Fachtagung Braunschweig

Landwirtschaft verursacht 11 % der Treibhausgase in Deutschland

Die deutsche Landwirtschaft soll ihre Treibhausgasemissionen um rund ein Drittel gegenüber 1990 verringern. Aktuell verursacht sie etwa 7 % der Treibhausgasemission in Deutschland.

Die Landwirtschaft will ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten. Allerdings ist eine Null-Emissionen-Produktion von Lebensmitteln nicht denkbar, weil in offenen biologischen Systemen gearbeitet wird. Darin waren sich am Dienstag die Vertreter aus Politik, Wissenschaft und landwirtschaftlicher Praxis auf einer Tagung der Landwirtschaftskammer und des Thünen-Instituts in Braunschweig einig.

Der niedersächsische Agrar-Staatssekretär Rainer Beckedorf versicherte, dass das 2017 beschlossene Düngepaket die Stickstoffüberschüsse senken und die Nährstoffkreisläufe schließen werde. Die neuen regeln würden die Nährstoffeffizienz deutlich verbessern und die Treibhausgasemissionen verringern. Der Politiker erwähnte auch die Projekte im Land zur Reduzierung der Kohlendioxid-(CO2-)-Emissionen aus landwirtschaftlich genutzten entwässerten Moorböden.

Dr. Wolfgang Zornbach, Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), Berlin. (Bildquelle: Landwirtschaftskammer Niedersachsen / Hollweg)

Dr. Wolfgang Zornbach vom Bundesagrarministerium erinnerte an das Pariser Klimaschutzabkommen von 2015, die Erderwärmung bis 2050 auf unter zwei Grad Celsius, besser sogar auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Die Landwirtschaft müsse ihren Einsparverpflichtungen ebenso nachkommen wie andere betroffene Sektoren. Das BMEL habe einen Zehn-Punkte-Plan zur Reduzierung der klimaschädlichen Emissionen vorgeschlagen, mit dem die für Landwirtschaft und Wald definierten Klimaschutzziele bis 2030 zu erreichen seien. Die Maßnahmen seien „so weit wie möglich auf Kostenneutralität und auf die Nutzung von Synergien aufbauend ausgerichtet“.

Lachgas-Emissionen durch Effizienz vermeiden

Prof. Dr. Heinz Flessa, Thünen-Institut, Braunschweig (Bildquelle: Landwirtschaftskammer Niedersachsen / Hollweg)

Anschließend zitierte Prof. Dr. Heinz Flessa vom Thünen-Institut aus dem Entwurf des Klimaschutzplans 2050 der Bundesregierung. Danach soll „die deutsche Landwirtschaft ihre Treibhausgasemissionen um rund ein Drittel gegenüber 1990 verringern“. Aktuell verursache die Quellgruppe Landwirtschaft etwa 7 % der Treibhausgasemission in Deutschland. Bei Lachgas (N2O, 81 %) und Methan (CH4, 60 %) sei die Landwirtschaft – ebenso wie beim indirekt klimarelevanten Ammoniak (NH3, 95 %) – der größte Emittent. Diese Gase stammten überwiegend aus dem Stickstoffmanagement und der Nutztierhaltung. Außerdem entstünden Treibhausgase in Höhe von 4 % der deutschen Emissionen aus der landwirtschaftlichen Nutzung entwässerter Moorböden. Dabei handele es sich vor allem um Kohlendioxid (CO2).

„Um die Lachgas-Emissionen zu mindern, muss in erster Linie der Stickstoff in allen Produktionsschritten möglichst effizient eingesetzt werden“, erklärte der Wissenschaftler. Und er skizzierte weitere Lösungsansätze: Der Ammoniakausstoß in den Bereichen Düngung, Stallanlagen und Wirtschaftsdüngerlagerung könne durch zahlreiche technisch-organisatorische Maßnahmen verringert werden, die gleichzeitig auch die Sickstoffeffizienz verbesserten. Und um den Austrag von Methan aus Lagern von Wirtschaftsdüngern zu verringern, empfahl Flessa die Erstverwertung der tierischen Ausscheidungen (Gülle) zur Biogasproduktion. Bei Moorstandorten sieht er zur Anhebung des Wasserstandes kaum ein Alternative, um die CO2-Emissionen zu reduzieren.

