„Öko-Landbau ist nicht das Ziel, sondern ein Weg“

Der Öko-Beauftragte des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Heinrich Graf von Bassewitz, hat den jüngst bekannt gewordenen Entwurf der EU-Kommission für eine Reform der EU-Bioverordnung auf dem DBV-Perspektivforum anlässlich der Biofach in Nürnberg scharf kritisiert.

Der Öko-Beauftragte des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Heinrich Graf von Bassewitz, hat den jüngst bekannt gewordenen Entwurf der EU-Kommission für eine Reform der EU-Bioverordnung auf dem DBV-Perspektivforum anlässlich der Biofach in Nürnberg scharf kritisiert.

„Was die EU-Kommission derzeit plant, geht an der Zielsetzung, mehr Nachhaltigkeit zu erreichen, völlig vorbei“, stellte Bassewitz fest. Mit den vorgesehenen, starren Regeln könne der Öko-Landbau nicht zur Entwicklung und Erprobung nachhaltiger Technologien in einer Kreislauf-Landwirtschaft beitragen. Vielmehr werde er wieder in die längst verlassene Marktnische verbannt.

Statt eines Beitrages zur Nachhaltigkeit, zum Tierwohl, zur Biodiversität oder zum Verbraucherschutz erhebe die EU-Kommission jetzt „100 Prozent Bio zum Selbstzweck“. „Öko-Landwirtschaft ist nicht das Ziel sondern ein weitentwickelter Weg zu mehr Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft“, erklärte Bassewitz. Auf diesem Weg sei auch im Öko-Landbau noch viel zu tun. Der DBV-Fachausschuss Öko-Landbau hatte am Vortag des Perspektivforums die von der EU-Kommission vorgesehene Reform der EU-Bio-Verordnung bereits rundum abgelehnt.

Als Beispiel des verfehlten Nachhaltigkeitsziels führte von Bassewitz die von der EU-Kommission geplante Verpflichtung der Bio-Bauern auf, die Eiweißfütterung zu 100 % mithilfe von Bio-Sojabohnen aus Brasilien sicherzustellen. Dieses sei zwar „100 Prozent Bio“, aber – wie hinreichend bekannt – keineswegs nachhaltig.

Bassewitz warnte die EU-Kommission vor „einer sinnlosen Verschärfung des EU-Verordnungsrechts“. Eine möglichst energieautarke und umweltverträgliche Kreislaufwirtschaft, die alle Nachhaltigkeitskriterien erfülle, müsse das Ziel sein, so von Bassewitz. Dazu brauche es einen Forschungsschub zur Steigerung der Produktivität im Öko-Landbau und zur weiteren Verbesserung der Nachhaltigkeitsleistungen. Bei beiden Themen gäbe es von den gesellschaftlichen Anforderungen an die Tierhaltung bis hin zu einem möglichst sanften Pflanzenschutz auch viele Synergiefelder zur konventionellen Landwirtschaft.

Was bei einer kompletten Überarbeitung der EU-Ökoverordnung droht, erklärte Bioland-Präsident Jan Plagge im Interview mit top agrar:  „Die Vorschläge sind völlig praxisfremd!“ (23.1.2014)

Mehr:
Bundesregierung will nur leichte Änderungen an EU-Ökoverordnung (29.1.2014)


Diskussionen zum Artikel

Kommentar schreiben

Diskutieren Sie mit

Tragen Sie mit Ihrem Beitrag zur Meinungsbildung zu diesem Artikel bei.

Sie müssen sich anmelden um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen