Finsterwalde

Landwirt redet Klartext: Die dauernde Kritik der Grünen tut mir weh

Ein Brandenburger Bauer schilderte in einem ARD-Bericht, warum die Grünen für ihn nicht wählbar sind. Ihn und die Bürger der ländlichen Regionen nerven die pauschalen Verurteilungen ziemlich.

In Brandenburg stehen die Landtagswahlen an. Entgegen dem Trend in anderen Bundesländern haben die Grünen hier allerdings einen schweren Stand: Nur 3,5 % holten sie bei den letzten Kommunalwahlen. Für die Menschen in den ländlichen Regionen, die zudem eng mit der Landwirtschaft verbunden sind, liefert die Partei offenbar die falschen Ideen.

Warum die Grünen nicht wählbar sind, schilderte Landwirt Frank Neczkiewicz aus Finsterwalde im Elbe-Elster-Kreis am Dienstag in einem Bericht für das ARD-Mittagsmagazin. Er wirtschaftet dort auf 3000 ha und hält Milchvieh. „Mich ärgert die pauschale Kritik der Grünen an den großen Betrieben wie unserem. Es tut mir weh, dass ich und meine Kollegen uns jeden Tag rechtfertigen müssen für das, was wir tun. Man muss auch mal die Gesellschaft fragen, wie soll denn Landwirtschaft betrieben werden? Wollen wir dieses Bild, was der Städter hat, dieses kleinbäuerliche mit zehn Kühen?“, fragt Neczkiewicz und zeigt auf seine Tiere.

„Sehen die so aus, als ob es ihnen schlecht geht?“ Der Unternehmer verdeutlicht, dass es beim Tierwohl nicht um die Größe geht, sondern immer um das Einzeltier. Den Plan der Grünen für einen radikalen Umbau der Agrarwirtschaft hält er jedenfalls für unrealistisch. Wenn die Bauern weiter am Tropf des Staates hängen müssten, um Subventionen zu bekommen und nicht für das Produkt den Preis erhalten, der für die Herstellung notwendig ist, dann kann das laut Neczkiewicz keine zukunftsfähige Branche werden. „Wir sind hier 43 Leute, das sind 43 Familien.“

Den Landwirt ärgert auch die aktuelle Diskussion um eine Fleischsteuer. Das sei wieder so ein Beispiel, dass die Politik an den Bedürfnissen der Bauern vorbeigeht. „Es muss mehr Geld fürs Fleisch geben, aber doch für das Produkt! Und wenn der Erzeuger mehr Geld für das Fleisch kriegt, dann kann er doch auch für das Tierwohl selbst sorgen. Brauchen wir jetzt wieder eine Kommission oder eine Richtlinie des Ministeriums, wie wir das Geld dann gerecht verteilen? Wieviel bleibt denn da tatsächlich noch übrig, das ist doch alles ein Aberwitz, was sich die Politik da ausdenkt“, prangert er an.

Baerbock besteht auf Agrarwende

Annalena Baerbock (Bildquelle: ARD)

Im anschließenden Studiogespräch gibt sich Annalena Baerbock, die Parteivortsitzende der Grünen, bewusst beschwichtigend. Das Thema Agrarwende sei definitiv eines der wichtigsten im Parteiprogramm.

Fragen der Moderation nach den von den Grünen pauschal verurteilten Großbetrieben in Ostdeutschland weicht Baerbock aus. Der gezeigte Betrieb sei ja keine Massentierhaltungsanlage und der Bauer sage zurecht, er müsse den Wert des Fleisches bezahlt bekommen und die Mitarbeiter bezahlen. „Aber Massentierhaltungsanlagen sind weder im Sinne des Tierschutzes noch im Sinne der Regionen, weil sie für das Umland viele Probleme bringen“, sagte die Politikerin.

Die Grünen wollten kleine Betriebe stärken und eine Wende in der Agrarförderung erreichen, weg von pauschalen Subventionen hin zu einer Vergütung nach Leistung für die Gesellschaft und Umwelt. Die diskutierte Anhebung der Mehrwertsteuer auf Fleisch halten die Grünen laut Baerbock aber inzwischen für nicht sinnvoll.

