„Landwirtschaft kann ihren Teil zur Artenvielfalt beitragen“

Spätestens seit dem Bericht des Weltbiodiversitätsrates (IPBES) von dieser Woche ist der Artenschutz zu einem Hauptthema für die Landwirtschaft geworden. Die Landwirte suchen nach Wegen, darauf zu reagieren. Ein Gastkommentar von Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV):

"Keine Branche ist so sehr auf Bienen und andere Bestäuber angewiesen wie die Landwirtschaft. Wir wissen, dass wir im Bereich der Artenvielfalt Teil der Lösung sein müssen. Bereits jetzt leisten die Bauern viel, um diese Biodiversität zu fördern: Sie legen beispielsweise Blühstreifen und Blühflächen an, die nicht nur den Bienen Nahrung bieten. Mit dem Angebot von Blühpatenschaften kann sich die gesamte Bevölkerung beteiligen. Die Landwirte legen auch Lerchenfenster an, damit die seltengewordenen Bodenbrüter einen sicheren Ort für ihr Gelege finden. Insgesamt werden von Bauern bereits etwa 1,4 Millionen Hektar als ökologische Vorrangflächen bewirtschaftet. Das ist eine Fläche fast so groß wie Schleswig-Holstein. Hinzu kommen zahlreiche Agrarumweltmaßnahmen.

Als Deutscher Bauernverband haben wir auch eine eigene Klimastrategie erstellt, in der wir uns selbst Emissionsreduktionsziele setzen. In unserer Ackerbaustrategie haben wir uns vorgenommen, Dünger und Pflanzenschutzmittel noch weiter zu reduzieren. Gemeinsam mit dem Naturschutz entwickeln wir, wissenschaftlich begleitet im sogenannten F.R.A.N.Z. Projekt, Möglichkeiten, Naturschutz und Landwirtschaft in Einklang zu bringen. Bauern und Naturschützer müssen diesen Weg gemeinsam gehen.

"Es muss auch einen gesellschaftlichen Konsens darüber geben, dass am Ende auch die Bilanz des Bauern stimmen muss."

Bei allem Wunsch nach mehr Ökologie darf die Ökonomie der landwirtschaftlichen Betriebe nicht vergessen werden. Diese Balance herzustellen, ist eine große Herausforderung. Es muss auch einen gesellschaftlichen Konsens darüber geben, dass am Ende auch die Bilanz des Bauern stimmen muss. Der Umweltschutz darf nicht zu einem Treiber des Strukturwandels werden. Damit wäre keinem geholfen. Denn man darf nicht vergessen, dass die Hauptaufgabe der Landwirtschaft immer noch die Erzeugung von Lebensmitteln ist. Und noch nie in der Geschichte dieses Landes ist die Landwirtschaft ihrer gesellschaftlichen Aufgabe, der sicheren Versorgung aller mit hochwertigen Nahrungsmitteln, die auch noch günstig und nachhaltig produziert werden, so gut nachgekommen wie heute.

Die landwirtschaftlichen Betriebe befinden sich im europäischen und weltweiten Wettbewerb, Getreide wird beispielsweise auf dem Weltmarkt gehandelt. Einseitige, nationale Regelungen oder gar Begrenzungen würden es den deutschen Bauern noch schwerer machen wettbewerbsfähig zu bleiben. Wir plädieren daher für gleiche Regeln für alle landwirtschaftlichen Betriebe in ganz Europa.

Artenschutz wird auch durch die digitale Technik unterstützt. Im Pflanzenbau werden die Digitalisierungsfortschritte beispielsweise dazu führen, dass zum einen die Nutzpflanzen bedarfsgerecht und punktgenau gedüngt werden können, um das Wachstum zu fördern. Zum anderen können Pflanzenschutzmittel künftig in sehr geringen Mengen zielgenau ausgebracht werden. Diese Präzision dient auch der Sicherheit unserer Nahrungsmittel und ist ein aktiver Verbraucherschutz.

"Wildgärten statt Mähroboter und Blumen- statt Steingärten"

Heute leben über sieben Milliarden Menschen auf der Welt, in nur wenigen Jahrzehnten werden es neun oder zehn Milliarden sein. Diese müssen ernährt werden und sie brauchen Lebensraum. Schon heute entziehen wir der Natur jeden Tag etwa 65 Hektar an Fläche für Wohnraum, Gewerbe und Infrastruktur allein in Deutschland. Das ist eine Fläche von über 90 Fußballfeldern pro Tag.

Arten- und Klimaschutz sind auch eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung. Neben der Landwirtschaft kann auch die Gesellschaft ihren Teil zur Artenvielfalt beitragen. Das bedeutet Wildgärten statt Mähroboter und Blumen- statt Steingärten oder die Lichtverschmutzung in den Städten zu reduzieren. Aber vor allem muss es eine Bereitschaft geben, den Mehraufwand, den die Bauern zweifellos haben, auch entsprechend zu bezahlen.

Die deutsche Landwirtschaft ist bereit, ihren Teil der Verantwortung zu übernehmen und entsprechend zu handeln. Die nächste, junge Generation an bestens ausgebildeten Landwirten, die gerade heranwächst, wird zeigen, dass sie ein Gespür für eine moderne und nachhaltige Landwirtschaft hat. Mit Innovationen und neuen Methoden wird es gelingen, erfolgreich zu wirtschaften und gleichzeitig die gesellschaftlichen Anforderungen nach einer nachhaltigeren Landwirtschaft zu erfüllen."

Gastkommentare geben nicht in allen Fällen die Meinung der Redaktion wieder. Wir veröffentlichen Sie, wenn wir den Inhalt für diskussionswürdig halten.

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Artikel geschrieben von

Stefanie Awater-Esper

Korrespondentin Berlin

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Diskussionen zum Artikel

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von Albert Maier

Dumm argumentiert!!

"Die nächste, junge Generation an bestens ausgebildeten Landwirten, die gerade heranwächst, wird zeigen, dass sie ein Gespür für eine moderne und nachhaltige Landwirtschaft hat" Was ist das denn für ein Schwachsinn?? Heisst das, die jetzige Generation hat kein Gespür für nachhaltige Landwirtschaft? Wo bleibt die Tatsache, dass sich in den letzten 30 Jahren sehr viel in Sachen Nachhaltigeit, Bidiversität, Insektenschutz, Wasserschutz etc. getan hat??? Wird diese äusserst zweifelhafte, ideologiebehaftete und wissenschaftlich unseriöse Artenserbenstudie kritiklos akzeptiert?? Dass eine Million Arten vor dem Aussterben bedroht seien, ist nicht mehr als ein bewusst verzerrtes Schreckenszenario basierend auf einer Vielzahl wissenschaftlich zweifelhafter "Studien"! Für Ökwissenschaften scheinen alle wissenschaftlichen Standarts nicht zu gelten! Es wird Zeit dagegen zu halten und nicht auch noch mitzuschwimmen!!

von Heinrich Esser

"Der Umweltschutz darf nicht zu einem Treiber des Strukturwandels werden"

Keine Sorge, Herr Rukwied. Das bekommen Sie von DBV auch ganz gut alleine hin. Diese Entwicklung, dass der Wunsch der Bevölkerung besteht, dass die Landwirtschaft mehr für Arten-/Umweltschutz etc. tut, gab es schon länger und auch die Landwirte wollten etwas tun. Die hier beschriebene Erkenntnis kommt zehn Jahre zu spät. Ich bin der Ansicht, dass durch eine alternative Beratung viele Betriebe nicht hätten aufgeben müssen, wenn man mehr über die Programme der zweiten Säule informiert hätte. Aber die Betriebsaufgaben halten sich ja ohnehin in einem verträglichen Umfang, wie Ruwkied sagt.

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