IPCC-Klimabericht

Landnutzung im Fokus der Wissenschaft

Führt der IPCC-Klimabericht zu einer grundlegenden Überarbeitung der GAP 2020-Reform? Dies fordern Grüne im EU-Parlament sowie der WWF.

Die Forderungen des Weltklimarates (IPCC) nach einer grundsätzlichen Neuausrichtung der Landwirtschaft und einer Reduzierung des Fleischverzehrs trifft international auf ein geteiltes Echo. In dem am Donnerstag in Genf vorgelegten Sonderbericht zu Klimawandel und Landsystemen weisen die Wissenschaftler auf die Schlüsselrolle der Landwirtschaft hin.

Die Landnutzung und Massentierhaltung zeichnen weltweit für rund 23% der vom Menschen verursachten Treibhausgas-(THG)-Emissionen verantwortlich. Gleichzeitig leiden in besonderem Maße die Bauern aber auch unter den Folgen des Klimawandels in ganz Europa und nach dem Dürresommer 2018 insbesondere auch in Deutschland.

Angesichts der Bedeutung der Landwirtschaft für die zukünftige Entwicklung der Menschheit und Welternährung fordert der agrarpolitische Sprecher der Grünen im EU-Parlament, Martin Häusling, dass die GAP-Reform 2020 auf den Prüfstand kommt und die EU-Kommission eine neue Vorlage für das kommende Jahrzehnt erarbeitet im Lichte der jüngsten Befunde:

„Die Landwirtschaftspolitik aus den fünfziger Jahren führt in die umwelt- und klimapolitische Sackgasse. Wir brauchen die Agrarwende und eine Gemeinsame Europäische Agrarpolitik, die in Klima-, Umwelt und Artenschutz investiert, statt Flächen und Agri-Monopolisten zu subventionieren. Die Europäische Kommission von der Leyen muss jetzt einen neuen Vorschlag für die Reform der Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik vorlegen, um das Artensterben aufzuhalten und die Landwirtschaft zur europäischen Klimaschützerin zu machen.“

Bloss: „Wald- und Bodenschutz ist Klimaschutz“

Auch der klimapolitische Sprecher der Grünen Fraktion im Europäischen Parlament, Michael Bloss, fordert angesichts der Borkenkäferplage und den herben Verlusten im deutschen Forst einen nachhaltigen Schutz der Wälder sowie einen sofortigen Abholzungsstopp:

„Der Bericht des Weltklimarats ist eine dramatische Warnung, dass unsere Nahrungsmittelversorgung in Gefahr ist. Es ist allerhöchste Zeit, dass Europa handelt und ihre Klimaziele verbessert. Wir brauchen eine Reduktion der CO2-Emissionen von 65 Prozent bis 2030. Der Verlust von Wäldern und Böden bedroht Menschen, Tiere, Umwelt und Klima. Deshalb brauchen wir einen Abholzungsstopp und klare Regeln für den Schutz der Wälder und Böden, um Ernährungssicherheit zu garantieren, die Klimakrise in den Griff zu bekommen und die Pariser Klimaziele einzuhalten. Wald- und Bodenschutz ist Klimaschutz”, so Bloss.

Rukwied: „Landwirtschaft steht vor enormen Herausforderungen“

Auch der Deutsche Bauernverband (DBV) fordert Konsequenzen aus den Ergebnissen des IPCC-Berichtes zu ziehen:

"Der Bericht des Weltklimarates verdeutlicht, vor welch enormen globalen Herausforderungen wir in der Landwirtschaft stehen: Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung, Anpassung an den Klimawandel und Steigerung des Klimaschutzbeitrages. Diese Aufgaben können wir nur lösen, wenn die Landwirtschaft weltweit auf den vorhandenen Flächen mehr Lebensmittel mit geringeren Treibhausgasemissionen erzeugt und nicht noch weiter die Flächen zulasten von Wäldern ausgedehnt werden“, erklärte DBV-Präsident Joachim Rukwied.

In diesem Zusammenhang müsse das Handelsabkommen mit Südamerika neu bewertet werden. „Mercosur steht dem Klimaschutzgedanken diametral entgegen", betonte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV) angesichts der Veröffentlichung des IPCC-Sonderberichtes.

WWF: "Fleisch zählt zu den größen Klimakillern"

Der WWF betonte am Freitag, dass vor allem ein hoher Fleischkonsum den Klimawandel weiter befeuern werde. „Fleisch zählt zu den größten Klimakillern, dennoch lehnt sich die Politik hier zurück und wälzt das Problem auf die Konsumentinnen und Konsumenten ab“, sagte Helene Glatter-Götz laut einer WWF-Mitteilung. „Daher fordern wir einen konkreten Aktionsplan für die Emissionsreduktion im Ernährungsbereich.“ Der WWF plädiert für ein Ende von Dauerrabatten auf Fleischprodukte und eine stärker auf ökologisch nachhaltige Landwirtschaft ausgerichtete EU-Agrarförderung.

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Artikel geschrieben von

Thomas A. Friedrich

Korrespondent Brüssel/Straßburg

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Diskussionen zum Artikel

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von Norbert Scheppach

Für und Wider...

... gibt es einige zu dem Thema. Fakt bleibt, dass die Bewirtschaftung der Landsysteme und deren klimaverträgliche Nutzung weltweit eine massive Herausforderung darstellen. Dass bestimmte Bereiche der Nutzung wie tierische Produktion, Bewuchsmanagement und Bodenverbesserung sowie CO2-Bindung dabei einer Überarbeitung bedürfen, steht außer Zweifel. Lösungen fallen nicht vom Himmel und müssen sachlich erarbeitet werden - und das leider ziemlich schnell. Einfache Forderungen aus der Politik helfen da wohl nur bedingt weiter, sollten aber von Fachleuten und Praktikern zum Anlass genommen werden, endlich aus der Schlafphase heraus zu kommen - schon aus reinem Eigeninteresse. Rinder sind problematisch, Schweine und Geflügel erst recht. Gleichzeitig muss die Nutzung für die menschliche Ernährung optimiert werden (Qualität, Umweltverträglichkeit, etc). So gesehen wird es auf ein Szenario der sehr intensiven Produktion in Städten und neuartigen Gewächshäusern, auf spezialisierte Ackerflächen und Nischentierproduktion hinaus laufen. Nicht für Menschen verwertbarer Aufwuchs wird eher in Bogasanlagen als in Tiermägen landen (außer denen von Wildtieren). Massentierhaltung ist weltweit absehbar tot.

von Heinrich Roettger

Toller Beitrag von Herrn Stegemann

Sehr geehrter Heinrich Stegemann Ihr Beitrag sollte in den grossen Medien veröffentlicht werden.!

von Erwin Schmidbauer

Lesen und nicht lügen

Der Bericht des IPCC befasst sich im wesentlichen mit Landnutzung und Nahrungsmittelsicherheit im Lichte des Klimawandels, der auch zu Wüstenbildung mit den daraus folgenden Wanderungsbewegungen und anderen Folgen führt. Das Medien und Politiker daraus die Folgerung einer "Agrarwende" hineinphantasieren, zeigt eher, wie versucht wird Wissenschaft zu missbrauchen und und wie tief in die Mottenkiste der Manipulation gegriffen wird. Eine irgendwie geartete "Agrarwende"-Forderung ist im Bericht selbst bei besten Willen nur in Ansätzen zu erkennen. Der verringerte Fleischkonsum muss nicht durch den Erzeuger sondern den Käufer umgesetzt werden! Trotzdem ist der Bericht bedeutend, vor welchen Herausforderungen die Welt und die Nahrungsmittelversorgung steht. Hier muss gehandelt werden: weltweit und auch in Deutschland. Denn Bodenverlust durch Wasser- und Winderosion betrifft auch Deutschland. Und das sterben der Wälder durch Borkenkäfer und Wassermangel trifft uns auch ganz hautnah.

von Steffen Hinrichs

23% der Treibhausgase durch Landnutzung und der Rest ?!

Die ganze Bevölkerung muß aktiv im Klimaschutz werden ,aber im Moment wird nur der Landwirtschaft den "schwarzen Peter" zugeschoben .

von Wilhelm Grimm

In erster Linie wird von Landnutzung gesprochen

und nicht von landwirtschaftlichen Produktionsverfahren in Deutschland. Die deutschen Lügenmedien und gekaufte Journalisten (oder sind die nur dumm) versuchen aber, gemeinsame Sache mit den Grünen und deren Helfern in den Umweltverbänden zu machen, nämlich die moderne Landwirtschaft als schlechtes, die Natur zerstörendes Beispiel an den Pranger zu stellen. Davon,dass Nahrungsmittel immer reichlich und in guter Qualität bereit gestellt werden müssen, wird nicht mehr gesprochen. Das diene nicht dem Gemeinwohl, behaupten sie !

von Rudolf Rößle

Schlauen Professor

Mein ehemaliger Ökologieprofessor Herr Miotk wurde immer belächelt und dieses Fach vor 30 Jahren keinen großen Stellenwert eingeräumt. Sein Wunsch war damals, dass zur Nahrungsmittelproduktion intensiv gewirtschaftet werden soll, am besten unter Glas. Dafür sollen große fei werdenden Flächen in Verbundökosysteme umgewandelt werden. Interessant ist sicherlich seine heutige Einstellung.

von Jens Geveke

...da liegt wohl das Problem, welche Rinderhaltung ist gemeint: Die Rinderhaltung, die damit Nahrungsmittel vom Grünland erzeugt und damit Humusbindung, Artenvielfalt usw. erhält, oder Ackerbauregion in den USA, wo Mais gedroschen wird um damit Rindfleisch zu erzeugen. Da kommt dann nämlich der negative Hebel die Rinderhaltung zum tragen: Es ist richtig, dass die Rinderhaltung das CO2 nur im Kreis fährt, und damit eigentlich neutral wäre, jedoch baut das Rind zwischendruch das C in CH4 ein und stösst es aus, und dadurch entsteht ein nicht unerheblicher Klimaeffekt. Dieser ist sicherlich zu relativieren, wenn die Rindviehwirtschaft in die natürlichen Landschaftselemente eingebunden ist, reden wir aber von reiner Mast in Ackerbauregionen, dann wird es schon schwieriger. Dann ist es klimafreundlicher auf Schweinefleisch oder Geflügel zu setzen.

von Heinrich Steggemann

Professorenschlachtung 1915 im deutschen Reich

Den Kreislaufgedanken stärker in den Vordergrund rücken. 1915 wurde auf Anordnung von oben der Schweinebestand durch zusätzliche Schlachtungen zwangsweise verringert. Man wollte dem Kalorienverlust über den Umweg Schwein entgegenwirken und so die Ernährung der Bevölkerung sicherstellen. Deutschland hatte vor dem ersten Weltkrieg nur einen Selbstversorgungsgrad von 80%. Aufgrund von Blockaden fehlten 20% der Nahrungsmittel. Durch Materialmängel an den Konserven verdarb ein Teil des zusätzlichen Fleischaufkommens. Abfälle, Nebenprodukte und für die direkte menschliche Ernährung minderwertige Getreidepartien etc. fielen weiter an, konnten aber aufgrund der fehlenden Schweine nicht in Fleisch und Mist umgewandelt werden. Unteranderem aufgrund des fehlenden Mistes sanken die Erträge in den folgenden Jahren. Wir sollten den gleichen Fehler nicht noch einmal begehen. An die Politik gerichtet: Unsere Nutztiere veredeln Ressourcen zu Nahrungsmitteln, die nicht direkt vom Menschen gegessen werden. Des weiteren fördern sie durch ihre Ausscheidungen das humusaufbauende Bodenleben, um damit ein mehrfaches an CO2 aus der Atmosphäre zu saugen und dauerhaft festzulegen, als was sie z. B. als kurzlebiges Methan umgerechnet in CO2 Äquivalent ausstossen. Hier liegen noch viele Reserven brach, die bei entsprechenden Anreizen schnell aktiviert werden. Dabei geht es nicht nur um Geld, sondern auch die intelligente Verzahnung mit anderen Wirtschaftszweigen. Weltweit gesehen: Schickt zusätzliche umherziehende Rinderherden zurück in die Halbwüsten, um das Grasland zur CO2 Speicherung mittels des flüssigen Kohlenstoffweges wieder herzustellen und die lokalen Wasserkreisläufe zu reaktivieren. Auf Europa bezogen: Haltet den Wolf in Schach, um den Weideviehbestand zu halten und möglichst im Winter auf Zwischenfruchtbestände in Ackerbauregionen zur mikrobiellen Beimpfung des humusaufbauenden Bodenlebens auszudehnen. Entwickelt ein modernes Plumpsklo, um die Düngesalzausscheidungen der Weltbevölkerung zurück an die Pflanzenwurzel zu bringen und energieaufwendigen Mineraldünger einzusparen und dadurch den Lachgasausstoss zu senken. Gleichzeitig wird Energie in den Klärwerken aufgrund der deutlich niedrigeren Nährstofffracht eingespart. Kann für die neu aufzubauende Logistik bis zum Acker eingesetzt werden. Wir müssen weg vom Tunnelblick auf einzelne Problembereiche, sondern einige Schritte zurückgehen, um das grosse Ganze in den Blick zu nehmen.

von Norbert Schulze-Darphorn

Typisch

Da wird Mal wieder alles in einen Topf geworfen Deutschland ist nicht Südamerika hier werden keine Regenwälder zur Rinderhaltung abgeholzt. Ich meine gelesen zu haben das der Anteil der Landwirtschaft in Deutschland bei 7, 3% der Treibhausgasemissionen liegt. Dafür das man damit ganz Deutschland und noch ein paar andere Länder mit hochwertigen Nahrungsmitteln versorgt ist der Wert nicht zu verachten. Währe Mal interessant zu wissen wo man mit diesem Wert weltweit steht. Und zum pösen Fleischkonsum Frage ich mich immer wer berechnet das wie schaut so eine Berechnung aus ? fließen da auch die höheren Humusgehalte der Wiesen und Weiden mit ein, der positive Effekt der Humusbildung durch organische Hinterlassenschaften. Oder sind das nur Konstrukte gewisser NGO,s die keiner überprüft hat und einfach Mal so übernommen werden. Letztendlich verwerten wir doch nur das CO2 was sich im Kreislauf befindet, durch die Tierhaltung entsteht kein neues CO2 nur das was durch fossile Brennstoffe zur Haltung Verarbeitung und Transport beigesteuert wird.

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