Ökoverbände rufen zum Klimaprotest auf

Unter dem Motto “Farmers for Future” wollen sich Landwirte am für Freitag geplanten weltweiten Klimaprotest beteiligen. Wenn es aktiv wegen dem Betrieb nicht gehe, dann ideell.

„Auch, wenn viele Bäuerinnen und Bauern nicht streiken werden können, weil das Wohl ihrer Tiere ihnen am Herzen liegt, die Ernte eingebracht oder die Saat für das nächste Jahr gelegt werden muss - stehen sie hinter den Forderungen für mehr Klimaschutz, für eine enkeltaugliche Zukunft und den Erhalt der Lebensgrundlage“, heißt es in einem Aufruf von Bioland von dieser Woche. Für Freitag, den 20 September sind bundesweit mehr als 400 Demonstrationen geplant. Die Hauptkundgebung wird in Berlin vor dem Brandenburger Tor stattfinden. Für ihren Aufruf zum globalen Streik für mehr Klimaschutz bekommt die Bewegung Fridays for Future breite Unterstützung. Mit dabei sind neben Umwelt- und Entwicklungsorganisationen auch die Ökoverbände wie Bioland, Demeter, Naturland und Biokreis sowie das Bündnis „Wir haben es satt“ und die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL).

Landwirtschaft ist Teil der Lösung beim Klimaschutz

Parallel zu den Protesten tagt am Freitag in Deutschland das Klimakabinett in Berlin. In New York wird derweil der UN-Klimagipfel vorbereitet. „Der Klimawandel betrifft uns alle. Am 20. September gehen hoffentlich so viele Menschen wie möglich auf die Straße, um dieser Menschheitsherausforderung Gehör zu verschaffen“, sagte der Präsident von Bioland, Jan Plagge. Die Politik hat aus seiner Sicht Jahrzehnte die falschen Ziele verfolgt und die Grundlagen des Daseins nahezu kaputt regiert. "Die Landwirtschaft ist Teil der Lösung beim Klimaschutz", sagte Plagge. Biobauern setzten sich Tag für Tag auf den Höfen für Klimaschutz ein, sagte Gita Sandrock, Betriebsleiterin eines Bioland-Betriebs aus Nordhessen, der vor 44 Jahren auf Biolandbau umgestellt wurde. „Unsere Arbeit allein reicht aber nicht. Die Politik muss endlich die richtigen Rahmenbedingungen setzen, die klimagerechte Praxis nachhaltig zu fördern“, so Sandrock weiter.

An die Bundesregierung stellen die Ökoverbände folgende Forderungen:

  • Verabschiedung eines Klimagesetzes 2019, das die deutschen Klimaziele zur Begrenzung der Erderwärmung auf maximal 1.5 Grad festschreibt.
  • Das Klimaziel 2020 müsse, soweit noch möglich, eingehalten werden, die weiteren Klimaziele 2030 und 2050 müssten dringend nachgeschärft und konsequent umgesetzt werden.
  • Einführung einer wirksamen CO2 –Steuer sowie weiteren konkreten und verpflichtenden Maßnahmen, um die Ziele zu erreichen.
  • Ausrichtung der gesamten EU-Agrarzahlungen (GAP) auf eine klimaschonende, umweltschonende und tiergerechte Landwirtschaft.
  • Verminderung der Emissionen aus der Tierhaltung durch Reduktion der Tierbestände und eine durchgängig flächengebundene Tierhaltung.
  • Maßnahmenpaket zur Erreichung des 20 % Ökolandbau-Ziels der Bundesregierung, welches u.a. eine forcierte Umsetzung der Zukunftsstrategie Ökolandbau beinhaltet.
  • Förderung der CO2-Bindung durch Humusaufbau in den landwirtschaftlichen Böden.
  • Etablieren einer Stickstoffstrategie zur Reduzierung der Lachgasemissionen.
  • Schutz, beziehungsweise nachhaltige wirtschaftliche Nutzung, von Mooren, Grünland und Wald sicherstellen.
  • Förderung von nachhaltigem Konsum und einen Stopp der Lebensmittelverschwendung.

