Nach Glyphosateinsatz auf Grünland denkt Molkerei über Konsequenzen nach

Ein Landwirt südwestlich von Traunstein hat einige seiner Wiesen mit Glyphosat behandelt. Das daraufhin von grün zu gelb umgefärbte Grünland fiel auch besorgten Bürgern auf, die Rückstände in Milch und Fleisch sowie ein Insektensterben befürchten.

Weide (Bildquelle: Archiv)

Ein Landwirt südwestlich von Traunstein hat einige seiner Wiesen mit Glyphosat behandelt.  Das daraufhin von grün zu gelb umgefärbte Grünland fiel auch besorgten Bürgern auf, die Rückstände in Milch und Fleisch sowie ein Insektensterben befürchten.

Schließlich erfuhr auch die Molkerei Berchtesgadener Land in Piding von dem Fall und kündigte Konsequenzen an, da der Landwirt Lieferant der Genossenschaft ist, berichtet das OVB Medienhaus. Pressesprecherin Barbara Steiner-Hainz wird mit den Worten zitiert, das Unternehmen befürworte den Einsatz von Glyphosat überhaupt nicht. Man stehe bereits in Diskussion mit dem Landwirt und gehe davon aus, dass er das nicht wiederholen wird.

Der Fall könnte allerdings nun sogar Auswirkungen auf die kompletten Milchlieferbedingungen der Genossenschaftsmolkerei haben: "Vorstand und Aufsichtsrat werden demnächst beraten, ob wir die Zusammenarbeit mit Landwirten grundsätzlich beenden, die Glyphosat ausbringen", so die Pressesprecherin. Der Einsatz von Gentechnik oder Klärschlamm auf den Futterwiesen ist den Genossenschaftsbauern ebenfalls schon lange untersagt: "Die Hofberater der Molkerei werden ein Auge drauf haben, aber wir sind auch auf Hinweise der Verbraucher angewiesen", so Steiner-Hainz zur Frage der Kontrolle. 
 
Sengl für striktes Verbot von Glyphosat

Empört zeigt sich auch die Grünenpolitikerin Gisela Sengl: „Wie der Fall zeigt, ist die Anwendung von Glyphosat anscheinend eine normale Methode in der konventionellen Landwirtschaft. Dabei ist es nachweislich schädlich für Mensch und Natur.“

Gisela Sengl (Bildquelle: Grüne)

Sie prangert den „stetig ansteigenden und oft zu leichtfertigen Einsatz“ der Mittel an und verweist auf Trinkwasserversorger, die längst Alarm schlagen würden. Ihrer Ansicht nach sei es laut aktuellen Studien bewiesen, dass Pflanzenschutzmittel zu einem massiven Rückgang der Artenvielfalt, z.B. bei Bienen, Schmetterlingen, Feldlerchen und Hasen führen. „Und wir wissen längst, dass Glyphosat für den Menschen wohl krebserregend ist“, so Sengl.

Die bayerische Politikerin bedauert, dass die Regierung stets alle Anträge der Grünen zu dem Thema ablehne. „Die Staatsregierung missachtet damit konsequent das Vorsorgeprinzip, den Grundpfeiler der deutschen und europäischen Gesundheits- und Verbraucherschutzpolitik.“ Laut Sengl ist Glyphosat heute in Bier, Eis und Brot. Es dürfe nicht auch noch in die Milch kommen.

Landwirte Getriebene des Diktats „wachse oder weiche“
 
Sengl sagte aber auch, dass ihr bewusst sei, dass ein Appell an die Bauern, sie sollten doch weniger Pflanzenschutzmittel einsetzen, am Problem vorbeigehe. Denn die Landwirte seien oft selbst Getriebene, die sich dem Diktat „wachse oder weiche“ ausgeliefert sähen.

Gebraucht werde eine politische Lösung, die sowohl die natürlichen Lebensgrundlagen wie Wasser und Böden schütze, aber auch den Landwirten ihr Auskommen sichere.

Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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