Neue BÖLN-Studie sieht Wachstumspotenzial für Biogeflügelmarkt

Biogeflügel hat derzeit nur einen Anteil von etwa 1,5 Prozent am gesamten Geflügelfleischkonsum und ist damit eine Nische. Experten sehen jedoch großes Wachstumspotenzial in diesem Bereich, vor allem aufgrund einer wachsenden Nachfrage, eines großen unerschlossenen Kundenpotenzials und stabiler Preise.

Hähnchen (Bildquelle: Archiv)

Biogeflügel hat derzeit nur einen Anteil von etwa 1,5 Prozent am gesamten Geflügelfleischkonsum und ist damit eine Nische. Experten sehen jedoch großes Wachstumspotenzial in diesem Bereich, vor allem aufgrund einer wachsenden Nachfrage, eines großen unerschlossenen Kundenpotenzials und stabiler Preise. Als größte Hemmnisse für ein stärkeres Wachstum machten die Forscher dagegen unter anderem eine fehlende Planungssicherheit und schwierige Genehmigungsverfahren für den Bau neuer Ställe und Schlachthöfe aus.
 
Das sind die zentralen Ergebnisse einer aktuellen Marktstudie der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH (AMI) und einer Verbraucherbefragung der Universität Kassel. Ökomarktexperten der AMI befragten in der Studie bundesweit Produzenten, Schlachtereien, Verarbeiter und Berater nach Hemmnissen und Chancen für die weitere Entwicklung des Biogeflügelmarktes. Gefördert wurde die Studie vom Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN).
 
Markt wächst stark auf niedrigem Niveau

Das große Potenzial für eine Ausweitung des Biogeflügelmarktes leiten die Forscher aus einer stetig wachsenden Nachfrage ab. 2017 kauften die Haushalte insgesamt 6.400 Tonnen Biogeflügel, 6,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Dabei sind Biohähnchen mit einem Anteil von knapp 70 Prozent die mit Abstand wichtigste Geflügelart. In den beiden Jahren davor fiel das Wachstum sogar zweistellig aus. Entsprechend groß war die Bereitschaft von Vertretern des Handels in der Befragung, mehr Biogeflügel zu listen.

Weiterer Vorteil für Erzeuger und Handel sind aus Sicht der Marktforscher dauerhaft stabile Preise für alle Geflügelarten in Bioqualität. Das gilt für den Absatz an den Großhandel wie für die Direktvermarktung.
 
Die erhobenen Daten zu den Erzeugern von Biogeflügel zeigten zudem, dass die Auslastung der Haltungskapazität insbesondere bei großen Betrieben höher ist als bei konventionellen Erzeugern. Aus Sicht der Forscher deutet dies ebenfalls auf eine durchgehend hohe Nachfrage nach Biogeflügelfleisch hin. Ein Nachteil der Bioerzeuger ist dagegen die schwierige Vermarktung von Nicht-Bruststücken zu Biopreisen, die die Rentabilität der Bioerzeugung derzeit noch beeinträchtigt. Deshalb werden bei Biogeflügel häufiger ganze Tiere vermarktet als im konventionellen Bereich.
 
Planungssicherheit fehlt

Weiteres Hemmnis für das Wachstum des Segments ist aus Sicht vieler Geflügelhalter die mangelnde Planungssicherheit und zu geringe finanzielle Zuschüsse für den Um- oder Neubau von Ställen für Biogeflügel. Zudem fehlt es in vielen Gebieten an regionalen Schlachthöfen, was lange Lieferwege erforderlich macht. Viele umstellungswillige Betriebe verfügen außerdem nicht über ausreichend große Auslauf- und Futterflächen, die für eine flächengebundene ökologische Tierhaltung notwendig sind.
 
Daher raten die Ökomarktexperten dazu, verstärkt mit benachbarten Ackerbaubetrieben zu kooperieren, etwa über Futter-Mist-Kooperationen. Insbesondere für kleinere Betriebe kann es darüber hinaus sinnvoll sein, sich zu einer Erzeugerorganisation zusammenzuschließen. Nur so kann es nach Meinung des Forscherteams gelingen, kontinuierlich ausreichende Mengen für den Lebensmitteleinzelhandel zu liefern.
 
