NRW will Vorreiter beim Klima- und Artenschutz werden

NRWs Ministerpräsident Laschet will zeigen, wie Klima- und Artenschutz mit der Wirtschaft gehen. Sein Land soll Vorreiter werden. Die Bauernverbände signalisieren Unterstützung.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) will den Erhalt biologischer Vielfalt und den Klimaschutz zu einem zentralen Thema für die Landesregierung machen. „Unser Anspruch ist es, als Vorreiterland in Deutschland zu zeigen, dass erfolgreicher Klimaschutz und ein starker Wirtschaftsstandort so verbunden werden können, dass wir überzeugende und nachhaltige Antworten auf die Herausforderungen der Energiewende und des Klimawandels geben können,“ sagte er bei einer Tagung der Landesregierung zum Thema „Insekten schützen – Artenvielfalt erhalten“ heute in Düsseldorf. Den Klimawandel bezeichnete er als einen „wesentlichen Faktor für den Artenschwund“.

Landesregierung sieht sich auf gutem Weg

Die Agrar- und Umweltministerin von NRW, Ursula Heinen-Esser (CDU), nannte den Verlust der biologischen Vielfalt „die gegenwärtig größte ökologische, aber auch ökonomische Bedrohung“. Dort, wo die Ursachen bekannt sind, habe die Landesregierung bereits umfangreiche Maßnahmen ergriffen, um die Abnahme der biologischen Vielfalt abzubremsen, rechtfertigte sich Heinen-Esser. Das Landesnaturschutzgesetz und die Biodiversitätsstrategie NRW formulierten Maßnahmen auf der gesamten Landesfläche. Diese wolle sie nun weiter optimieren. Dabei nannte sie auch die Förderung von Agrarumwelt- und Vertragsnaturschutz-Maßnahmen für Landwirte. Im Jahr 2018 beantragten mehr als 10.500 Betriebe in NRW eine Förderung für die Umsetzung einer oder mehrerer Agrarumweltmaßnahmen auf mehr als 220.000 Hektar, berichtete sie.

Verzicht auf Totalherbizide auf Staatsflächen wird geprüft

Blühstreifen auf Ackerflächen sollen verstärkt gefördert werden. Ziel von NRW sei eine Verdoppelung der heutigen Blüh- und Schonstreifenflächen auf deutlich über 10.000 ha. Das Angebot der Biodiversitätsberatung der Landwirtschaftskammer soll in enger Kooperation mit den Biologischen Stationen flächendeckend ausgebaut werden. Das Land prüfe außerdem die Möglichkeit der Aufnahme einer Selbstverpflichtung bei der Bewirtschaftung staatlicher Flächen, u. a. den Verzicht auf Totalherbizide, hieß es weiter. "Wir können und müssen uns auch in Nordrhein-Westfalen noch besser aufstellen, um die erforderlichen Maßnahmen gegen das Insektensterben gemeinschaftlich umzusetzen", sagte Heinen-Esser.

Bauernpräsidenten warnen vor einem Zerwürfnis

„Wir Landwirte nehmen unseren Teil der Verantwortung für die Förderung der Insektenvielfalt an“, teilten Bernhard Conzen und Johannes Röring, die Präsidenten der nordrhein-westfälischen Bauernverbände RLV und WLV anlässlich der Insektentagung in Düsseldorf mit. Beide Präsidenten appellierten an die Verantwortlichen in Politik und Verbänden, es nicht zu einem Zerwürfnis zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft kommen zu lassen. Biodiversität und Naturschutz seien nicht teilbar, sondern eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung. Conzen und Röring erinnerten daran, dass die konstruktive Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Naturschutz in NRW trotz in einigen Bereichen bestehender Meinungsunterschiede seit langem gut funktioniere. So etwa habe man bei der Diskussion um das Landesnaturschutzgesetz in strittigen Fragen gemeinsam sinnvolle Lösungen gefunden. Beispielhaft sei die Einigung beim Schutz von Streuobstwiesen. Mit einem klugen Ansatz sei es gelungen, den Schutz der Streuobstwiesen voranzubringen, ohne die Entwicklungsmöglichkeiten landwirtschaftlicher Betriebe zu beeinträchtigen. Gleichgerichtete Auffassungen vertrete man etwa auch bei der Beurteilung des ungehindert fortschreitenden Flächenverbrauchs in NRW.

