top agrar-Serie

Kooperationen in der Landwirtschaft: Partner oder Einzelkämpfer?

Kooperationen in der Landwirtschaft haben oft mehr Vor- als Nachteile. Trotzdem kommen sie nicht für jeden infrage. Mit unserer Serie geben wir Ihnen Tipps für Ihre Entscheidung.

Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland sinkt kontinuierlich. Betriebsformen, für die das jedoch nicht gilt sind Gesellschaften. Ob GbR, GmbH oder KG, ihre Zahl steigt. Das Thema ist keinesfalls nur etwas für große Konzerne. Betriebe verschiedenster Größe können von Kooperationen profitieren und sich damit für die Zukunft ein Stück weit besser aufstellen. Zudem hat das Thema in diesem Jahr zusätzlich Relevanz gewonnen. Im Zuge des Jahressteuergesetzes 2020 wurde die Pauschalierung auf Betriebe mit weniger als 600000 € Umsatz im Jahr begrenzt. Vielen Landwirten droht der Wechsel in die Regelbesteuerung. Daher stellt sich die Frage, wie sie sich aufstellen können, um unter der Umsatzgrenze zu bleiben. Die Ausgliederung von Betriebszweigen auf gesonderte Gesellschaften bekommt so eine völlig neue Bedeutung. Trotz der Chancen, will ein solcher Schritt aus betrieblicher und menschlicher Hinsicht gut überlegt sein. Zu beachten sind Aspekte wie: die richtige Rechtsform, Partnerwahl, steuerliche Gesichtspunkte, aber auch die Auflösung einer Kooperation sollten von Anfang an mitgedacht werden. In unserer top agrar-Serie bekommen Sie in all das Einblicke. Los geht es mit den Möglichkeiten. Wir stellen Beispiele vor und erklären ihre Vor- und Nachteile.

Ein bunter Strauß an Möglichkeiten

Bevor es an die Details geht, sollten Sie sich zunächst klar machen, wie viel Autonomie Sie bereit sind aufzugeben. Sie verzichten vielleicht auf Flexibilität, aber es eröffnen sich auch neue Möglichkeiten.

Egal was der Anlass ist, für alles gibt es eine passende Kooperationsform. In Übersicht 1 sind unterschiedlichste Optionen aufgelistet und nach Grad der betrieblichen Integration geordnet. Ganz links sind die losen Formen der Zusammenarbeit dargestellt. Sie eignen sich, wenn die beteiligten Landwirte noch sehr reserviert der Zusammenarbeit gegenüberstehen und nur ungern ihre Unabhängigkeit verlieren wollen. Denn es gilt, je enger die Zusammenarbeit, desto besser müssen die involvierten Menschen im Team arbeiten. Insbesondere Landwirte, die sich bisher eher als Konkurrenten gesehen haben, sollten eine losere Zusammenarbeit als ersten Einstieg versuchen. Das Risiko bleibt überschaubar, und wenn es gut klappt, kann man die Kooperation vertiefen. Vertragslösungen stellen die loseste Form der Kooperation dar. Die folgenden zwei fiktiven Beispiele geben Einblicke.

Beispiel Färsenaufzucht: Landwirt Meyer hat nach Wegfall der Milchquote die Anzahl der Kühe erheblich aufgestockt, stößt aber mittlerweile an die Grenzen seiner Gebäudekapazitäten. Da auch die Grundfutterfläche knapp wird, entschließt er sich, die Färsenaufzucht auszulagern. Meyer beauftragt hiermit den Landwirt Bolte, der nach Aufgabe der Milchviehhaltung genügend freie Arbeitskapazitäten hat und ohnehin eine sinnvolle Verwertung für sein Grünland sucht. Meyer stellt Bolte die für die Nachzucht geeigneten Jungtiere zur Verfügung. Bolte übernimmt die komplette Betreuung der Jungtiere bis kurz vor dem Abkalben. Abgerechnet wird die Färsenaufzucht nach der von Bolte erbrachten Arbeitsleistung einschließlich Stallpacht, Grünlandnutzung und weiterer Produktionsfaktoren.

Beispiel Vertragsanbau: Da Meyer im Zusammenhang mit der Ausweitung der Milchviehhaltung auch nicht mehr über genügend Anbauflächen für Silomais verfügt, bietet er dem Ackerbauern Albrecht einen Vertragsanbau für Silomais an. Albrecht bereitet das...