Wissenschaftler der Universität Kassel befragten im Projekt auch 644 Verbraucher in vier Regionen Deutschlands nach ihrem Einkaufsverhalten bei Biogeflügel. Dabei zeigte sich ein großer Teil der Befragten bereit, mehr Geld für Biogeflügel auszugeben. Allerdings liegen die Preise für Biogeflügel über dem Aufschlag, den die Teilnehmer zahlen würden. Doch obwohl der Mehrpreis für Bioware ein wichtiges Kaufargument für viele Verbraucher ist, sehen die Forscher noch ein großes Potenzial an zusätzlichen Kunden für Biogeflügelfleisch. Vor allem besonders tiergerechte Haltungssysteme waren für viele Befragte ein wichtiges Argument. Viele potenzielle Biokäufer wünschen sich zudem eine bessere Verfügbarkeit von Biogeflügel. Als bevorzugte Einkaufsstätten nannten die meisten Befragten Hofläden und Wochenmärkte.
 
Ökogeflügelhaltern empfehlen die Kasseler Marketingexperten deshalb, verstärkt auf Kundenkontakt zu setzen und dabei wichtige Kaufargumente wie Tierwohl, Regionalität und Umweltverträglichkeit herauszustellen. Außerdem gilt es, Verbraucher für die Verwertung des ganzen Tieres zu gewinnen. Bisher sind die Kunden auf das Brustfilet fokussiert. Als Absatzmöglichkeit für weniger gefragte Geflügelteile wie Flügel oder Beine bietet sich der Außer-Haus-Markt an, aber auch die Verarbeitung von Babynahrung und anderen Convenience-Produkten.

Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Erwin Schmidbauer

Geflügel ist ein Bio-Irrweg!

Geflügel und Schweine sind direkte Nahrungskonkurrenten zum Menschen. Darum sind diese Tiere ein falscher Weg für den Biobereich. Einzig Suppenhühner und Bruderhähne sind in einer sinnvollen Biowirtschaft gut. Aber wie erklärt man das dem Verbraucher, der es gewohnt ist, alles zu bekommen und ein richtiges Wohlstandskind ohne Sinn für die Zusammenhänge ist????

von Jörg Meyer

An der Realität vorbei

Für Biogeflügel gibt 40 % Investzuschuss in manchen Bundesländern, dass Futter wird 4-mal so hoch subventioniert je kg als konventionelles und trotz allem ist der Preis 400% höher als der konventionelle. Auflagen wie Stallpflicht, Vogelsicherheit der Ställe (es wurden schon Geflügelbetrieb aus ITW geschmissen weil bei der Prüfung ein Wildvögelchen im Stall war) müssen die Bioställe nicht beachten. Der Amtsveterinär meinte nur zu mir bezüglich der Stallpflicht ich solle nicht soo gemeine Fragen stellen auf die er auch keine Antwort kenne! Um die Auslaufställe ist oftmals ein viel zu hoher Stickstoffeintrag je m2. Dann wäre da noch die Tiersicherheit anzusprechen, hier gehts um Brandschutz, Alarmanlagen zur Klimaüberwachung, erst vor kurzem sind mehrere hundert Legehennen im Mobilstall gestorben, weil jemand den Stromstecker gezogen hatte.....Und das Wichtigste: Hofer Österreich stellt seine Biogeflügelschiene z.T. ein weil es nicht wirtschaftlich ist. Und bei der Schweizer Volksabstimmung letzten Monat sind die Befürworter für artgerechter Haltung mit Außenschutz und garantieren Lohn für die Tierhater hinten runter gefallen bzw, haben die Abstimmung verloren. Dieses ganze Lügengerüst ist schon ein wenig verwunderlich bei all den Tatsachen! Wenn man schon eine Studie vorlegt, sollte man auch die statistische Signifikanz berechnen und mit ausweisen, damit jeder sehen kann wie sicher die Aussagen der Studie aufs normale Leben übertragen werden kann!

von Harald Finzel

Das größte Wachstumshemmnis der Öko-Geflügelhaltung wird (warum wohl?!) nicht angesprochen: Der Kuschelkurs der "alternativen" Verbände mit Grünen und NGOs. Schließlich sind diese maßgeblich für die Stimmungmache gegen Ställe und Schlachthöfe verantwortlich. Wenn man jahrelang gegen Emissionen aus konventionellen Ställen wettert, wohl wissend, dass ein Bio-Stall auch nicht nach Rosen duftet, braucht man sich nicht zu wundern, wenn einem die eigene kurzsichtige Klientelpolitik irgendwann auf die Füße fällt!

von Jürgen U. Elke Dippel GbR

Baut doch Mal selber einen Stall,dann werdet ihr merken das euer gelaber mit der harten Realität aber auch nichts zu tun hat.

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