Bundesregierung plant weitere Verschärfungen in der Düngeverordnung

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Wolfgang Schuchard

Klare Worte

Ich lese hier in einem Kommentar "Danke für die klaren Worte". Ich würde eher sagen, "Danke an einen überregionalen Sender, dass er die klaren Worte veröffentlicht hat". Es wäre schön, wenn dieses Beispiel Schule machen würde. Dass die Bauern nicht bereit seien, ihre Situation den Interessierten zu schildern, und idoelogischen Besserwissern mit Fachwissen und praktischen Erfahrungen entgegenzutreten sehe ich nämlich nicht.

von Norbert Scheppach

Massentierhaltung und Großbetriebe sind nicht das gleiche!

Die Diskussion gehört präzisiert! Eine Unterscheidung zwischen Massentierhaltung und großen Betrieben ist notwendig. Mit Massentierhaltung ist zum einen ein Unverhältnis zwischen Betriebsfläche und Tierdichte gemeint, zum anderen die einschlägig bekannten, tier- und menschenverachtenden Haltungsmethoden. Die Art der Haltung ist massgeblich. Die Anforderungen, die heute an Betrieb gestellt werden, erfordern entweder große Betriebe oder genossenschaftliche Strukturen (Berichtswesen, Überwachung, EDV, Tierwohl, Umwelschutz, Kostenreduzierung, Arbeitseinsatz, etc). Der klassische Bauernhof ist - zu Recht- nicht mehr zu halten.

von

Danke Herr Neczkiewicz...

für die klaren Worte. Es ist schon lange überfällig, dass wir uns zu Wort melden und einmal klar Position beziehen zu dem ganzen Quatsch, der hier täglich durch die Medien geistert, egal ob klassische Medien oder "soziale". Wenn es Probleme gibt, müssen diese gelöst werden, keine Frage. Aber wie blauäugig muß man sein, wenn man tatsächlich glaubt, mit dem Verbot von Glyphosat und Neonicotinoiden haben wir den Insektenschwund gestoppt? Warum lassen wir uns gefallen, dass alleine die Betriebsgröße das Maß für eine wie auch immer geartete Form des Tierwohls oder der Artenvielfalt ist. Sind Anbindehaltungen in kleinen Betrieben artgerechter als moderne Boxenlaufställe? Wir müssen endlich auch klar machen, dass man erst mit der Produktion Geld verdienen muß, um so wichtige Ziele wie Biodiversität und Tierwohl umzusetzen. Würde mich freuen, wenn wir hier gemeinsam stärker Präsenz zeigen. Die Masse machts! Danke Herr Neczkiewicz für Ihr tolles Beispiel und Ihren Mut, sich öffentlich zu äußern!

von Bernd Müller

Herr Niemann

Von Industrieller Tierhaltung wird dort aber nicht gesprochen. Es geht lediglich um die punktuelle Emissionen und sonstige Auswirkungen auf die Umwelt, die hier überprüft werden und das ist auch richtig so. Das Problem ist, dass ihrerseits behauptet wird, dass die pure Größe etwas mit Tierwohl, Umweltbelastung usw. zu tun hat. Das ist definitiv nicht richtig. Eine Intensivtierhaltung mit Masthähnchen ist z. B. wesentlich klimaschonender pro Kilogramm erzeugtes Lebensmittel als eine extensive Weidehaltung von Rindern. Eine Freilandhaltung von Hühnern erzeugt wesentlich mehr unkontrollierte Emissionen als eine kontrolliert geführte und wohlmöglich gefilterte Abluft. Von den nachweislich viel zu hohen Stickstoffbelastungen im Auslauf ganz zu schweigen. Die Größe eines Tierbestandes hat nachweislich keinen Einfluss auf das Tierwohl sondern das Management.

