"Masterplan für Antibiotikareduzierung fehlt"

Gestern fand im Ernährungsausschuss die öffentliche Anhörung zum Arzneimittelgesetz statt. Nach Auffassung der Grünen und des "tierärztlichen Forums für verantwortbare Landwirtschaft" (kritische Tierärzte) ist der vorgelegte Gesetzentwurf nicht geeignet, um den Antibiotiaeinsatz wirksam zu reduzieren und Resistenzen zu bekämpfen.

Gestern fand im Ernährungsausschuss die öffentliche Anhörung zum Arzneimittelgesetz statt. Nach Auffassung der Grünen und des "tierärztlichen Forums für verantwortbare Landwirtschaft" (kritische Tierärzte) ist der vorgelegte Gesetzentwurf nicht geeignet, um den Antibiotiaeinsatz wirksam zu reduzieren und Resistenzen zu bekämpfen. In einem gemeinsamen Thesenpapier legen Bärbel Höhn und Friedrich Ostendorff von den Grünen sowie Dr. Ines Advena und Dr. Norbert Roers von den kritischen Tierärzte ihre Bewertung dar.
 
Demnach fehlt zunächst einmal grundsätzlich ein Gesamtkonzept. Für eine entscheidende Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes in der Nutztierhaltung reiche es nicht aus, einige Passagen im Gesetz zu novellieren. Dafür brauche es ein Gesamtkonzept für Art, Weise und Ausmaß der Tierhaltung, ihrer medikamentellen und nichtmedikamentellen tierärztlichen Behandlungen und deren Organisation und Kontrolle, so die vier Kritiker.
Auch die Erfassung und Dokumentation des Antibiotikaverbrauchs, wie sie künftig im Gesetz geregelt sein soll, ist ihrer Meinung nach viel zu kompliziert und wenig zielführend. Nötig seien genaue Vorschriften, in welchen Fällen eine Behandlung ganzer Bestände, einzelner Gruppen oder einzelner Tiere zu erfolgen hat. „Wir fordern zudem eine verpflichtende Einrichtung von Krankenställen oder deutlich abgegrenzter Bereiche für kranke Tiere oder Tiergruppen“, heißt es wörtlich.
 
Die indirekte Subventionierung industrieller Tierhaltung und der ihnen zuliefernden Nutztierpraxen müsse endlich beendet werden. Es dürfe keinesfalls mehr Mengenrabatte für Antibiotika geben – weder für Tierärzte, noch für Landwirte -, denn gerade die Menge, der massenhafte Einsatz ist ja das Problem. „Wir fordern die Bundesregierung auf, die Rahmenbedingungen für Festpreise zu schaffen“, schreiben Höhn, Ostendorff, Roers und Advena. Sie könnten sich eine staatliche Clearingstelle als Instanz zwischen Pharmaunternehmen und Tierärzten vorstellen, damit Antibiotika nur zu festen Preisen an Veterinäre abgegeben werden dürfen.
 
Darüber hinaus prangern Grüne und kritische Tierärzte in ihrem Papier die Tierdichten und zunehmenden Tiertransporte an. Der endemische Infektionsdruck habe sich daher nicht verbessert. Neben einer Absenkung der Tierzahlen sei außerdem eine grundlegende Reform der Haltungsbedingungen notwendig. Die entsprechenden Verordnungen wollen die Grünen weiter verschärfen und längere Mastzeiten, niedrigere Besatzdichten, mehr Platz, Auslauf und Frischluft verpflichtend vorschreiben. Auch müssten Zuchtziele wirksam verboten werden, bei denen Krankheiten und Schmerzen vorprogrammiert sind, nur um die Leistung weiter zu steigern. (ad)

Hintergrund:
Novelle des Arzneimittelgesetzes soll Antibiotikaeinsatz eindämmen (28.11.2012)