Offene Worte

Lauterbach: Energiewende jetzt wichtiger als der Rotmilan

Karl Lauterbach sagt, für alle Probleme hat die Wissenschaft längst Lösungen entwickelt. In einem Artikel spricht er über falsch verstandenen Tierschutz und eine massive Reduktion des Fleischverzehrs.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat ein neues Buch über die derzeitigen Probleme der Menschheit geschrieben und direkt dazu die vorhandenen Lösungen aufgezählt. Dabei geht es auch um die Energiewende.

Im Gespräch mit dem Spiegel sagte er nun, dass Umweltschützer manchmal auch eine Gefahr fürs Klima sind. „Ich will es mal so ausdrücken: Was nützt uns das kurzfristige Überleben des Rotmilans, wenn Mensch und Tier insgesamt gefährdet sind? Da müssen wir beweglicher werden.“ Der Rotmilan sollte geschützt werden, aber nicht zulasten der Energiewende, die wir dringend benötigen, so Lauternach weiter. „Falsch verstandener Tierschutz hilft niemandem weiter. Erneut ist hier Wissenschaft die Lösung. Sie wird uns Möglichkeiten zeigen, wie wir Vögel auch außerhalb ihres bisherigen Habitats schützen können, weil wir dort zum Beispiel dringend Windkraftanlagen bauen müssen.“

Zu hoher Fleischverzehr führt zu Krankheiten

Weiter gestand der SPD-Politiker ein, die 2013 von den Grünen ausgerufene Idee eines „Veggie Days“ ganz gut gefunden zu haben. Er sei ja selbst Vegetarier, vor allem aus Energiegründen. „Eine Initiative, dass man zur vegetarischen, zur veganen Ernährung aufruft, dass man Anreize setzt, finde ich richtig. Ich weiß, dass das sehr umstritten ist, aber zu einer gelungenen Politik gehört auch Mut.“

Lauterbach will aber nicht so weit gehen, und für Deutschland eine fleischlose Ernährung fordern. Notwendig sei aber eine Ernährung, die sehr viel stärker vegan und vegetarisch ausgerichtet ist. „Weil wir sonst allein durch die Art, wie wir uns ernähren, viel zu viel CO2 und Methan freisetzen. Darüber hinaus ist der Fleischkonsum, den wir derzeit haben, ungesund. Er führt zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen, zu Krebs und ist auch noch mit Tierquälerei verbunden. Ich will es so sagen: Welchen Sinn macht Tierquälerei, damit wir uns ungesund ernähren und dabei auch noch das Klima ruinieren?“

Betroffen sind die Ärmeren

Laut dem Minister sollten wir uns doch nichts vormachen. „Wer sind diejenigen, die jetzt am Billigfleisch durch schwerste Krankheiten Lebensjahre verlieren? Es sind die Ärmeren. Die soziale Frage stellt sich doch eher umgekehrt. Mit dem Billigfleisch ernähren sich bislang die Einkommensschwachen in einer Art und Weise, mit der sie viele Lebensjahre verlieren. Regelmäßiger Fleischkonsum ist zum Beispiel ein wichtiger Risikofaktor für Darmkrebs. Und vor allem bei sozial Schwächeren wird der Darmkrebs meist zu spät entdeckt. Die Ärmeren verlieren doch nicht, wenn sie das billige Fleisch durch eine vegane oder vegetarische Kost ersetzen. Im Gegenteil: Sie gewinnen“, so Lauterbach gegenüber dem Spiegel.

Fleischkonsum um 80 % einschränken

Es brauche Entschlossenheit, diese Wahrheit auszusprechen, sagte er weiter. Da müssten Politik und Wissenschaft Schulter an Schulter stehen und sagen: Wir haben das jetzt aus guten Gründen so beschlossen. Fleisch soll nicht verboten werden. Aber wir essen viel zu viel davon. Das muss sich ändern.

Für Lauterbach steht außer Frage, dass wir deutlich weniger Fleisch essen müssen. „Langfristig könnten wir den Fleischkonsum um 80 % reduzieren. Aber nicht nur in Deutschland, sondern weltweit, weil es einfach sehr schwer ist, Fleisch ohne massiven CO2-Abfall zu produzieren.


Mehr zu dem Thema

Die Redaktion empfiehlt

Das Wichtigste aus Agrarwirtschaft und -politik montags und donnerstags per Mail!

Mit Eintragung zum Newsletter stimme ich der Nutzung meiner E-Mail-Adresse im Rahmen des gewählten Newsletters und zugehörigen Angeboten gemäß den Datenschutzbestimmungen zu.