Meckern über zu hohe Pferdepension-Kosten? Ein Praktiker rechnet vor

Ein Landwirt ärgert sich über Anfragen für eine Vollpension für Pferde inkl. Weidegang und Versorgung für lediglich 150 Euro. Bei Facebook kursiert dazu eine Rechnung, angeblich soll sie ursprünglich von Heinz Hoidis im Dezember 2015 erstellt worden sein...

Pferdestall ausmisten (Bildquelle: Schäffer)

Ein Landwirt ärgert sich über Anfragen für eine Vollpension für Pferde inkl. Weidegang und Versorgung für lediglich 150 Euro. Bei Facebook kursiert dazu eine Rechnung, angeblich soll sie ursprünglich von Heinz Hoidis im Dezember 2015 erstellt worden sein:
 
„Wenn ich hier Anfragen sehe, wie Vollpension für 150€ täglicher Weidegang, keine Selbstversorgung dann wunder ich mich wie das gehen soll... Ein Pferd frist im Monat ca. 1,5 Rundballen (1,3m) Heu. Gutes Heu kostet zurzeit ca. 30-40 € pro Rundballen. Nehmen wir noch zwei Schippen Hafer (je 1 Ltr) sind wir bei 30 x1,5Kg =45Kg im Monat plus nochmal 15 € + 5 € für Mineralfutter. Rechnen wir mal mit 65 € Futterkosten weiter.
 
Einstreu pro Monat 25 €, jetzt sind wir schon bei 90 €. Jeden Tag eine halbe Stunde Arbeitszeit pro Pferd für misten, füttern, da ist wahrscheinlich das Rausbringen auf die Koppel noch nicht dabei,... das sind dann 15 Std. Monat, macht bei 10 € Stundenlohn inkl. Lohnnebenkosten (was nur bei reduziertem Minimumlohn in der Landwirtschaft geht) nochmal 150 € Lohn.
 
Jetzt sind wir schon bei 240 €, haben aber weder die Koppel noch den Stall dabei. Für Grünland kann man ohne zu übertreiben 500 € pro Hektar Pacht rechnen und mindestens nochmal das gleiche für Dünger und Grünlandpflege, bei täglichem Weidegang wird in der landwirtschaftlichen Tierhaltung von zwei Pferden pro Hektar ausgegangen, aber rechnen wir mal mit 4, d.h. 1000 € durch 4 macht 250 € im Jahr pro Pferd also 20 € pro Monat, da muss dann aber die Einzäunung vorhanden sein und es darf nichts kaputt gehen.
 
Jetzt die Pferdebox, ich rechne jetzt mal mit Herstellkosten von 10.000 € pro Box und einer Abschreibungszeit von 20 Jahren d.h. 500 € pro Jahr oder 40 € pro Monat. Wir sind jetzt bei 290 € pro Monat. Jetzt kommt noch Wasser und Strom dazu und letzteres kann ganz schön teuer werden, wenn die Anlage mit Frostschutzheizung für den Winter ausgestattet ist, (alternativ sind dann zusätzliche Arbeitsstunden für das Wasserschleppen) ...
 
Und fast hätte ich es vergessen, da ist ja noch die Mehrwertsteuer, 19 % für Dienstleistungen 7 % für landwirtschaftliche Erzeugnisse.... Ich höre jetzt auf, aber eigentlich kann sich jeder glücklich schätzen, der sein Pferd für 250 € im Monat Vollpension eingestallt hat, denn wahrscheinlich rechnet der Pensionswirt entweder seine vorhandene Infrastruktur und/oder seine Arbeitszeit nicht mit. Und jeder der bei der Einführung des Minimumlohns zugestimmt hat sollte sich mal überlegen ob das was hier von der Pferdepension gefordert wird eigentlich fair ist. ... Seit fair zu Euren Pferden, aber auch zu dem der sie versorgt.“

Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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