Kommentar

Neuer Landwirtschaftsminister: „Özdemir hat eine Chance verdient“

Mit Cem Özdemir wird ein fachfremder Vegetarier Hausherr im Bundeslandwirtschaftsministerium. Kann das gut gehen? Warum eigentlich nicht? Ein Kommentar.

Die Personalien stehen. Und die erste Euphorie darüber, dass der Branche mit Cem Özdemir ein Hardliner wie Anton Hofreiter als Agrarminister erspart blieb, ist kaum verflogen. Da kehrt auch schon die erste Ernüchterung ein.

Fachfremd und nur ins Amt getragen durch ein starkes Erststimmenergebnis in Stuttgart und eine Machtdemonstration des Realo Flügels, hadert mancher mit dem künftigen Hausherrn im BMEL. Dieser bezeichnet sich selbst als „anatolischen Schwaben“ und ernährt sich auch noch vegetarisch.

Bislang verbinden die meisten Menschen mit ihm, abgesehen von ein paar Hanfpflanzen auf der Dachterrasse und ein paar sehr unglücklichen Äußerungen zum „Rüssel-Abschneiden“ bei Schweinen, herzlich wenig mit den Themen Ackerbau und Viehzucht.

Sachkundenachweis für Minister?

Wie passt das zusammen, fragt sich so mancher Praktiker. Und es entbehrt tatsächlich nicht einer gewissen Komik: Jeder Betriebsleiter, der ein paar Tiere halten oder eine Pflanzenschutzspritze bedienen möchte, muss diverse Sachkundenachweise erbringen.

Wer als Minister, den gesetzlichen Rahmen für mehr als 260.000 landwirtschaftliche Betriebe mitbestimmt, dem genügt das passende Parteibuch. Wo bleibt der Stallgeruch, das Fachwissen über Landwirtschaft, die Begeisterung für die Lebenswirklichkeit auf dem Land?

Und damit wir uns richtig verstehen: Alles...


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