Freihandel

Mercosur: Hogan sieht auch Vorteile für die EU-Landwirtschaft

EU-Kommissar Phil Hogan hält das Mercosur-Abkommen für „fair und ausgewogen“. Die Exportchancen würden steigen. Eine Überschwemmung der Märkte sei durch das schrittweise Vorgehen nicht zu erwarten.

Die Europäische Kommission zeigte sich mit Blick auf die mit den Mercosur-Staaten ausgehandelte Übereinkunft für ein Freihandelsabkommen in der vergangenen Woche bemüht, die Aufregung in der europäischen Landwirtschaft zu dämpfen.

EU-Agrarkommissar Phil Hogan, der aufgrund der Zugeständnisse an die Südamerikaner massiv unter Druck steht, insbesondere auch in seinem Heimatland, verwies darauf, dass das Importkontingent für Rindfleisch lediglich 1,25 % des jährlichen EU-Verbrauchs ausmache. Zudem seien bereits im Jahr 2018 rund 270 000 t Rindfleisch aus den Mercosur-Staaten importiert worden.

Unter dem Strich wertete der Ire die Übereinkunft mit den Südamerikanern als „fair und ausgewogen“, mit Chancen und Vorteilen auch für die europäischen Landwirte. „Unsere unverwechselbaren, hochwertigen Agrar- und Lebensmittelerzeugnisse aus der EU werden nun in den Mercosur-Ländern den Schutz erhalten, den sie verdienen, und so unsere Marktposition stützen und unsere Exportchancen steigern“, konstatierte der Brüsseler Agrarchef.

Nichtsdestoweniger müssen nach Einschätzung des Berufsstandes wichtige Agrarbranchen bei einer Umsetzung des Handelsabkommens mit dem Mercosur-Block, dem Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay angehören, mit einem spürbar höheren Importdruck rechnen. Entsprechend äußerten mehrere EU-Dachverbände ihren Unmut. Die europäische Zuckerwirtschaft sieht sich angesichts der höchsten, jemals in einem Abkommen eingeräumten Freihandelsquote für ihr Produkt von der EU-Kommission schlicht „im Stich gelassen“.

Einfuhrquoten im Detail

Mit einem höheren Importdruck müssen auch die Geflügelmäster rechnen. Der Einigung vom 28.6. zufolge wird es eine jährliche Freihandelsquote für Geflügelfleisch von 180 000 t geben, wie es im Vorfeld schon durchgesickert war. Eine zunächst von der Kommission genannte niedrigere Zahl stellte sich als Fehlermeldung der Behörde heraus. Im Jahr 2018 importierte die EU etwa 300 000 t Geflügelfleisch aus Brasilien; 2017 waren es gut 400 000 t gewesen.

Wie im Einzelnen aus Kommissionskreisen zu erfahren war, ist die Hälfte der eingeräumten Einfuhrquote, also 90 000 t, für Geflügelfleisch ohne Knochen, die andere Hälfte für Geflügelfleisch mit Knochen vorgesehen. Sobald das Abkommen ratifiziert sei, werde die Freihandelsquote über einen Zeitraum von sechs Jahren schrittweise umgesetzt, erläuterte die Kommission.

Gleiches gilt für das präferierte Rindfleisch-Zollhandelskontingent von 99 000 t im Jahr. Hier sollen 55 % der jährlich dem Mercosur-Block zugestandenen Lieferquote auf Frischware und 45 % auf Tiefkühlware entfallen. Für beide Kategorien ist dabei ein ermäßigter Zollsatz von 7,5 % eingeplant.

Des Weiteren ist die Einführung eines Lieferkontingents von jährlich 180 000 t Zucker für die Mercosur-Staaten geplant. Diese Menge, die zuvor bereits im Rahmen einer präferierten Zollquote der Welthandelsorganisation (WTO) für die Mercosur-Länder bestand, soll jetzt binnen sechs Jahren schrittweise auf einen Zollsatz von null fallen. Hinzu kommt eine Quote von 10 000 t Zucker speziell für Paraguay. Überdies soll der südamerikanische Handelsblock jährlich bis zu 60 000 t Reis zollfrei in die EU liefern. Vollständig umgesetzt worden sein soll dieses Kontingent offenbar ebenfalls nach sechs Jahren. Gleiches gilt für ein Einfuhrkontingent von jährlich 45 000 t Honig.

Etwas vorteilhafter als für die Fleisch- und Zuckerwirtschaft liest sich die Vereinbarung für die europäischen Milcherzeuger und Molkereien. Ihnen soll von den Südamerikanern schrittweise über zehn Jahre ein zollfreies Jahreslieferkontingent für 30 000 t Käse zugestanden werden. Gleiches ist im Hinblick auf das Kontingent für Magermilchpulver von 10 000 t sowie das für Säuglingsnahrung von 5 000 t vorgesehen. Allerdings werden diese Kontingente in gleichem Umfang auch der Mercosur-Seite eingeräumt. Brüsseler Kreisen zufolge hatte sich die europäische Milchindustrie deutlich höhere Kontingente erhofft.

