Neuer regionaler Raiffeisenverband Westfalen-Lippe hat sich etabliert

Im Jahr 2014 haben die Waren- und Viehvermarktungsgenossenschaften in Westfalen-Lippe den neuen regionalen Raiffeisenverband Westfalen-Lippe (RVWL) als Berufsverband gegründet. Besonderheit ist die absolute Spezialisierung auf Mitglieder aus dem Agrarbereich. Der neue Verband hat sich inzwischen etabliert.

Im Jahr 2014 haben die Waren- und Viehvermarktungsgenossenschaften in Westfalen-Lippe den neuen regionalen Raiffeisenverband Westfalen-Lippe (RVWL) als Berufsverband gegründet. Besonderheit ist die absolute Spezialisierung auf Mitglieder aus dem Agrarbereich, also auf Genossenschaften, Kooperationen und Dienstleister aus der Landwirtschaft – ohne Banken und Gewerbe.
 
Am Freitag nun stellten Geschäftsführer Dr. Christian Degenhardt, Wirtschaftsprüfer Frank Niemer, Berater Dr. Martin Spielhoff und Johan Prümers, ehrenamtlicher Vertreter der Landwirte, in Münster fest, dass der Start gelungen sei. „Wir haben uns als Beratungs-, Betreuungs- und Prüfungsverband für Genossenschaften etabliert“, so Niemer. Inzwischen seien 66 Genossenschaften – überwiegend aus dem Agrarhandel – Mitglied.

Für 50 habe der RVWL bereits ein Prüfungsmandat. Im Verband tätig sind 15 Mitarbeiter. Acht davon arbeiten im Wirtschaftsbereich, der mit drei Prüfern besetzt ist, erklärte der Vorstand, der aus zwei hauptamtlichen und einem ehrenamtlichen Mitglied besteht. Der Aufsichtsrat dagegen sei zur Hälfte aus einem „starken Hauptamt“ und dem Ehrenamt besetzt, die auf Augenhöhe eng zusammenarbeiten würden, wie Johann Prümers betonte.
 
Auch finanziell stehe der RVWL auf einem festen Fundament. Trotz erheblicher Startinvestitionen konnte das Geschäftsjahr laut Niemer mit einem Ergebnis von 115.000 Euro abgeschlossen werden. Das Geld dient als Rücklage für den weiteren Aufbau des Verbandes. Für das kommende Jahr erwarte man einen Umsatz von 1,3 Mio. Euro, für 2020 bereits 1,4 Mio. Euro. Die Mitgliedsunternehmen seien mit zusammen 3 Mrd. Euro Umsatz sehr stark und verfügten über eine hohe Eigenkapitalquote, ergänzte Dr. Dehenhardt.

Wichtig ist dem neuen Verband aber zu betonen, dass man nicht als Wettbewerber gegen die bestehenden Raiffeisenverbände angetreten sei. Vielmehr wolle man als Partner und Ergänzung zu diesen explizit den Agrarbereich als Spezialist abdecken. Das Serviceangebot reiche dabei von Beratung (Betriebswirtschaft) über Betreuung (Politik- und Lobbyarbeit) bis hin zum Prüfbereich.

Normal sei daher, dass es einige Doppelmitgliedschaften von Genossenschaften gebe. Neue Mitglieder erhofft sich der RVWL durch Neugründungen von Genossenschaften wie z.B. Netzgemeinschaften für den Internetausbau, Dorfkooperationen, landwirtschaftliche Einkaufsgemeinschaften oder Kooperationen von Landwirten untereinander, z.B. in der Schweinehaltung. „Wir stellen fest, dass bereits eine große Zahl von Genossenschaften die genossenschaftliche Prüfung hin zum RVWL verlagert hat“, so Degenhardt. Darüber hinaus stehe den Mitgliedern ein externer Datenschutzbeauftragter zur Verfügung.