von Eckehard Niemann

@ Bernd Müller -Antwort auf Ihre Frage

Das BImSchG fußt auf der Industrieemissionsrichtlinie: ---- Die Industrieemissionsrichtlinie ist das Regelwerk des Emissionsschutzes in Europa. In ihr werden die Genehmigung, der Betrieb, die Überwachung und die Stilllegung von Industrieanlagen betrachtet. ----- Die Industrieemissionsrichtlinie (IE-Richtlinie) bildet EU-weit die Grundlage für die Genehmigung, den Betrieb, die Überwachung sowie die Stilllegung besonders umweltrelevanter Industrieanlagen. Sie wurde unter dem Namen Richtlinie 2010/75/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 24.11.2010 über Industrieemissionen (integrierte Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung) veröffentlicht. … Die Auswahl der Industriezweige und deren Anlagengröße ist mit der 4. BImSchV (Bundesimmissionsschutzverordnung) über genehmigungspflichtige Anlagen harmonisiert. ------ Die IE-Richtlinie ist die wichtigste europäische Regelungsgrundlage für die Zulassung und den Betrieb von Industrieanlagen. … ----- Umsetzung der IE-Richtlinie in deutsches Recht ----- Der deutsche Gesetzgeber hat die IE-Richtlinie mit dem Gesetz zur Umsetzung der Richtlinie über Industrieemissionen – IndEmissRLUG vom 08.04.2013 und zwei Artikelverordnungen vom 02.05.2013 in nationales Recht umgesetzt. Die Vorschriften sind seit dem 02.05.2013 in Kraft. Änderungen erfolgten vor allem im Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG), im Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrwG) und im Wasserhaushaltsgesetz (WHG).

von Bernd Müller

Herr Niemann

Wo steht im Bitte BimschG und im Baugesetzbuch etwas von „ Industriellen Tierhaltungsanlagen“ ?

von Oswald Steinle

Wenn man Massentierhaltung strikt ablehnt

So wie die grünen, warum hat man dann in dem kürzlich verabschiedeten Handelsabkommen mit den USA + MERCOSUR Fleisch das aus solchen "richtigen" Massentierhaltungsanlagen kommt erlaubt ? Wen man Fleisch aus solchen Anlagen ablehnt warum darf es dann importiert werden ? Was genau hat hier Priorität ist es das Tierwohl an sich, oder sind es die Wähler bzw. die nächsten Wahlen.

von Andreas Gerner

Nicht ernst gemeint:

Honigbienenhaltung gehört verboten. Da werden in jedem Stock mehr als 5000 auf einmal gehalten. Und es gibt nicht einmal Fenster oder gar eine offene Front. Skandal. Und erst die Biogasanlagen abermilliarden Bakterien in jedem Behälter und weder Fenster noch frische Luft....

von Christian Bothe

Tierwohl

@Niemann,Sie und ihre Weisheiten. Habe gedacht,das Sie nun endlich den Osten und seine LW realistisch betrachten. Leider kommen Ihre Äußerungen dazu wie immer borniert rüber...Was hat der Weidegang mit Tierwohl zu tun?Der GmbH Chef hat doch den Milchviehstall gezeigt und besser kann es den Tieren gar nicht gehen.Glauben Sie wirklich, das tierische Leistungen erbracht werden können ohne entsprechendes Tierwohl in den Ställen?Übrigens ist das Grundlagenausbildung eines Viehpflegers. Zu Baerbock und Habeck und ihren parteipolitischen Auffassungen habe ich mich schon mehrfach geäußert und die sind für mich und viele im Osten nicht von Belang und nichts weiter wie ein Sturm im Wasserglas, weil momentan ein Hype...

von Gerhard Steffek

100 Tiere, bzw. 500 -

wären keine Massentierhaltung? Jetzt auf einmal? Dann frage ich mich wann bei der Annalena die Massentierhaltung anfängt. Das aber definieren sie dann doch lieber nicht. Wenn Meinung auf Realität trifft! Denn tatsächlich stellen doch ausgerechnet die Grünen de facto ihrer Ideologie entsprechend doch selbst den 100 Kuhbetrieb als Massentierhaltung hin, wenn sie ansonsten immer nur vom bäuerlichen Betrieb sprechen und dann als Beispiel irgendeinen Hobbybetrieb mit 10 Kühen bringen. Verlogener geht doch nicht mehr fast nicht mehr.

von Heinrich-Bernhard Muenzebrock

Selbstmord

auch wenn ich hier und heute Prügel einstecken muss, bin ich mittlerweile zu der Erkenntnis gekommen, dass viele Landwirte ihre Vorgehensweise nicht ändern obwohl es 5 vor 12 ist. Ich war gestern mit meinem Hund unterwegs und musste mit ansehen wie ein Landwirt ca. 30 m³ Gülle je Hektar auf seinem Getreidefeld verklappte. Andere Landwirte bringen 4 mal im Jahr ihre Gülle auf dem Grünland aus obwohl nur 60% geerntet wurde. Ich war bislang immer der Ansicht, dass unsere Landwirtschaft auf einem guten Weg ist um in der Bevölkerung ihre Daseinsberechtigung zu rechtfertigen. Ich habe immer geglaubt, dass die "schwarzen Schafe" in der Minderheit sind bin aber jetzt der Meinung, dass es die "weißen Schafe" sind. Es geht so weiter wie bisher ohne Rücksicht auf Verluste. Das damit die Auflagen durch die Regierung immer strikter werden, die Landwirtschaft immer mehr zum Sündenbock in der Öffentlichkeit verkommt, ärgert mich sehr. Ich habe meinen Betrieb vor 2 Jahren an meinen Neffen abgegeben. Wir alle haben, in der Vergangenheit, Fehler gemacht Wir haben aber dazugelernt und die Fehler abgestellt. Das der umweltkonforme Umgang mit den Ressourcen Geld kostet kann und darf kein Grund sein so weiter zu machen wie bisher.

von Gerd Woertel

Einfach

Landwirtschaft = Landwirtschaft Gewerbliche Landwirtschaft = Gewerbe die sich mit Landwirtschaft beschäftigt Sie sollte wie alle Gewerbebetriebe behandelt werden mit allen Auflagen.. Dann hätte die wahren Landwirte eine Change

von Egge Mansholt

Mit

45 Angestellten kann man die Arbeit so verteilen, das der sogenannte Landwirt übrig bleibt. Das wären so ein paar Minuten mehr Arbeit pro Mann/Frau/Diverse am Tag. (Joke)

von Eckehard Niemann

Bauernhöfe statt Agrarfabriken!

Baerbocks Hinweis darauf, dass sie den Betrieb ja nicht konkret kenne, war richtig. Sie hätte aber fragen sollen, ob bei Größenordnungen von 500 Milchkühen strukturell noch tierwohl-wichtiger Weidegang möglich sei - und inwieweit solche Großbetriebe (als LPG-Nachfolgebetriebe) nach der Wende massiv subventioniert und einseitig begünstigt wurden und inwieweit diese dadurch bäuerliche Betriebe verhinderten oder immer noch verdrängen. ----- Und tatsächlich zeigt sich bei nachträglicher Recherche, dass die GmbH nur 100 Hektar Weide für 500 Milchkühe hat. Man könnte sagen „Immerhin“ (im Vergleich zu reiner Stallhaltung) – aber das entlastet Annalena Baerbock nicht von dem Vorwurf, vor den Landtagswahlen das Ziel einer Ausrichtung auf bäuerliche Betriebe und Strukturen auch oder gerade im Osten (sofern ernstgemeint) bei Seite gelassen zu haben. ----- Zur Erinnerung: Das Bundes-Immissionsschutz-Gesetz und auch das Baugesetzbuch ziehen die Grenze zu industriellen Tierhaltungsanlagen bei 600 Rindern (also 300 Kühen plus Nachzucht).

von Leon Blitgen

Was ist Massentierhaltung? In welchem Gesetzbuch ist Massentierhaltung definiert? Man müsste die Grünen mal wegen Verleumdung und Falschaussagen verklagen! Massentierhaltung gibt es gar nicht!!!!

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