Nachruf: Das Leben des Constantin Freiherr Heereman

Als Mitglied des Aufsichtsrates und dessen Vorsitzender (von 1974 bis 2001) hat Constantin Freiherr Heereman top agrar und den Landwirtschaftsverlag in Münster begleitet. In seine Amtszeit fielen wegweisende Weichenstellungen, welche die Ausrichtung, die Entwicklung und das Gesicht des Verlages bis heute bestimmen.

Constantin Freiherr Heereman (Bildquelle: Archiv)

Der langjährige Präsident und Ehrenpräsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV) und des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Constantin Freiherr Heereman von Zuydtwyck, ist am 26. Juli im Alter von 85 Jahren verstorben.

Constantin Freiherr Heereman von Zuydtwyck aus Hörstel-Riesenbeck ist am 26. Juli im Alter von 85 Jahren verstorben. Mit ihm verliert die deutsche Landwirtschaft einen ihrer engagiertesten und bekanntesten und Repräsentanten und Vorkämpfer.

Nach dem frühen Tod seiner Mutter wurde der in Münster geborene junge Constantin gemeinsam mit seinen Geschwistern auf Schloss Surenburg im Haus seines Onkels Max und dessen Ehefrau Helene, geb. Gräfin Droste zu Vischering, aufgenommen und später von Max Freiherr Heereman von Zuydtwyck adoptiert.

Constantin Freiherr Heereman besuchte die Volksschule in Riesenbeck, das Gymnasium Paulinum in Münster sowie das Jesuitenkolleg in Bonn-Bad Godesberg. Nach einer landwirtschaftlichen Lehre arbeitete er auf Betrieben im Emsland und am Niederrhein. Die Landbauschule in Soest verließ er nach zweijähriger Ausbildung als staatlich geprüfter Landwirt. 1955 übernahm er die Verwaltung des landwirtschaftlichen Betriebes Haus Surenburg und wurde 1960 Leiter der Heereman’schen Hauptverwaltung in Münster.

Aus seiner Ehe mit Margarethe, geb. Freiin von Wrede, gingen vier Töchter und ein Sohn hervor.
Schon Anfang der 1960er Jahre wurde Heereman in den Rat seiner Heimatgemeinde gewählt. Seine Berufskollegen machten ihn zum Vorsitzenden des Landwirtschaftlichen Ortsvereins Riesenbeck und zum Ortslandwirt. 1967 wurde er Vorsitzender des WLV-Kreisverbandes Tecklenburg und schon im Juli 1968 Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes, nachdem sein Amtsvorgänger Antonius Freiherr von Oer verstorben war. Und schon am 19. Dezember 1969 wurde Heereman zum DBV-Präsidenten gewählt, zwei Tage nach seinem 38. Geburtstag.  

Fast drei Jahrzehnte war Heereman Präsident des WLV und fast 28 Jahre Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV). Bis 1997 bekleidete der Münsterländer das Amt des „Bauernpräsidenten“, das von ihm maßgeblich geprägt wurde und das für immer auch mit seinem Namen verbunden bleiben wird. Der „Baron aus Westfalen“ war im Berufsstand eine Institution und außerhalb der Landwirtschaft als Bannerträger der Bauern bekannt. Gegenüber drei Bundeskanzlern – Brandt, Schmidt und Kohl – sowie drei Bundesministern – Ertl, Kiechle und Borchert – vertrat er die Landwirtschaft und den ländlichen Raum. 

Die Ämter im WLV und DBV zogen weitere nach sich – und Heereman füllte sie aus wie nur wenige vor und nach ihm:

Von 1979 bis 1981 sowie ein weiteres Mal von 1990 bis 1992 stand er als Präsident dem europäischen Bauernverband COPA vor.

Seine Arbeit hat Heereman viel öffentliche Anerkennung eingetragen. So wurde er mit dem Großen Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband der Bundesrepublik Deutschland, mit dem Verdienst­orden des Landes NRW sowie mit zahlreichen weiteren Ehrungen etwa in den Niederlanden, der ursprünglichen Herkunft seiner Familie, in Frankreich und in Österreich ausgezeichnet. 

Bemerkenswert ist auch die Auszeichnung „Orden wider den tierischen Ernst“ des Aachener Karnevalsvereins. Heereman erhielt sie 1976, weil er es verstand, seine Ämter stets auch mit der notwendigen Prise Humor auszuüben. 

Als Mitglied des Aufsichtsrates und dessen Vorsitzender (von 1974 bis 2001) hat Constantin Freiherr Heereman auch den Landwirtschaftsverlag in Münster-Hiltrup begleitet. In seine Amtszeit fielen wegweisende Weichenstellungen, welche die Ausrichtung, die Entwicklung und das Gesicht des Verlages bis heute bestimmen. Dabei hat er immer auf die Eigenständigkeit und Unabhängigkeit der Redaktionen gepocht. In der ihm eigenen Art hat er es auf die Formel gebracht: „Das Blatt muss den Bauern gefallen, nicht dem Bauernpräsidenten.“ Gleichzeitig sorgte er dafür, dass der Landwirtschaftsverlag als marktorientiertes Unternehmen erfolgreich wurde und blieb. Die Entwicklung neuer Zeitschriften und ihre Markteinführung hat Heereman beispielsweise stets gefördert und positiv begleitet.

Dem Landwirtschaftsverlag und der Redaktion top agrar  hat Constantin Freiherr Heereman vieles gegeben: Jahrzehntelange Freundschaft, Vertrauen und Förderung. Dafür empfinden wir tiefe Dankbarkeit.

Wir werden sein Andenken in Ehren halten.

Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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