Madrid

Spanien: Landwirte wollen wieder für „gerechte Preise“ demonstrieren

Die Kosten laufen auch den Bauern in Spanien davon. Ihre Höfe sind so nicht mehr rentabel. Sie gehen nun zu neuen Protesten auf die Straße.

Die Landwirte in Spanien wollen jetzt ihre Proteste für „gerechte Preise“ und eine stärkere Position in der Lebensmittelkette fortsetzen, die sie im Frühling 2020 wegen der Corona-Krise hatten unterbrechen müssen. Damals waren tausende Bauern auf Spaniens Straßen gezogen, um auf die wirtschaftliche Belastung ihrer Betriebe aufmerksam zu machen.

Seither seien die Produktionskosten weiter gestiegen, und zwar auf ein zuvor noch nie erreichtes Niveau, erklärten jetzt die großen Bauernverbände COAG, Asaja und UPA in einer gemeinsamen Presseaussendung. In dieser kündigten sie für Dezember große Demonstrationen der Landwirte an.

Bereits in der zurückliegenden Woche gab es vereinzelte Protestaktionen, unter anderem von Obst- und Gemüsebauern vor dem Landwirtschaftsministerium in Madrid. Wie die Bauernverbände berichteten, ist allein innerhalb des zurückliegenden Jahres Strom in Spanien um durchschnittlich 270 % teurer geworden, Diesel um 73 %. Düngemittel hätten sich im Schnitt um 48 % verteuert, Wasser um ein Drittel, Futtermittel um 30 % und Saatgut um ein Fünftel.

Zeitgleich seien zwar auch die Lebensmittelpreise in den Läden angezogen, beim Landwirt sei von den Preiserhöhungen aber nicht genug angekommen. Die aktuell gezahlten Preise seien nicht kostendeckend. Um die Rentabilität der Betriebe zu gewährleisten und damit die Lebensmittelproduktion im Land zu sichern, müssten Wirtschaft und Politik jetzt handeln.

Südspanische Bauern

Auch die südspanischen Bauern sind Demo erprobt (Bildquelle: picture-alliance/ dpa | epa efe Carlos Barba)

Zur Absenkung der Kosten gebraucht würden unter anderem ein Sondertarif für Strom sowie eine ermäßigte Mehrwertsteuer für landwirtschaftliche Betriebsmittel. Außerdem seien die Preise für Agrarprodukte zu sichern; dabei denken die Bauernverbände COAG, Asaja und UPA an eine Überprüfung der mit Drittländern in Handelsabkommen festgelegten Schutzklauseln, die Einfuhrpreise betreffen.

Große Hoffnungen setzen die spanischen Landwirte in das neue Lebensmittelketten-Gesetz, mit dem Spanien die EU-Richtlinie über unlautere Handelspraktiken umsetzt und das ein Verbot nicht kostendeckender Preise vorsieht. Die Verbände erwarten, dass das Gesetz nach der Beratung im Kongress, die für diesen Donnerstag geplant ist, unmittelbar in Kraft tritt. Dann müsse aber auch eine zuverlässige Kontrolle der Umsetzung der Maßnahmen in den Verarbeitungsunternehmen gewährleistet sein.

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