Molkerei Berchtesgadener Land warnt vor TTIP

In Brüssel verhandeln wieder die USA und die EU über das Freihandelsabkommen TTIP. Besorgt darüber zeigt sich die Berchtesgadener Molkerei. „TTIP bedroht unsere Molkereigenossenschaft sowie die gesamte alpenländische Kulturlandschaft, die sich durch ein Höfesterben deutlich verändern wird“, sagte Bernhard Pointner.

In Brüssel verhandeln diese Woche wieder die USA und die EU über das Freihandelsabkommen TTIP. Besorgt darüber zeigt sich die Berchtesgadener Molkerei.

„TTIP bedroht unsere Molkereigenossenschaft sowie die gesamte alpenländische Kulturlandschaft, die sich durch ein Höfesterben deutlich verändern wird“, sagte Bernhard Pointner, Geschäftsführer der Molkerei gegenüber der Bayerischen Staatszeitung.

Gentech-Kennzeichnungsregeln könnten eingeschränkt bzw. ganz abgeschafft werden, befürchtet er. „Eine stärkere Orientierung auf den Export ist für die kleinen Landwirte unserer Genossenschaft keine Lösung. Ein liberalisierter transatlantischer Markt wird den Preis- und Kostendruck auf die Milch nochmal verschärfen und folglich die Existenz vieler deutscher und insbesondere bayerischer Landwirte gefährden“, so Pointner. Deshalb beziehe die Molkerei Berchtesgadener Land ganz klar gegen TTIP Stellung.

Der Geschäftsführer weist darauf hin, dass gentechnisch veränderte und ungekennzeichnete Produkte künftig auf der Tagesordnung stehen könnten. Dem Druck der amerikanischen Großkonzerne werde die EU nicht standhalten können. Gentech-Zulassungsverfahren würden vereinfacht oder ganz gestrichen, US Gentech-Produkte den EU-Markt fluten. Damit werde der Druck steigen, gentechnisch veränderte Pflanzen auch in der EU anzubauen, ist Pointer überzeugt.

Den Beteuerungen der EU-Kommission traut er dabei nicht. Die Agro-Gentechnik sei wie jeder andere Bereich Verhandlungssache und laufe damit hinter verschlossen Türen ab. Dabei ist es laut dem Molkereichef eher unwahrscheinlich, dass die USA die vergleichsweise höheren EU Standards übernehmen. „Zu einflussreich ist die Gentechnik-Lobby jenseits des Atlantiks, aber auch diesseits – sie alle wollen keine Auflagen sondern einen freien ungestörten Marktzugang“, sagte er der Zeitung.

„TTIP verhindert die weitere Kennzeichnung von Lebensmitteln, die mit Hilfe von gentechnisch veränderten Organismen erzeugt werden, bzw. erschwert die Ohne-Gentechnik-Kennzeichnung zum Beispiel von Milch von Tieren, die keine Futtermittel aus gentechnisch veränderten Pflanzen erhalten haben. Das ist nicht im Sinne unserer Kunden!“, so Pointner abschließend.

Hintergründe zu TTIP:

TTIP: Hartes Ringen um Zölle für Milch und Fleisch (24.2.2016)

TTIP geht in die zwölfte Runde (23.2.2016)

ASP in Westpolen: 80 Kilometer von Grenze zu Brandenburg

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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