Massive Tierschutzverstöße: Hat das Landratsamt seit Jahren weggeschaut?

Nachdem Tierschutzaktivisten Videos über Missstände in einem Schweinemastbetrieb im Alb-Donau-Kreis veröffentlicht haben, möchte Baden-Württembergs Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) nun über Konsequenzen reden.

Nachdem Tierschutzaktivisten Videos über Missstände in einem Schweinemastbetrieb im Alb-Donau-Kreis veröffentlicht haben, möchte Baden-Württembergs Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) nun über Konsequenzen reden. Er lädt daher Tierschützer, Tierärzte, Vertreter der Schlachtbranche und des Einzelhandels zu einem runden Tisch mit der Landwirtschaftsverwaltung ein, um bessere Bedingungen in der Schweinehaltung zu erreichen.
 
Im November will Hauk dann u.a. diskutieren, wie solche Fälle künftig verhindert werden könnten, berichtet die Schwäbische Zeitung. Zudem wolle er prüfen, ob in den Landratsämtern ausreichend viele Tierärzte arbeiten.
 
Ein Aktivist der Organisation „Soko Tierschutz“ war nach eigenen Angaben mehrere Male illegal in die Ställe eingedrungen und hatte dort gefilmt, so die Zeitung weiter. Bei einem darauffolgenden unangemeldeten Besuch auf dem Hof sollen die Kontrolleure vom Landratsamt im Alb-Donau-Kreis in der vergangenen Woche dann tatsächlich auf Missstände gestoßen sein, heißt es. Dazu die Schwäbische Zeitung: „Die Hygiene war mangelhaft, der Stall verkotet, die Abluftschächte verschmutzt. Die Buchten, in denen die Tiere gehalten wurden, waren zum Teil deutlich überbelegt. Bereits mehr als 80 Tiere der rund 1200 Mastschweine mussten aufgrund schwerer Verletzungen und Krankheiten notgetötet werden.“
 
Der betroffene Schweinemastbetrieb wird nach Angaben eines Behördensprechers wahrscheinlich geschlossen. Die Staatsanwaltschaft ermittele wegen eines Verstoßes gegen den Tierschutz. Nach Informationen der Zeitung soll der Betrieb bereits 2014 durch Missstände wie mangelnde Hygiene und Überbelegung aufgefallen sein.
 
Unterdessen gibt es auch Kreisen der Fleisch- und Nahrungsmittelindustrie in Ulm massive Kritik am Landratsamt. „Jeder Viehhändler wusste, und das nicht erst seit 2014, dass auf dem Hof gravierende Missstände herrschen“, sagte eine Führungskraft eines großen fleischverarbeitenden Betriebes.
 
Von dem Runden Tisch erwarten die Tierschützer dagegen nicht viel, so etwas habe schon in der Vergangenheit nichts gebracht. Sie prangern an, wieso solche Betriebe überhaupt Gütesiegel für artgerechte Haltung geführt hätten.  „Diese Siegel sind so viel wert wie die Pappdeckel, auf denen sie gedruckt sind“, kritisiert Soko Tierschutz.
 
Ein weiterer Konflikt bahnt sich nun wegen der angeblich zu seltenen Kontrollen der Mastbetriebe an, berichtet die Schwäbische Zeitung weiter. Von 3600 Nutztierhaltungen für Schweine und Rinder wurden im Kreis letztes Jahr 191 kontrolliert. „Die Behörden sind auf eine Feuerwehrrolle reduziert“, kritisiert die Landestierschutzbeauftragte, Cornelia Jäger. Es gebe zu wenig Personal, um die Betriebe zu betreuen. Sie forderte mehr Stellen und eine bessere Zusammenarbeit von Hoftierärzten, Veterinärmedizinern und Lieferanten.

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