Agrarreform

Landfrauen wollen Geschlechtergerechtigkeit auch in der GAP verankert sehen

Deutschland hat im EU-Vergleich nur einen geringen Anteil an Leiterinnen von landwirtschaftlichen Betrieben. Der Deutsche Landfrauenverband fordert, Frauen in der neuen GAP ab 2023 explizit zu stärken

Der Bundestag hat am vergangenen Donnerstag die zentralen Gesetze zur neuen Förderperiode der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) in Deutschland verabschiedet. Die besondere Lage der Frauen in der Landwirtschaft wurde lediglich in einem Entschließungsantrag der Linken thematisiert. Der Deutsche Landfrauenverband (dlv) fordert, dass das Thema Geschlechtergerechtigkeit in der weiteren Ausgestaltung der GAP auf Bundes- und Länderebene noch Eingang findet. „Die Erwartung der LandFrauenverbände in Deutschland ist groß, dass in der weiteren Umsetzung der GAP konkrete Frauen-Förderprogramme folgen“, heißt es beim dlv.

Förderprogramme im Bereich Beratung, Coaching und Qualifizierung

Eine nach wie vor völlig unzureichende Geschlechtergerechtigkeit der GAP kritisierte auch die Erste Vizepräsidentin des dlv, Juliane Vees, die als Sachverständige in der öffentlichen Anhörung des Agrarausschusses des Bundestages zur GAP gesprochen hatte. „Damit die GAP erfolgreich sein kann, müssen die Fördermaßnahmen auch im Sinne der Frauen nachjustiert werden. Dafür müssen aktuelle Missstände erfasst, spezifische Bedarfe abgeleitet und entsprechende Maßnahmen entwickelt und umgesetzt werden“, sagte Vees. Das sei nicht nur ein Gebot der Fairness, sondern trage auch dazu bei, das Potential der Frauen zur Entwicklung der ländlichen Räume nutzbar zu machen. „Wir brauchen beispielsweise spezielle Förderprogramme im Bereich Beratung, Coaching und Qualifizierung, um Frauen in der Landwirtschaft für die immer komplexer werdenden Herausforderungen zu rüsten“, forderte Vees.

Der EU-Verordnungsentwurf zum GAP-Strategieplan sieht erstmals die Verankerung der Geschlechtergerechtigkeit als eins von insgesamt zehn Zielen. Der dlv rechnet fest damit, dass dieses im Rahmen des Trilogs nicht mehr herausverhandelt wird und bewertet das als einen wichtigen ersten Erfolg. „Das Thema Geschlechtergerechtigkeit ist endlich auch bei der EU-Kommission angekommen. Das Gleiche erwarten wir von den Parlamentarierinnen und Parlamentariern des Deutschen Bundestages sowie von den Verwaltungen von Bund und Ländern“, erklärte dlv-Präsidentin Petra Bentkämper.

Verbindliche Quoten für ländlich-agrarische Gremien

Der dlv fordert, dass sich die Geschlechtergerechtigkeit nicht nur in einem von zehn Zielen wiederfindet, sondern sich durch die gesamte GAP zieht. Deutschland schneidet im EU-Vergleich besonders schlecht ab, wenn es um den Anteil der Leiterinnen landwirtschaftlicher Betriebe, Hofnachfolgerinnen oder Existenzgründerinnen geht. Auch in den ländlich-agrarischen Gremien sind Frauen in Deutschland deutlich unterrepräsentiert. Das lässt sich aus dlv-Sicht lediglich mit verbindlichen Quoten ändern.


Mehr zu dem Thema

Die Redaktion empfiehlt

Der Bundestag hat den Rahmen für die Agrarzahlungen ab 2023 fest gezurrt. Damit werden die GAP-Gelder künftig stärker an Umweltleistungen geknüpft. Viele offene Punkte sorgen für...

Zukunft der Agrarzahlungen

Die GAP ist beschlossen und doch ist einiges offen

vor von Stefanie Awater-Esper

Der Bundestag hat die Umsetzung der Agrarreform (GAP) ab 2023 in Deutschland beschlossen. Der nächsten Bundesregierung kommt aber doch mehr Einfluss zu, als geplant. Ein Überblick über die...

Der Bundestag stimmt am Donnerstagabend über die Zahlungen aus der GAP ab 2023 ab. Für Grünland wird es keine zusätzlichen Öko-Regelungen geben. Dafür wird Agroforst auch auf Grünland...