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Das Konzept der CDU zum Klimaschutz schließt die Landwirtschaft ein. Sie soll die Klimaziele mit weniger Emissionen aus Düngung und Tierhaltung und mehr CO2-Speicherung erreichen.

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Artikel geschrieben von

Stefanie Awater-Esper

Korrespondentin Berlin

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Diskussionen zum Artikel

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von Christian Bothe

Klimanie

Da sind ja die richtigen Truppen beieinander und man kann gleich noch BIO mit “Klimanie“ verbinden, obwohl jeder Ökonom weiß, das man nur konventionell Milliarden von Menschen ernähren kann!

von Hermann Kamm

mit den Wölfen

heulen?

von Alexander Spahr

FARMERS FOR FUTURE

Ich bin mir sicher dass kaum eines der Mitglieder der FARMERS for Future Gemeinschaft sich an den Klimaprotesten beteiligen werden....

von Phillip Braendle

Die AbL...

... ist kein Ökoverband sondern vertritt explizit, und sehr bewusst, auch die Interessen konventioneller bäuerlicher Betriebe. Ich finde das gerade vor dem Hintergrund der Klimaveränderungen wichtig da diese den ökologischen und konventionellen Landbau gleichermaßen treffen. Zudem können beide wirtschaftsweisen Teil der Lösung sein.

von Rudolf Rößle

Kapitalismus

gestern Abend habe ich mir die Entwicklung der Weltgeldströme und Industrieentwicklung der letzten 30 Jahre in Arte angesehen. Am Beispiel China und Gesamtasien + Südamerika wird deutlich, dass Ressourcenschonung und Energieverbrauch weltweit Fremdwörter sind. Am Beispiel von Chinas rasch steigenden Flug und Straßenverkehr wurden mir die Dimensionen deren Wachstums deutlich. Auch das losgelöste virtuelle Computergeld an den Börsen bringt immer schlechtere Bedingungen für die Allgemeinheit, und begünstigt nur die Kapitalegomanen. Sehr sehenswerter Film. Daher sollte sich Deutschland mit anderen wichtigen Industrienationen überlegen, wie die Welt von Morgen aussehen soll und nicht jeder sein eigenes Süppchen kocht. Über die Denkweise Südamerikanischer Landwirte kam auch ein Bericht.

von Albert Maier

Volksverdummung!

"Verabschiedung eines Klimagesetzes 2019, das die deutschen Klimaziele zur Begrenzung der Erderwärmung auf maximal 1.5 Grad festschreibt." Deutlicher als in diesem Satz kann man den ganzen Blödsinn nicht ausdrücken, das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Per Gesetz die Erderwärmung auf 1,5 Grad festschreiben. Man könnte auch per Gesetz festschreiben, dass spätestens 2050 die Sonne im Westen aufzgehen hat! Ist beides das selbe, nämlich Volksverdummung!

von Wilhelm Grimm

Die Klimabilanz der BIO- Landwirtschaft ist eine Katastrohe.

In deren Stelle würde ich nicht so wüst gegen die Konvis argumentieren. Aber wenn es um das Abgreifen von Staatsknete geht, ist den Öko-Verbänden auch der Kampf gegen alle Konvis ein probates Mittel. Die mir bekannten Ökobauern tun das nicht.

von Heinrich Albo

Für jeden Hektar der hier nach

Bio Standard bewirtschaftet wird muss ein weiterer Hektar in anderen Teilen der Welt gerodet werden ! Wieviele verhungernde Menschen könnten mit den Subventionen für BIO ernährt werden ? Wieviele ha Regenwald könnte man damit kaufen ? Stattdessen bauen die Bios nur Lebensmittel für Reiche an...Sie sollten sich schämen statt für mehr Subventionen zu demonstrieren.

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