Neues Fütterungskonzept reduziert Nitrat und Sojaeinsatz erheblich

Josef Bunge, langjähriger und erfahrener Fütterungsberater der Landwirtschaftskammer NRW, hat ein neues und innovatives Fütterungskonzept entwickelt. Im Ergebnis könnten damit bei der Nutztierhaltung um bis zu 30% weniger Stickstoff anfallen und gleichzeitig der Anteil Soja im Futtermittel um bis zu 50 % reduziert werden.

Um bis zu 30 % weniger Stickstoffanfall sind möglich, indem ein neues Fütterungskonzept die N-Ausscheidungen der Nutztiere (auch die Phosphor-Ausscheidungen) über die Gülle erheblich senkt. "Das neue Fütterungskonzept dient der Reduktion der N-Ausscheidungen und somit auch anteilig der N-Ausbringung aus tierischer Herkunft auf die Böden. Es kann damit auch zu einer Reduzierung der N-Einträge in die Gewässer führen", sagt Josef Bunge von der Landwirtschaftskammer NRW. "Damit dient es letztendlich auch noch dem Grundwasserschutz."

Ebenso dient es der Reduktion der Ammoniakemissionen aus der Landwirtschaft aus Sicht des Klimaschutzes. Deutschland hat sich innerhalb der EU-NERC-Richtlinie dazu verpflichtet, seinen Ammoniakausstoß bis zum Jahr 2030 gegenüber dem Basisjahr 2005 um 29 % zu vermindern. Stickstoff, der nicht gefüttert wird, kann auch nicht zu Ammoniak umgewandelt werden.

Ein weiterer Diskussionspunkt bei der Fütterung von Nutztieren ist der Sojaanteil im Futter. Ziel des Fütterungskonzeptes ist es, den Sojaanteil im Ferkel- und Vormastfutter in etwa zu halbieren, in der Endmast kann unter bestimmten Voraussetzungen komplett auf den Sojaeinsatz verzichtet werden. Dadurch ist eine Reduktion des Sojaanteils in der gesamten Mast um über 50 % zumindest möglich. Bei breiter Umsetzung in der Landwirtschaft verringern sich die notwendigen Sojaimporte aus Übersee erheblich - 1,75 Mio. Tonnen Sojaimporte pro Jahr nach Deutschland könnten wegfallen.

Um bei der Sojaschroteinsparung dennoch den Aminosäurebedarf des Tieres decken zu können, werden durch ein Maßnahmenpaket die Ergänzungs- und Mineralfuttermittel in ihrer Zusammensetzung verändert, wobei insbesondere freie Aminosäuren zur Ergänzung verwendet werden, die dem Tier zu 100 Prozent verfügbar sind.

Der abgesenkte Eiweißgehalt im Futter schont den Stoffwechsel der Tiere, da die Tiere den überschüssigen Stickstoff nicht mehr Stoffwechsel-belastend ausscheiden müssen. Dadurch kann der Wasserverbrauch sinken und damit ebenfalls die anfallende Güllemenge. Die Umsetzung dieses Konzeptes fand unter anderem auf landwirtschaftlichen Lieferbetrieben der Firma Tönnies statt. Die Schlachtausbeuten wurden bei Tönnies laufend überprüft und kontrolliert. Gute bzw. nicht abfallende Ergebnisse geben der Firma Tönnies den Anlass, dieses neuartige Fütterungskonzept nun bei ihren Vertragspartnern zu forcieren. In diesem Rahmen wird es als "TONISO"-Fütterung (tieroptimiertes-, nitrat- und soja-reduziertes Fütterungskonzept) bezeichnet.

"Das ist ein echter Durchbruch, um landwirtschaftliche Tierhaltung zukunftsfest für Umwelt und Klima aufzustellen. Die Potenziale bei der Nitrat-Reduktion sind enorm. Wir werden alles daransetzen, um das Konzept gemeinsam mit unseren Lieferanten in Zukunft flächendeckend umzusetzen," sagt Dr. Wilhelm Jaeger, Leiter der Stabstelle Landwirtschaft bei Tönnies.

Zurzeit werden mehrere tausend Schweine pro Woche bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück angeliefert, die bereits nach den innovativen Fütterungskonzepten gemästet worden sind. Diese Zahl soll nun kontinuierlich steigen. "Wir sind davon überzeugt, mit dem TONISO-Konzept einen großen Beitrag für die nachhaltige Entwicklung der Nutztierhaltung in Deutschland zu leisten", sagt Dr. Jaeger.

Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

Schreiben Sie Alfons Deter eine Nachricht


Diskussionen zum Artikel

Kommentar schreiben

von Gerhard Steffek

So ein Mist aber auch -

da verspricht Junkers dem Donald mehr Soja zu importieren und dann schießt ihm so ein dämlicher Schweineschlachter quer. Das geht ja schon gar nicht. Das wird Donald auch nicht gefallen. Tja, man kann nicht alles haben. Da müssen dann mal Prioritäten gesetzt werden. Machen wir halt aus dem "überflüssigem" Soja Tofu. Hauptsache die Bauern sind dann nicht mehr schuld an dem "übermässigen" Import an Soja. Obwohl - dann können ja der BUND, Greenpeyce und Co. nicht mehr maulen. So ein Mist aber auch. Wie man es dreht und wendet.....

von Franz Josef Aussel

50% mehr Soja

Die EU möchte 50% mehr Soja aus den USA einführen, um Donald Trump gnädig zu stimmen! Wo bleiben wir damit?

von Hubertus Berges

Genaue Zahlen bitte

Worüber reden wir hier? N P reduziert? Stark N P reduziert? Sehr stark N P reduziert? Wenn man sehr stark N P reduziert mit der Universalvariante vergleicht, ist die Reduzierung schon beachtlich. Oder geht dieses neue Konzept noch darüber hinaus?

Diskutieren Sie mit

Tragen Sie mit Ihrem Beitrag zur Meinungsbildung zu diesem Artikel bei.

Sie müssen sich anmelden um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen