Öko, Kanzler-Hoffnung & Familienvater

Habeck: „Ich erwarte keine besseren Menschen, ich erwarte bessere Politik“ Premium

Robert Habeck hat top agrar im Oktober für die Rubrik „5 Fragen an…“ Rede und Antwort gestanden.

top agrar: Herr Habeck, wie haben Sie als Landwirtschaftsminister die Bauern in Schleswig-Holstein erlebt?

Habeck: Als dickköpfig und selbstbewusst, aber auch als zugewandt und vor allem absprachetreu. Aus harten Konflikten entstand ein streitbares, aber vertrauensvolles Miteinander.

top agrar: Heute fühlen sich viele Bauern von ihrer Partei persönlich angegriffen.

Habeck: Ich weiß. Begriffe wie Massentierhaltung oder Agrarwende klingen wie eine Kampfansage. Ich hätte aber ein hohes Interesse daran, dass keine persönliche Schuld-Debatte, sondern eine Veränderungs-Debatte geführt wird. So habe ich es auch als Minister versucht.

top agrar: Halten Sie die Landwirtschaft in ihrer heutigen Form für überholt?

Habeck: Ich erkenne an, dass die Landwirtschaft über Jahrzehnte das geleistet hat, was die Gesellschaft wollte: Gute Lebensmittel in hoher Qualität zu günstigsten Preisen. Damit haben die Bauern unseren Wohlstand erst möglich gemacht. Ich wäre froh, wenn die Branche jetzt erkennt, dass das, was vor 50 Jahren richtig erschien, heute Probleme aufwirft.

top agrar: Was meinen Sie damit?

Habeck: Ich halte die Nutztierhaltung in ihrer heutigen Form für nicht zukunftsfähig. Die gesellschaftlichen Erwartungen und der bestehende Zustand lassen sich nicht in Übereinstimmung bringen. Ich weiß aber auch: Aus Sicht der Landwirte muss das eine teilweise unverständliche Diskussion sein, weil sie ihre Tiere jeden Tag nach Recht und Gesetz halten.

top agrar: Was schlagen Sie also vor?

Habeck: Im Moment gibt das System vor: Fahrt Vollgas. Ich finde, wir sollten das Tempo langsam abbremsen. Einen Weg finden, wie wir in einem nachhaltigen System Ernährungssicherheit für Konsumenten und gleichzeitig gute Existenzbedingungen für Landwirte erreichen. Mein Vorschlag ist: Schaffen wir einen Markt für extensivere Produktion, für Umwelt, für Klimaschutz. Solche Leistungen der Landwirte müssen selbstverständlich auch vergütet werden. Diese Veränderung geht aber nur mit den Bauern gemeinsam.

top agrar: Viele Landwirte werfen den Grünen vor, technologie- und fortschrittsfeindlich zu sein.

Habeck: Den Vorwurf kenne ich. Aber ausgerechnet bei der Landwirtschaft irritiert er mich. Gerade dort setzen wir auf Technik, Fortschritt und Digitalisierung, damit Umwelt, Böden und Gewässer geschont werden und der Pestizid-Einsatz sinkt, z.B. durch kamerageführte Präzisions-Hack-Geräte. Grundsätzlich halte ich ein romantisches Bild der Landwirtschaft, im Sinne von „Früher war alles besser“, für Unsinn.

top agrar: Die grüne Gentechnik fällt für Sie nicht unter Fortschritt?

Habeck: Die klassische Gentechnik konnte ihre großen Versprechen nicht einlösen. Sie wird oft mit hohem Einsatz von Round-Up-Produkten gefahren und hat zu einem Verlust an Biodiversität und landwirtschaftlicher Vielfalt geführt. Vor allem stärkt sie die Monopolmacht der ohnehin schon großen Agrarkonzerne und bringt Landwirtinnen und Landwirte in Abhängigkeiten.

top agrar: Werden wir in Zukunft überhaupt darauf verzichten können, Pflanzen mittels moderner Gentechnik-Verfahren wie z.B. Crispr/CAS resistenter gegen Trockenheit oder Schädlinge zu machen?

Habeck: Eine sehr ernste Frage. Wir werden sicher eine neue Sortenvarianz brauchen. Derzeit haben wir vom Weinbau bis zum Weizen wenige Hochleistungssorten, die aber sehr anfällig sind. Viele der alten, derzeit nicht mehr angebauten Sorten, bieten die Chance, gegenüber Klimaveränderungen resistenter zu sein....

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Artikel geschrieben von

Kathrin Hingst

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Diskussionen zum Artikel

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von Christian Bothe

„Ökodiktatur?“

Liebe Redakteure, warum so dünnhäutig?Der Begriff und es ist nichts weiter wie dieses, wurde übrigens nicht vom Kommentator geprägt.Ich finde „Ökodiktatur“umschreibt genau das, was die Grünen durchsetzen wollen,speziell auf LW und den Klimaschutz gemünzt!Ob sich das inhaltlich in unserer Demokratie durchsetzen lässt, wird man sehen...Übrigens ist auch die AFD eine demokratisch gewählte Partei...

Anmerkung der Redaktion

... weil wir sachlich und fair bleiben wollen, um weiterhin mit allen Beteiligten aus Politik und Wirtschaft sprwechen zu können. Wird eine Gruppe über unsere Homepage regelmäßig beschimpft, reißt der Gesprächsfaden ab und wir können nicht mehr umfassend über und mit allen berichten

von Michael Behrens

An die Redaktion!

Ja, die Bauern bitten zu Tisch! Warum tun die Bauern es? Weil mit immer neuen Kampagnen, die eindeutig die Handschrift der Umwelt NGO's tragen, so intensiv und mit soviel Ungereimtheiten jeden Tag auf's neue mit Hilfe der Medienbranche brachial gegen die Landwirtschaft geführt werden! Dann zu der demokratischen Partei, die mit immer neuen Verbots Ideen daher kommen! Habeck versucht sympatisch rüber zu kommen, doch schaut man sich das Programm der "demokratischen" Partei an, wird einem klar, mir zumindest, das alles, aber auch wirklich alles der Klima Hysterie unterworfen werden soll! Einschränkungen bis in die persönlichen Bereiche jeden Einzelnen. Mit Verboten und fest verankerten Illusion für alle produzierenden Bereiche inklusive Landwirtschaft! Die sichere Ernährung mit super hergestellten Lebensmittel zu den besten Sozialen- und Umweltbedingungen auf diesem Planeten wird leichtfertig aufs Spiel gesetzt, ebenso die verlässliche und bezahlbare Energieversorgung! Die komplette Wirtschaft wird runter gefahren! Es hat niemand behauptet, dass man nicht bereit wären sich weiter zu entwickeln, im Gegenteil, der technische Fortschritt kam immer aus kreativen Ideen und nicht aus staatlichen Vorgaben oder Verboten! Nochmal zu der demokratischen Partei, ja sie kann demokratisch gewählt werden, aber zwischen den Zeilen deren Programms ist es nicht mehr weit zu einer Ideologie die mit diktatorischen Systemen liebäugeln.

von Rudolf Rößle

Noch zur Politik

in kleinen Gemeinden werden zunehmend eigene Private Projekte gestartet und gestaltet. Kleine Dörfer sind so unbedeutend, dass man auf eine Förderung von Bauwünschen oder besserer Infrastruktur ewig warten kann.

von Rudolf Rößle

Top agrar

Diskussionsforum: Nicht mal in Industrieländern ist es möglich vollkostende Erlöse durchzusetzen. So könnten wir uns viele Diskussionen schenken, da ein neuer Stall in 8 Jahren schuldenfrei ist. Wer schon Dokumentationen über Kleidungsstücke verfolgt, hat wird feststellen, dass immer der billigste Erzeugerpreis angestrebt wird. Da kann man die Ware durch die ganze Welt schippern, um das zu erreichen. Ökonomie hat kein Gewissen. Rechte und höhere Entlohnung wird immer hart erkämpft. Bei uns dachte man eine zeitlang, dass Gewerkschaften überflüssig werden. Nun erstarken sie wieder, damit ökonomische Entscheidungen der Wirtschaft nicht zum Desaster für die Belegschaften wird. Daimler kann in Deutschland nicht einfach tausende rauswerfen. Die Bosse würden es aber machen, wenn unser Sozialstaat das nicht verhindern würde.