Bereitschaft für offenen Diskurs zur EU-Agrarreform

Beide Präsidenten sehen gute Chancen, die bevorstehende Reform der Europäischen Agrarpolitik in beiderseitigem Interesse zu nutzen. Die Grundlage dafür habe man im vergangenen Herbst bereits gelegt. Landwirtschaft und Naturschutz hätten sich unter Moderation von Ministerin Heinen-Esser zu einem gemeinsamen Papier verständigt, in dem ein Mehr für die Biodiversität bei gleichzeitiger Einkommenssicherung für die Landwirtschaft als gemeinsames Ziel definiert wurde. „Wir sind bereit zu einem offenen Diskurs mit Politik, Wissenschaft und Gesellschaft, wie man bestehende Defizite im Arten- und Klimaschutz beheben kann“, so Conzen und Röring. Sie unterstützen den von Ministerpräsident Laschet und Ministerin Heinen-Esser mit der heutigen Tagung eingeschlagenen Weg, alle gesellschaftlichen Gruppen an einen Tisch zu bringen.

Die Redaktion empfiehlt

Premium

In Nordrhein-Westfalen (NRW) haben Landwirtschafts-, Bio- und Umweltverbände eine gemeinsame Position zur EU-Agrarreform ab 2020 geschmiedet. Es könnte eine Blaupause für eine Einigung auf...

Artikel geschrieben von

Stefanie Awater-Esper

Korrespondentin Berlin

Schreiben Sie Stefanie Awater-Esper eine Nachricht


Diskussionen zum Artikel

Kommentar schreiben

von Henrik Plaas-Beisemann

Eine muss man der Landesregierung auch mit auf den Weg geben

Die Fördersätze für das nächste Programm ländlicher Raum dürfen bei den AUMs nicht sinken. Das wäre mit einem eklatanten Vertrauensverlust verbunden.

von Henrik Plaas-Beisemann

Ein paar Einordnungen zu den Kommentaren

Bahngleise: Tatsächlich gibt es zwei Arten von Bahngleisen, die der DB und die der Regionalbahnen. Die DB hat auf Bundesebene eine Zulassung für Herbizide auf den Bahngleisen. Regionalbahnen würden diese von dem Landesämter oder Kammern erteilt bekommen. Das wäre den Länderregierungen anzulasten, allerdings werden diese Zulassungen nicht erteilt. Das kann vielleicht in irgendeinem Bundesland im Einzelfall sein. In NRW ist mir kein Fall bekannt. Beratung: Es ist doch gut, wenn es eine Biodiversitätsberatung gibt. Agrarumweltmaßnahmen sind doch nichts schlechtes. Viele Bauern stehen dem Thema offen gegenüber, scheuen aber die Anlastungsrisiken. Das Problem lässt sich durch Beratung und Begleitung abmildern. Das Thema gehört auch in die Hand der Kammer hier Sitz der landwirtschaftliche Sachverstand, der die sinnvollen Dinge in jedem einzelnen Betrieb aufzeigen kann. Das funktioniert in einigen Modellregionen wie der Zülpicher Börde oder in Steinfurt sehr gut.

von Guido Müller

Früher war alles besser!

