Nicht zum Nulltarif: Schweinehalterin präsentiert Wellnessstall

Gabi Mörixmann aus Melle hat ihren 37 Jahre alten Schweinestall als Themenstall für 875 Schweine in der Großgruppe umgebaut – mit Ruheraum, Duschen, Bällebad, Frischluftterrasse und einem Futterbüfett mit Kraftfutter, Maissilage, Heu und Stroh zur freien Auswahl.

Gabi Mörixmann aus Melle hat ihren 37 Jahre alten Schweinestall als Themenstall für 875 Schweine in der Großgruppe umgebaut – mit Ruheraum, Duschen, Bällebad, Frischluftterrasse und einem Futterbüfett mit Kraftfutter, Maissilage, Heu und Stroh zur freien Auswahl.
 
Gern hätte sie mit diesem Stall am Tierschutzlabel des Deutschen Tierschutzbunds teilgenommen, das scheiterte jedoch am Aufnahmestopp bei der Vermarktung**, berichtet das Wochenblatt Westfalen-Lippe von der Fachtagung des Zentralverbands der Deutschen Schweineproduktion (ZDS), wo die Landwirtin einen Film zeigte.
 
Dass zwischen vollmundigen Erklärungen in Umfragen und tatsächlichem Kaufverhalten eine Lücke klafft, hatte die Agrarökologin schon bei der Geflügelmast erlebt. Nach anderthalb Jahren Produktion für das Tierschutzlabel war für Familie Mörixmann Schluss – weil der Absatz fehlte.
 
Und bei aller Begeisterung für ihren ungewöhnlichen Stall bleibt Gabi Mörixmann Realistin: „Zum Nulltarif kann ich Tierwohl nicht anbieten.“ Denn für das Verteilen des Raufutters, das Einstreuen der Liegeflächen und Misten der Kotecken braucht sie vier Stunden pro Tag.
 
Zudem sind die Futterkosten höher und das Mehr an Bewegung schlägt sich in der Futterverwertung nieder, sodass Gabi Mörixmann auf Mehrkosten von 15 Cent/kg kommt. Ihre Erfahrung mit Besuchern sind sehr positiv: „Wenn diese sehen, dass ich mich den Herausforderungen stelle, ist das Vertrauen da.“ Durch die Frischluftterrasse riecht es rund um den Stall zwar stärker.

Prof. Birner: Mehr Dialog und Umbau der Haltung nötig

Auch Prof. Regina Birner von der Universität Hohenheim ist sich sicher, dass die Schweinehalter nur im Dialog für mehr Zustimmung bei Verbrauchern sorgen können, wie eine Studie der Fachhochschule Südwestfalen zeigt. Demnach stehen Verbraucher Stallneubauten positiver gegenüber, wenn sie das Thema gemeinsam mit Landwirten diskutieren. Bleiben sie unter sich, lehnen sie moderne Schweinehaltung eher ab.
 
„Die Diskussion um Massentierhaltung geht in weiten Teilen fehl“, so Prof. Birner weiter. Sie hat als Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des BMEL an dem umstrittenen Gutachten zur Nutztierhaltung mitgearbeitet. Darin wird bekanntlich ein radikaler Wandel der Haltungsformen gefordert. Damit die Tierhaltung nicht aus Deutschland abwandert, sollen die tierschutzbedingten Mehrkosten von 3 bis 5 Mrd. Euro durch eine Umverteilung der EU-Direktzahlungen zugunsten der Tierhalter aufgefangen werden.
 
Dass sich das in der EU durchsetzen lässt, bezweifelten aber viele der rund 200 Zuhörer bei der ZDS-Tagung. „Wenn überzogene Forderungen zu Rahmenbedingungen werden, steigen die Schweinehalter aus, wie das Beispiel Schweden und Großbritannien zeigt“, warnte ZDS-Vorsitzender Paul Hegemann. In die gleiche Kerbe schlug der ehemalige niedersächsische Landwirtschaftsminister Uwe Bartels. „Setzen Sie landwirtschaftliche Boomregionen wie das Oldenburger Münsterland nicht leichtfertig aufs Spiel!“

** einen Aufnahmestopp gibt es beim Tierschutzlabel nicht, allerdings offenbar einen Aufnahmestopp bei der Vermarktung, wie Gabi Mörixmann das sowohl bei den Hähnchen als auch bei den Mastschweinen erlebt hat. Sie hat bei den Mastschweinen daher nicht in das Label investiert.

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