von Wilhelm Grimm

@ Freerk Buse,

Die Phoenix-Sendung habe ich anders wahrgenommen. Die Zwietracht in den Berufsstand hat ganz eindeutig Herr Ostendorf gebracht, der die Landwirte für das angeblich schlechte Grundwasser verantwortlich gemacht hat und den Einwand und den Hinweis von Herrn Andresen auf noch einige andere Nitrat- Eintrittspfade heftig widersprochen hat. Anschliessend hat Herr Ostendorf auf zwei Niederlagen Deutschlands vor dem EuGH massiv aufmerksam gemacht. Ich kenne Ökobauern, die sich nicht ständig auf Kosten der Konvis als die Gutmenschen aufplustern. Herr Andresen,der unseren Berufsstand gut vertreten hat, ist für meinen Geschmack zu ruhig geblieben. Er hätte ,wie auch die sympatische Frau Connemann, den von der TAZ-Redakteurin Herrmann behaupteten angeblichen N-Düngungsüberschuss von 77 kg. scharf zurückweisen müssen. Anscheinend fehlte beiden wohl das erforderliche Fachwissen. Wer in diese Sendungen geht, muß sich vorher von Profis vorbereiten lassen. Ansonsten hat unsere Branche sich gut geschlagen. Einen Tag zuvor habe ich auf Phoenix Herrn Krüsken vom DBV gesehen, der sich sehr gut geschlagen hat.Solche Diskussionen muß man üben, dann haben wir auch Erfolg.

von Thomas u. Helmut Gahse GbR

Der gestrichene Begriff

Vor 1 Monat warnte Verfassungsrichter a.D. Papir exakt vor diesem gestrichenen Begriff. Warum ist hier TA päpstlicher als der Papst oder paßt das vieleicht nicht in das Weltbild von Top Agrar.

von Michael Behrens

Wir stehen vor einer (...)!

Herr Habeck, erzählen Sie doch mal wie das Land ernährt werden soll? Ein Mensch verzehrt laut BMELV (2011) im Jahr 88,3 kg Getreideerzeugnisse, 62,1 kg Kartoffelerzeugnisse, 90,7 kg Gemüse, 120,3 kg Obst, 88,2 kg Fleischerzeugnisse, 137,2 kg Milcherzeugnisse, 47,3 kg Zuckererzeugnisse, 15,3 kg Fischerzeugnisse. Woher soll das alles in Zukunft kommen? Und zu welchen Produktions Bedingungen? Nachdem die Wirtschaft ruiniert ist, wird schlicht weg das Geld für Importe fehlen! Soll der Bürger dann anfangen in den Garten zu koten und darauf Kartoffeln pflanzen? So ist es zur Zeit in Nord Korea! An die Redaktion, warum fragt Ihr nicht wie der Bedarf an Nahrungsmittel in Zukunft gesichert werden soll?

Anmerkung der Redaktion

Das Wort "Ökodiktatur" haben wir gestrichen. Wir werten dies als unsachlich gegenüber einer demokratisch gewählten Partei. Haben die Bauern nicht zum "Dialog an einen Tisch" gebeten?

von Freerk Buse

Wir müssen aus unseren Gräben raus.....

Liebe Kollegen, auch wenn das jetzt wahrscheinlich bei vielen nicht ins Bild passt: In dem Interview sind meiner Meinung nach mehr positive Ansätze für uns drin als in dem was unsere Weinkönigin so absondert. Natürlich kann und muss man über Details und konkrete Umsetzung diskutieren und vorher die Ideologie zugunsten von Fakten aus der Argumentation streichen. Einen ganz wesentlichen Punkt für die Sicherung unserer Existenzen hat Habeck im Gegensatz zu unseren angeblichen Freunden von der Union (in der ich selbst seit 25 Jahren Mitglied bin) aber erkannt: Vorraussetzung für die Verschärfung von Standards in der Produktion bei gleichzeitigem Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit ist Außenschutz: Es darf nur importiert werden, was nachweislich zu unseren Standards erzeugt worden ist. Wird diese Regel umgesetzt, sind die meisten unserer Probleme vom Tisch. Die Diskussion gestern Abend bei Phoenix wäre für uns deutlich besser gelaufen, wenn Andresen und Ostendorf beide für die Interessen der Landwirtsfamilien argumentiert hätten, anstatt sich ideologisch gegenseitig auszubremsen. Alle, denen die Zukunft ihrer Betriebe (egal welcher Produktionsrichtung) und der Landwirtschaft in Deutschland am Herzen liegt müssen an einem Strang ziehen. Wir sollten auch auf die Jungs und Mädels von Fridays for Future zugehen,über unsere Situation informieren und klar machen, das wir ähnliche Ziele haben und zu Veränderungen bereit sind. Wenn wir in Zukunft nicht mehr nur die Beschaffer billiger Rohstoffe für Lebensmittelindustrie und Handel sein wollen, müssen wir mehr Verbündete haben. Diesen Lobbyapparat aus Industrie, Politik und Verbänden können wir alleine nicht knacken.

von Christian Bothe

Habeck 2.

Was mich bei der ganzen Diskussion,Entschuldigung ankotzt, das die Grünen und deren Ableger, leider neuerdings auch Klöckner+Schulze sowieso seit Jahren auf der LW und deren angebliche Misswirtschaft(Klima,Tierschutz,Grundwasser,Düngung etc.)einschlagen. Jeder Bauer mit Ehrgefühl arbeitet nach guter landwirtschaftlicher Praxis und das schon seit Jahrzehnten.Er weiß genau was zu tun ist, sichert damit seine Existenz,auch die Ernährung auch von Grünen, die kein Fleisch mehr essen...Investitionen beweisen dies eindrucksvoll und die LW hat einen wichtigen Stellenwert in jeder Volkswirtschaft ,weltweit,auch wenn das leider medial oft angezweifelt wird.

von Hans Spießl

Ja die Vielflieger

an diesem Beispiel hat man die Gesinnung dieser Menschen wirklich gesehen, es sind verzogene Egoisten die mit ihren Öko Wahn letztendlich nur Werkzeuge der USA sind.

von Christian Bothe

Habeck

Auf welchem Planet lebt der Herr denn??Mit solchen Plattitüden kann man eine Volkswirtschaft nur zerstören und nicht entwickeln, die LW eingeschlossen. Das Top agrar als Fachzeitschrift so ein Interview veröffentlicht, wird nicht viele begeistern...Klimaabsolutismus in Reinkultur und mit „schädlichem“ CO2 obwohl für das Pflanzenwachstum lebensnotwendig somit auch für die Ernährung von 10Milliarden Menschen in der Zukunft, lässt sich ja heute alles begründen.Ich will meinen Kommentar schnell beenden ,da wir ja seit gestern wissen, das die Internetserver weltweit CO2 produzieren...Ob Habeck schon abgeschaltet hat?

von Gregor Grosse-Kock

Habeck

Ist nur Altklug, die Denkansätze haben mit einer nicht wachsen wollenden Erkenntnis zu tun Wie kann z B die Schweinehaltung verkleinert werden aber die Abnehmer wachsen? Bei der Haltung in Grossraumställe, wie reinigt man Bereiche um Infektionsketten zu Brechen, alles wird über Bord geworfen, was sonst als Verbesserung und als Garantie für ein gutes Wachstum galt ist Falsch. Im Detail steckt der Teufel Hr Habeck, die Anpassung an das Wetter kommt von ganz allein, wie der Mensch das schon immer gemacht hat. Klimawandel hin oder her, nichts ist bewiesen um uns derart zu jagen! Politik täte gut daran sich etwas zurück zu halten, weil zu fast 100% lag sie immer daneben und nicht darauf, mit so wenig Empathie würde sich an der Börse nur die Pleite einstellen!

von Wilhelm Grimm

Ich glaube Herrn Habeck (fast) kein Wort.

und erinnere mich an seine Vergabe eines Gutachtens zu einer Besteuerung von PSM an das Helmholtz-Institut, obwohl er in "seiner" Uni anerkannte Proffessoren zur Beurteilung dieser Frage zur Verfügung hatte. Das ist verlogen gewesen. Oder sein grüner Agrarfachmann Ostendorff in der gestrigen Sendung Phoenix mit Herrn Andresen, Frau Connemann und Frau Herrmann von der TAZ. Herr Ostendorff ist der Mann für das grobe Geschäft und Herr Habeck spielt den netten Onkel von nebenan, der gerne auf leisen Sohlen daher kommt. Ich erwarte von Herrn Habeck eine bessere Politik, aüßerlich nett reicht keineswegs.

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