Strukturwandel bei Genossenschaften hat seinen Zenit erreicht
 

Johann Prümers

Johann Prümers mahnt, dass die Genossenschaften in Zukunft ihre Kostenstrukturen in den Griff bekommen müssen. Größe sei dabei nicht alles. (Bildquelle: Deter)

Insgesamt betrachtet erwartet der Vorstand weitere Fusionen bei den deutschen Genossenschaften, wobei der Strukturwandel insbesondere bei den Warengenossenschaften sein Limit erreicht haben könnte. „Immer größer werden ist nicht alles“, so Prümers, der teilweise schon gegenläufige Tendenzen auf dem Markt erkennt.

„Manche Landwirte gründen eigene Gemeinschaften.“ Jetzt gehe es darum, die Strukturen der Genossenschaften zukunftsfähig zu machen, aufzuräumen und neu zu gliedern. Viele, wie etwa Agravis oder BayWa, würden zudem eigene Plattformen entwickeln, um global handeln zu können. „Manche Primärgenossenschaften starteten mit ihren eigenen Lösungen durch, vorbei an der Zentrale“, so Pümers weiter. Spannend sei, welches System sich am Ende durchsetzt. „Die Zuordnung zur Kostenstruktur ist entscheidend, ebenso wie eine gute Bindung zu den Landwirten.“
 
Nach CMA Aus: Neue Marketinggesellschaft der Bauern startet

Zusammen mit dem Bauernverband WLV startet der Raiffeisenverband Westfalen-Lippe zum 1. Juli 2018 seine neue Marketinggesellschaft. Ziel soll sein, den Verbrauchern ein positives Bild von der Landwirtschaft zu vermitteln. Besonderheit: Es soll ausschließlich von den Bauern getragen sein, Industrie und Handel seien außen vor – sie sind z.B. im Forum Landwirtschaft um die Öffentlichkeitsarbeit bemüht.
 

Pressegespräch im Landwirtschaftsverlag Münster

Pressegespräch im Landwirtschaftsverlag Münster (Bildquelle: Deter)

Mit im Boot ist die Mischfutterbranche. Sie sammelt auf freiwilliger Basis von den Landwirten 1 Euro pro Tonne Mischfutter ein und leitet es an einen Fonds weiter. Aus diesem würden Marketingprojekte für die Landwirtschaft finanziert. Zusammen mit Agenturen soll es ansprechende Bildkampagnen (Plakate, Medien) sowie Aktionen in den Sozialen Netzwerken geben. Unter dem Motte „Landwirt Schafft Leben – Verantwortung für Veränderung“ will sich die Landwirtschaft in der Region Westfalen-Lippe präsentieren. In einem späteren Schritt sei denkbar, das Konzept bundesweit auszurollen und mit den Kampagnen von Forum Landwirtschaft zu verbinden, erklärte Degenhardt.

Wie die Bauern zu der freiwilligen Abgabe stehen, würden die Hauptversammlungen der Genossenschaften zeigen, erklärte der Geschäftsführer weiter. Dabei gebe es zwei Wege: Bei einigen Unternehmen würden die Genossen über die Entscheidung der Aufsichtsräte und Vorstände informiert, an dem Projekt teilzunehmen, während andere Genossenschaften die Hauptversammlungen direkt über eine Teilnahme abstimmen lassen wollten.

Auf die Frage, ob es denn nicht zu Diskussionen zwischen teilnehmenden und nichtteilnehmenden Landwirten kommen könnte, erklärte der RVWL-Vorstand, dass es Gerechtigkeit hierbei nicht geben könne. Man setze aber darauf, dass es eine soziale Kontrolle spricht Solidarität unter den Bauern geben werde, weil schließlich alle von den eingezahlten Fondsgeldern profitieren würden.


Diskussionen zum Artikel

von Gerd Uken

Schon komisch was da wieder in Sachen

Marketing Finanzierung ausgetüftelt haben Zwangsabgabe nennt man so etwas, gab es hier zu Lande auch schon mal über unsere Molkereien die finanzierten dann den Berufsverband der 90% der Bauern vertreten will. Ein Schelm der Böses denkt?!

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