisher sehe ich nur zusätzliche Verpflichtungen für Landwirte”, erklärte Müller in Brüssel.

Müller vermisst ferner Vorschläge zur Praxistauglichkeit dieser Auflagen für die Landwirte sowie weitere Schritte in der Lieferkette. Nachhaltigkeit von Lebensmitteln sei nicht nur eine Frage der Produktion, sondern auch der Verarbeitung, des Handels und der Verbraucherinformation. “Den Weg bis zur Gabel müssen Sie noch ergänzen, Frau von der Leyen”, appelierte Müller.

Sven Giegold: „Industrielle Landwirtschaft ist ein Hauptverursacher der Klimakrise und des Artensterbens."

Für den grünen Europaabgeordneten Sven Giegold bleibt die Green-Deal Mitteilung im Ansatz stecken und lasse klare Ziele in der Landwirtschaftspolitik bisher vermissen.

„Ein Green Deal ohne eine neue Agrar- und Handelspolitik ist unglaubwürdig. Der Green Deal verdient seinen Namen nur, wenn alle Wirtschaftsbereiche, die erheblichen Einfluss auf Klima und Umwelt haben, miteinbezogen werden".

Die industrielle Landwirtschaft sei ein Hauptverursacher der Klimakrise und des Artensterbens. Die EU-Agrarpolitik müsse daher grundlegend reformiert werden. „Ein Weiter-So bei den Agrarsubventionen darf es nicht geben. Wenig Hoffnung macht, dass von der Leyen den Plan einer Halbierung des Pestizideinsatzes bis 2030 nach einem Aufschrei der Pestizidhersteller und der Bauernverbände anscheinend schon wieder kassiert hat“, erklärte Giegold.

Neben der industriellen Landwirtschaft treibe die Handelspolitik der EU die Treibhausgasemissionen nach oben. Freihandelsverträge müssten in Zukunft daher zu sinkenden Emissionen führen, forderte Giegold.


Diskussionen zum Artikel

von Wilhelm Wackler

Industrielle Landwirtschaft

Und wieder versucht ein Grüner die Bauern als Hauptveantwortliche für das Artesterben und den Klimawandel hinzustellen. Wann hören diese Lügen endlich auf ? Was ist denn industrielle Landwirtschaft ? Die sollen es mal definieren und dann mit der Hacke vornewegmaschieren. Wir können ... mehr anzeigen

von Gerd Uken

Ich habe heute Abend Herrn Althusmann gehört

1. seiner Aussage nach kann er dem Agrarpaket so nicht zu stimmen. 2. Messstellen müssten noch mal neu überprüft werden- er vergaß zu erwähnen das jedes Jahr die Ergebnisse von den 1200 Messstellen nach Hannover gemeldet wird und alle 4 Jahre nach Brüssel. Irgendetwas stimmt da ... mehr anzeigen

von Willy Toft

Das wäre schon mal eine Ansage, denn es gibt noch viel zu tun!

Vor allem das ganze Gepokere um PSM und DüV, sollte dann in die richtige Richtung gehen! Wir machen vieles mit, es sollte nur honoriert werden, dafür stehen wir, sprecht mit uns, wir kommen auch noch nach Brüssel, wenn es sein muss!

von Martin Krautter

Weltmarkt

Es bedarf zuerst, dass man nur noch solche Lebensmittel in der EU verkaufen darf, welche auch noch EU-Recht produziert wurden. Das heißt ohne Hormone, ohne GVO, keine Pflanzenschutzmittel und Medikamente welche in der EU nicht zugelassen sind. Zudem noch nach deutschen Tierrecht ... mehr anzeigen

von Rudolf Rößle

Vertuschung

klare Auflagen dann auch für die Ernährungsindustrie. Von der ganzen Welt werden Zutaten eingekauft ohne fairen Handel. Wie oft werden Rückstellungsmuster gezogen und analysiert. Stimmt der Lieferschein und die Herkunft?

von Heinrich Esser

Green Deal

Ich sehe das Ganze positiv. Wenn die EU es ernst meint mit dem Klimaschutz und tatsächlich Steuern auf den Transport aus Nicht-EU-Ländern erhebt, wäre das schonmal gut für die Landwirte hier. Denn die wahren Kosten der Billigproduktion in Südamerika und Asien würden dann endlich ... mehr anzeigen

von Hermann Kamm

Hat Ursula ein Pfeifchen geraucht?

Die sind doch allesamt nicht mehr ganz sauber!!!!!

von Jürgen U. Elke Dippel GbR

Die Politik soll ganz klar sagen ob Landwirtschaft noch erwünscht ist

von Andreas Gerner

Mit offenen Karten spielen!

"Farm to Fork" klingt schön harmlos. Ursula und ihre Berater sollten sich mal Gedanken machen, wie man sinnvoll Politik macht, statt nur, wie man Schwachsinn hübsch verpackt. Seid doch wenigstens so ehrlich, und nennt das Maßnahmenpaket für die Landwirtschaft so wie es ist. Ursula, ... mehr anzeigen

von Andreas Gerner

Hey aufwachen!!!

Es gibt nur eine EINZIGE Möglichkeit, CO2 aus der Atmosphäre zu holen, nämlich PFLANZENWACHSTUM. Das darf nicht mit Beschrnkungen beim Pflanzenschutz- und Düngereinsatz und der Flächennutzung zurückgefahren werden. Und was bringt das dem Klima, wenn unsere Nahrung, die wir ... mehr anzeigen

von Christian Bothe

Green Deal

Wieder so eine unsinnige Argumentation von den Grünen zur industriellen LW und überhaupt. Ich möchte wissen,was die Grünen "fressen wollen", wenn 10 Milliarden Menschen zu ernähren sind und von einer effektiven LW nichts mehr übrig ist! Glauben die wirklich an solchen Unsinn? Von ... mehr anzeigen

von Gerd Uken

Wie war das noch

Manche haben ganzen Bretterzaun.... 2050 bin ich in Rente dann sollen unsere Nachkommen das regeln...... Seit 1992 geht’s sowieso nur noch?-:)

von Sonja Rimböck

Die Klimaschäden sind in den Hauptstädten schon klar erkennbar.Die Gehirnmasse ist schon auf fast Null geschrumpft .Rimböck Alfons

von Renke Renken

Die haben nicht mehr

alle Latten am Zaun ...........

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