Das meine ich allen Ernstes, wenn es um die Tierarten betrifft. Als ich meine Lehre als Landwirt 1969 begonnen habe, gab es "hardcore" Spritzmittel. Von Artensterben / Bienensterben war damals nicht zu spüren. Nach den beiden Weltkriegen war JEDER froh, dass die "arme Zeit" überstanden war. Es geht uns, besonders den Jungen, heute zu gut. Die Alten, die den Klimawandel verursacht haben sollen, ermöglichen den jungen Leuten erst dieses Leben. "Bauer Willi" hat auf die Ursachen des Artensterbens hingewiesen. Auch die Viehhaltung im privaten Bereich von Schweinen, Hühnern und Tieren haben den Insekten jede Menge Lebensgrundlage gegeben. Dies zeigt sich an den damaligen Bestand im Sommer an Schwalben. Möglicherweise werden durch die Schnakenbekämpfung einzelnen Vogelarten ebenfalls Nahrungsmittel entzogen. Keine Erforschung zur Insektenvernichtung durch die Autos sind mir bekannt.Dies würde fast alle Bevölkerungsschichen betreffen. Es ist nicht bekannt, wieviel Tonnen an Insekten jährlich am Blech und den Autoscheiben kleben bleiben. Selbstverständlich bin ich auch Autofahrer, aber an meinen Schleppern habe ich noch keine Insekten gefunden. Politker in öffentlichen Diskusssionen werden von den von den Klima- und Artenschützern vor sich her getrieben und sehen aus wie dumme Schuljungen. Die Politiker schaffen es nicht, sich entsprechendes Wissen anzueignen und entsprechend zu reagieren. Dies trifft noch stärker auf unsere Berufvertretung zu. Die Umwelt- und Klimafolgen der beiden Weltkriege wurden meines Wissens niemals erforscht. Hier wurde die Umwelt mit Millionen Tonnen von Bomben mit Sprengstoff und über Jahre belastet. Hinzu kommen die verheerenden Brände von ganzen Städten und Landstrichen in gesamt Europa und den sowjetischen Raum. Gab es deshalb die nachfolgenden kalten Jahre, die heute zum Vergleich des Klimawandels herangezogen werden, bzw. in die Bewertung einfließen? Auch das Nitratproblem wird nur oberflächlich betrachtet. Es gibt Waldgegenden mit hohen Nitratgehalt im Boden, der auf Lufteintrag zurückzuführen ist. Hier ist auch der Luftverkehr maßgeblich beteiligt. Die CO2 Belastung wird teils auch der Landwirtschaft angelastet, die unsere Lebensmittel für alle Bürger produziert. Keiner redet davon, wie die CO2-Bilanz einer Katze oder eines Hundes ist. Pferde fallen hier sehr stark ins Gewicht, Katzen sind etwa bei einem Kleinwagen anzusiedeln. Nachzulesen bei : CO2-Bilanz Haustiere. Bei der steigenden zahl an Kuscheltieren dürfte dies nicht außen vor bleiben. Zu den aktuellen Demonstrationen kann man nur sagen, dass Schüler erst einmal lernen sollten neutral zu recherchieren, um sich dann eine Meinung bilden zu können. Bisher sind dies alles nur nicht konkrete Äußerungen, die von Rattenfängern ausgegeben werden. Jeder geforderte Radweg ist eine zubetonierte Fläche, die keine Umwelt zulässt - Straßen ebenso wie jedes einzelne neue Wohnhaus. Da hilft auch keine energetische Maßnahme, die im Rahmen der Umwelt hierbei gefordert wird. Hier könnten stundenlang weitere Argumente beigefügt werden.

von Wilhelm Grimm

ZWEI GRETAS FÜR NRW RETTEN DIE WELT !

Niedlich sehen die Beiden aus mit ihren perfekten Bienenhotels. Soll das Werbung für die CDU oder für die GRÜNEN sein? Fangt endlich damit an, die Gretas mit Argumenten zu entlarven, die könnt ihr dann meinetwegen nett verpacken.

von Jens Haman

oh, wie intelligent, oh wie schön,....

von Gerd Uken

Totalherbizidvericht auf Staatsföächen

Das ein toller Vorschlag man könnte ja Bodendecker zwischen den Bahngleisen aussääen..... Stellt dann noch Bienenkörbe auf und in NRW ist die Welt wieder i.O. Alles wird Gut!!!

von Siegfried Weicker GbR

Sofortiges Verbot von Totalherbiziden auf Bahngleisen !!!

Bahngleise sind auch Staatsflächen !! NRW sollte sofort loslegen ,damit wir alle was zu lachen haben !

von Hans-Heinrich Meyer

Die ganze Diskussion ist unehrlich

Solange die gesamtgesellschaftlichen Kosten in dieser Diskussion nicht genannt werden und keine Beachtung finden ist es eine unlauteren Diskussion. Nur ein kurzes Beispiel: 10000ha Blühstreifen bedeuten rund 70000 Tonnen Getreide weniger. Diese fehlen auf der Erde jedes Jahr. Im schlechtesten Fall werden sie dann woanders auf frischgerodeten Flächen produziert, mit allen negativen Folgen für Klima, Artenvielfalt.... Überspitzt gesagt: NRW oder auch Deutschland sollte ganz aus der Fächenbewirtschaftung aussteigen, dann sind wir ganz Vorne nach dieser beschränkten Denke. Der einzige vernünftige Weg um Klima und Artenvielfalt zu schonen ist intensivste Landnutzung. Das gilt meiner Meinung nach auch für die Tierhaltung.

Diskutieren Sie mit

Tragen Sie mit Ihrem Beitrag zur Meinungsbildung zu diesem Artikel bei.

Sie müssen sich anmelden um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen