Zukunft der Tierhaltung

Tierhaltungskennzeichnung: Özdemir bekommt Unterstützung von Lidl und Kaufland

Lidl und Kaufland springen Agrarminister Özdemir bei seinen Plänen für eine verpflichtende staatliche Tierhaltungskennzeichnung bei. Und sie drängen auf eine zeitnahe Ausweitung auf weitere Produkte.

Vergangene Woche musste Agrarminister Cem Özdemir zum Start der Grünen Woche in Berlin viel Kritik zu seiner Ausgestaltung des Umbaus der Tierhaltung mit dem Tierhaltungskennzeichen im Zentrum einstecken. Die Borchert-Kommission legte mit Verbesserungsvorschlägen nochmal nach. Die Agrarverbände warnten vor dem Abwandern der Tierhaltung aus Deutschland, wenn die Pläne so umgesetzt würden.

Einige Tage später, zur Mitte der Grünen Woche in Berlin, bekommt der Agrarminister nun Unterstützung vom Handel. Die Schwarz-Gruppe, zu der Lidl und Kaufland gehören, teilt demonstrativ mit, dass sie Özdemirs Ziele teile.

Lidl und Kaufland fordern flächendeckenden Einsatz

„Eine umfassende verpflichtende staatliche Tierhaltungskennzeichnung stellt einen wesentlichen Baustein dar, um überall dort, wo Menschen tierische Lebensmittel kaufen oder konsumieren, die Tierhaltung hinter diesen Lebensmitteln sichtbar zu machen“, schreibt die Schwarz-Gruppe in einer Mitteilung. Nur durch den flächendeckenden Einsatz eines solchen Kennzeichens lasse sich der Bewusstseinswandel in der Bevölkerung hin zu einem verantwortungsvolleren Konsum voranbringen und das Tierwohl in der Breite verbessern, argumentiert das Handelsunternehmen weiter.

Handel will Ausweitung auf Gastronomie sehen

Das Unternehmen begrüße, dass Özdemir die Kennzeichnung schnellstmöglich überall dort verpflichtend einsetzen möchte, wo tierische Lebensmittel angeboten werden. Bisher ist die Tierhaltungskennzeichnung allerdings nur für verpacktes und frisches Schweinefleisch im Lebensmitteleinzelhandel (LEH), in Metzgereien, im Fachhandel sowie im online Handel vorgesehen. Lidl und Kaufland weisen darauf hin, dass sie die Ausweitung auf Restaurants, Schnellimbisse, Kantinen, Mensen, Kitas, Schulen, Stadien, Krankenhäuser und Hotels begrüßen würden.

„Des Weiteren ist es für Lidl und Kaufland essenziell, die geplante Tierhaltungskennzeichnung zeitnah auf verarbeitete Produkte und die gesamte Aufzuchtphase sowie im zweiten Schritt auf weitere Tierarten auszuweiten“, so die Unternehmen weiter.

Auch eine Verbindung der gesetzlichen Regelung mit einer verpflichtenden Herkunftsangabe sei wichtig, um die heimische Landwirtschaft zu stärken, die Leistungen der bäuerlichen Erzeuger auch in der Außer-Haus-Verpflegung klar erkennbar zu machen und diese angemessen zu honorieren. Darüber hinaus plädieren die beiden Handelssparten für weitere gesetzliche Anpassungen, etwa in Bezug auf baurechtliche Belange wie Stallumbauten.

Lidl und Kaufland versuchen seit Jahren Erste beim Tierwohl zu sein

Lidl und Kaufland versuchen seit Jahren sich beim Thema Tierwohl besonders hervorzutun. Die beiden Handelssparten der Schwarz Gruppe gehören unter anderem zu den Gründungsmitgliedern der Initiative Tierwohl (ITW). Im Jahr 2018 hat Lidl den Haltungskompass entwickelt, der zur Grundlage für die gegenwärtige Haltungsformkennzeichnung im gesamten Lebensmitteleinzelhandel geworden ist.

Debatte um die künftige Funktion der ITW läuft

Mit dem verpflichtenden staatlichen Tierhaltungskennzeichen und dessen Stufen steht die Haltungskennzeichnung des Handels allerdings in der aktuell laufenden Debatte auch in Frage. Befürchtet wird, dass die staatliche Kennzeichnung die privatwirtschaftlich organisierten Labels verdrängen könnte.

Özdemir äußerte derweil auf verschiedenen Podien der Grünen Woche, dass er weiter eine Zukunft für die Initiative Tierwohl (ITW) sehe. Im Gespräch sind sowohl eine Kennzeichnung nebeneinander als auch, dass die ITW mit ihren existierenden Strukturen die Audits und Kontrollen für die staatliche Kennzeichnung übernehmen könnte.


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