Kammerpräsident Gerhard Schwetje erinnerte daran, dass wir in Deutschland heute Lebensmittel mit einem vergleichsweise kleinen CO2-Fußabdruck erzeugen können. „Mit der Produktion einer vergleichbaren Lebensmittelmenge belasten unsere Landwirte das Klima weniger stark als Landwirte in anderen Regionen der Welt.“ Er halte es deshalb für falsch, die landwirtschaftliche Produktion aus „vermeintlichen Klimaschutzgründen“ hier zu drosseln und in weniger klimaeffizient arbeitende Regionen zu verlagern. Schwetje appellierte an die Politik, bei ihren Überlegungen zum Klimaschutz die Emissionen, die aus Produktionsverlagerungen resultieren, zu berücksichtigen.

Gerhard Schwetje, Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (Bildquelle: Landwirtschaftskammer Niedersachsen / Hollweg)

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Stefan Lehr

7 %?

Wer bitte verursacht den die restlichen 93!!! Prozent? Wer wirklich etwas veraendern will, der sollte nicht mit Peanuts anfangen, sondern bei den grossen Verursachern. Dann gaebe es auch sichtbare Erfolge in der Klimabilanz.

von Renke Renken

In Deutschland mit

vernünftigen Erzeugerpreisen bedarfsdeckend produzieren bringt den größten Klimaeffekt . Überproduktion mit Importfuttermitteln und Nahrungsmitteltauschwirtschaft sind ein großer Klimafaktor der Nahrungsmittelkette

von Klaus Fiederling

Ein- und Aussichten

Aktuell fallen in unseren Großstädten Deutschlands sehr viele Bäume den Trockenjahren 2018, nun 2019 in Folge, zum Opfer, nicht nur vereinzelt, sondern spürbar. In den Wäldern ist ein solches Szenario noch weitaus dramatischer zu beobachten. - Jeder tote Baum trägt zur CO2-Freisetzung bei! Findet hierzu eine grundsätzliche Bewertung in obigen Gedankengängen überhaupt Berücksichtigung? // Besteht bei einem aktuellen Überangebot von 30% an Nahrungsmitteln nicht das größte Einsparpotential in einer maßgeblichen Reduzierung dieser Überproduktionen? Sind mithin 20% der Produktionen auf deutscher LN nicht problemlos verzichtbar? - Stellt endlich Alternativen für die Nutzung von Grünland zu Verfügung. // Übrigens: In einem anderen Artikel heute hier bei TA prognostizieren OECD/FAO 10 Jahre in die Zukunft ein gigantisches Wachstum unserer Agrarproduktionen. Wie korreliert das mit den obigen Erkenntnissen?

von Walter Bachmaier

Meine Zahlen vom LKV Bayern zeigen daß die Rinder in Bayern von 4.8Mio 1990 auf 3,0 Mio 2018 reduziert wurden. Bei den Rückgang der Besamungen von ca, 5% zur Zeit sind wir Rinderhalter wohl bald auf der Vorschlagsliste für irgendeinen Umweltschutzpreis

von Wilhelm Grimm

Ökologische Landwirtschaft und Kleinbetriebe verbieten !

Damit hätte die Landwirtschaft das Ziel bereits weitgehend geschafft. Aber das wären auch nur Peanuts, wenn ich mir dagegen die Hauptverursacher wie die Energieerzeugung und den übergroßen Anteil nicht erforderlicher Autoverkehre vor meiner Haustüre ansehe. Auch das wird aber das Weltklima nur im Promillebereich beeinflussen. Und die entscheidenden Länder dieser Erde machen sich über die Verirrungen und Aufgeregtheiten der deutschen Politik lustig. Sie können ihre Wirtschaft überhaupt nicht so kurzfristig und radikal umsteuern, das dauert seine Zeit.

von Albert Maier

Diese hochbetitelten Herren...

.... siind nicht auf dem neuesten Stand der Wissenschaft. Die angeblich hohe Belastung mit Treibhausgasen durch die Landwwirtschaft kommt dadurch zustande, dass die Klimasensitivität von Methan 28 mal höher und von Lachgas gar 265 mal höher angesetzt wurde als die von CO2. Neueste Studien zeigen aber, dass dies erheblich überschätzt ist. Der Faktor für Methan soll demzufolge sogar nur 0,66 und der für Lachgas 1, 3 betragen. Mit diesen Faktoren gerechnet wäre der Anteil der LW an den anthropogenen THG-Emmissionen weniger als 1% und damit weitgehend vernachlässigbar.

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