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Diskussionen zum Artikel

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von Heinrich-Bernhard Muenzebrock

Das sollte uns zu Denken geben

https://www.youtube.com/watch?v=hzDEU8U6mmU&t=14s sehr interessant!!!

von Torsten Kremershof

Ja, und ein Kreis kann auch quadratisch sein !

Muss man als EU- Politiker nur den doofen Bauern oft genug erklären. Der Handel wird das Abkommen gnadenlos ausnutzen ! Überall wo nicht direkt erkennbar ist wo das Fleisch herkommt wird uns der Handel auf unserer teuren europäischen Ware sitzen lassen . Das tut der Handel heute schon . Jedes Fertiggericht , überall wo es nicht auffällt wird dieser Billigmist aus Südamerika reingemogelt ohne das die EU dagegen etwas tun könnte . Und was ist mit unseren Bullenkälbern in der europäischen Milchviehaltung , Herr Hogan ?? Schon jetzt sind diese Kälber reine Ausschusware , die sich kaum wirtschaftlich verwerten lassen . Was wird den wohl passieren , wenn der Rindfleisch Markt durch Mercosur noch weiter unter Druck gerät ? Die Kälber werden zum Riesen Problem werden . Aber warum sollte das für einen völlig überbezahlten EU Kommissar wie Herrn Hogan ersichtlich sein ? Mercosur ist gleich EU Wirtschaftslobby ismus in seiner dreistesten Form !!!!

von Gerd Uken

Wenn auf beiden Seiten gleich viel

oder wenig zollfrei gehandelt werden kann. Wer hat denn überhaupt einen Vorteil nur um Schiffskapazitäten auszulasten, die Umwelt zusätzlich belasten? Ich begreif den Sinn eines solchen Abkommens nicht!

von Christian Aukamp

Import von niedrigsten Umwelt und Sozialstandards

wie will -unsere Politik- das dem dt. Wähler verkaufen ? Während hier Feinstaub, Co2, Stickoxide und die Rettung jedes Strassenbaums auf der Agenda stehen, werden mit dem Mercosur-Abkommen indirekt in Südamerika unökologische/unsoziale Produktionsmethoden gestützt (Abholzung von mehr als 1 Mio ha Wald jährlich). In Mato Grosso gibt es keinen Mindestlohn und auch keine Cross Compliance Kontrollen ! -Unsere Politik- misst mit zweierlei Maß ! Ein Import von Waren wie Fleisch, Zucker, Käse - die zu den hohen ökologischen und sozialen Standards produziert werden wie hier in Deutschland - das wäre fair !

von Heinrich-Bernhard Muenzebrock

Hogan

Glaubt er was er sagt? - Er hat seine Schäfchen im Trockenen und verkauft die Bauern für Dumm!!. So nicht....

von Hans Nagl

EU-Kommissar Phil Hogan hält das Mercosur-Abkommen für „fair und ausgewogen“

Die entscheidende Frage dabei ist doch bei welchen Produkten ist der Preis in den Mercosur Statten höher als in der EU . Denn nur diese Produkte haben eine Chance auf den neuen Markt.

von Gerd Uken

Wer das gerade in Brasilien verfolgt

Die verdoppeln ihre Fressplätze in den Feed Lofts....... ob das was zu bedeuten hat??

von Willy Toft

Aber doch einen enormen Marktdruck, und das bei unseren Vorgaben!

Wir Landwirte fühlen uns schon Ausgegrenzt, bei den Vorgängen in der Politik!

von Dr. Willi Kremer-Schillings

Wer profitiert?

Die Frage ist schnell beantwortet: die deutsche Industrie, die nun leichter exportieren kann. Das nennt man, nicht nur beim Schach, ein Bauernopfer. Und das ist es, was uns Bauern so sauer werden lässt. Was die Standards angeht: ein Unbedenklichkeits-Zertifikat für was auch immer, ist schnell geschrieben. Siehe Palmöl. Und wir hier in Europa werden im wahrsten Sinne des Wortes "zu Tode" kontrolliert. Wer dieses Abkommen ratifiziert, lässt jede Empathie mit den europäischen Landwirten vermissen. Und das frustriert. Frau Klöckner, überlegen Sie gut, was Sie jetzt machen...

von Gerd Uken

Liefern wir denn auch Fleisch dort hin?

Und wenn die genauso schlau sind wie die Ukrainer Für Hogan wäre es das beste er würde zurückkaufen seine Insel gehen - er hat für seine Bauern schon viel rausgeholt!!!

von Gerd Schuette

Der Standort mit den niedrigsten Standards bestimmt den Preis

Mercosur unterwandert unsere hohen Standards und drückt damit nachhaltig unsere Erlöse.

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