KWS verlagert Gentechnik-Forschung in die USA

Mit KWS verlagert das letzte deutsche Unternehmen die Forschung mit gentechnisch veränderten Pflanzen nach St. Louis. Nachdem schon vor fast drei Jahren BASF und zuvor bayer CropScience ihre Pflanzengenetiker nach Amerika versetzt hatten, ist Deutschland nun auch, was die angewandte Forschung betrifft, „gentechnikfrei“

iMit KWS verlagert das letzte deutsche Unternehmen die Forschung mit gentechnisch veränderten Pflanzen nach St. Louis. Nachdem schon vor fast drei Jahren BASF und zuvor bayer CropScience ihre Pflanzengenetiker nach Amerika versetzt hatten, ist Deutschland nun auch, was die angewandte Forschung betrifft, „gentechnikfrei“, berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung. In den USA ist das Unternehmen aus Einbeck dagegen willkommen, ist KWS hier doch im Markt um GVO-Rüben eine große Nummer.
 
Die KWS Saat AG, die trotz abgeflauter Agrarkonjunktur einen leicht auf 1,2 Mrd. Euro gestiegenen Jahresumsatz meldete, erwirtschaftete etwa ein Drittel davon mit genveränderten Pflanzen. Es liegt auf diesem Feld gleichwohl hinter Monsanto, Bayer, Syngenta und Pioneer um Jahre zurück und muss von diesen viel Geld für Lizenzgebühren zahlen, berichtet die Zeitung. Dennoch ist die Forschung ein Milliardengeschäft: Etwa die Hälfte des Preises für Maissaatgut in den USA zahlt der Farmer für die sogenannten Traits – Resistenzeigenschaften etwa gegen Insekten oder Pestizide.
 
Saatgutunternehmen investieren relativ zum Umsatz etwa so viel Geld in die Forschgung wie Pharmakonzerne, so die FAZ weiter. KWS hat bislang nur eine Resistenz gegen Glyphosat entwickelt. Die in Amerika forschenden Konzerne BASF oder Bayer liegen dagegen hinsichtlich der Zahl ihrer Genpatente nicht weit hinter Monsanto zurück, heißt es.
 
Bayer verlagerte seine Genforschung 2012 in den nordamerikanischen Bundesstaat North Carolina, Bayer CropScience hatte mit dieser Abteilung schon 2004 Deutschland verlassen, forscht aber noch im belgischen Gent. KWS beschäftigt am neuen Standort in St. Louis (Missouri) – wo auch Monsanto sitzt – erst einmal nur 25 Mitarbeiter, in wenigen Jahren sollen es 80 sein. Laut Vorstandssprecher Philip von dem Bussche will KWS dort nicht nur über gentechnik forschen, sondern auch an neuen Züchtungstechniken wie Genomanalyse, Mutationen und neuen DNA-Markern. Und die FAZ vermutet, dass es in Zukunft auch um „Biologika“, also biopharmazeutische Mittel gegen könnte, die natürliche Abwehrreaktionen der Pflanzen auslösen.
 
Als Standortvorteil lobt von dem Bussche, in den USA seien die besten Forscher. In St. Louis befänden sich Universitätsinstitute und eine junge Unternehmensgründerszene. Absolventen amerikanischer Unis brächten nicht nur theoretisches Wissen, sondern auch Praxiserfahrung mit.

Klarstellung: Wie KWS am 21.10.2014 mitteilt, wird die Gentechnikforschung in Deutschland nicht aufgegeben, sondern beiderseits des Atlantik fortgesetzt! Mehr...

Philip von dem Bussche geht in Ruhestand

"Verbildungsbürgerlidchter Adel - kein kurzfristig wachstummaximierender McKinsey-Typ, ein echter guter Dinosaurier und eine wunderbare Abwechslung in der Welt der CEOs." So charakterisiert die FAZ Philip von dem Bussche, der seit neun Jahren Verantwortung beim Saatzuchtunternehmen KWS trägt, die letzten fünf als Vorstandssprecher. Im Dezember geht er in den Ruhestand.

Er könne über Stunden im Gespräch über die Forschungsfront der Biochemie brillieren, sowie über Goethe, laufende juristische Auseinandersetzungen der Agroindustrie, über genomanalyse oder auch die abendländische Eschatologie, so die Zeitung weiter. Bussche sei ungeheuerlich erfolgreich. So erfolgreich wie niemand vor ihm in dem bis dahin von Mitgliedern der mehrheitlichen Eigentümerfamilie Büchting aus Einbeck in Niedersachsen geführten Unternehmen. Seit er im Unternehmen ist, stiegen der Umsatz und die Zahl der Mitarbeiter um etwa den Faktor drei. 4.840 Menschen arbeiten heute für KWS, 70 Standorte gibt es von China bis Brasilien.

Der frühere DLG-Präsident wird sich nun im Dezember, einige Monate vor seinem 65. Geburtstag , auf sein Schloss Ippenburg zurückziehen, wo seine Frau eine unglaublich schöne Blumenwelt kreiert hat, heißt es.