Meldungen zum Insektensterben sind mit Vorsicht zu genießen

Das Fachmagazin Science berichtete kürzlich über eine Untersuchung der Journalistin Gretchen Vogel, wonach die Zahl der fliegenden Insekten in Teilen Deutschlands um bis zu 80 % in 24 Jahren zurückgegangen sein soll. Viele Medien sowie die Grünen griffen das Thema im Sommerloch dankbar auf.

Das Fachmagazin Science berichtete kürzlich über eine Untersuchung der Journalistin Gretchen Vogel, wonach die Zahl der fliegenden Insekten in Teilen Deutschlands um bis zu 80 % in 24 Jahren zurückgegangen sein soll. Viele Medien sowie die Grünen griffen das Thema im Sommerloch dankbar auf.

Spiegel Online - das Portal hatte ebenfalls die Meldung verbreitet - macht nun allerdings Einschränkungen. So habe Frau Vogel ihre Untersuchung ausschließlich beim Entomologischen Verein Krefeld durchgeführt. Dementsprechend würden etwaige Ergebnisse auch nur für die Standorte mit Schwerpunkt Rheinland gelten. Gibt es das dramatische, bundesweite Insektensterben also gar nicht?

Insektenforscher meinen, doch, es gibt es: Sie halten die Zahlen durchaus für realistisch und auf Deutschland übertragbar, wie etwa Wolfgang Wägele vom Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig in Bonn: „Über all die Jahre wurde in Krefeld der gleiche Fallentyp verwendet. Ähnliche Langzeitreihen sucht man in Deutschland vergeblich. An keinem Institut oder Forschungszentrum wurde das gemacht. So ein Projekt - das kann sich einfach keine Universität finanziell erlauben", sagte er dem Spiegel.

Landwirtschaft schuld

Laut den Krefelder Daten sind offene Landschaften stärker betroffen als Wälder, Täler stärker als Bergregionen. Das weise auf einen Einfluss der Landwirtschaft auf benachbarte Flächen hin und darauf, dass schädliche Stoffe über Luft oder Wasser übertragen werden. Davon ist auch Axel Ssymank vom BfN überzeugt. Seiner Erfahrung nach hat das Insektensterben in den letzten rund 20 Jahren offenbar deutlich zugenommen. Als neue Faktoren macht er Ackerflächen verantwortlich, die bis an den Straßenrand reichen, auf das Schwinden bewachsener Randstreifen und zunehmende Flächengrößen.

Zudem mindere Stickstoffdünger das Wachstum von Pflanzen, die nährstoffarme Böden mögen. Gras lässt er rascher wachsen. Das werde in der Folge früher und häufiger gemäht - und viele Blühpflanzen schafften es nicht zur Samenreife. Damit würden Futterpflanzen fehlen, erklärt Ssymank.

Hinzu kämen Insektizide: Früher seien sie erst bei konkret drohender Gefahr aufgebracht worden, heute werde das Saatgut zum Teil von vornherein mit den Stoffen präpariert. Neonikotinoide verursachten schon in winzigsten Mengen Verhaltensänderungen etwa bei Bienen, so Ssymank. "Das ist nicht unmittelbar tödlich, aber wenn eine Biene ihren Stock weniger gut findet, stirbt sie langfristig auch."

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